Heinz Oberhummer

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Heinz Oberhummer

Heinz Oberhummer (* 19. Mai 1941 in Bischofshofen; † 24. November 2015 in Wien) war Physiker und Mitglied der Kabarettgruppe Science Busters.

Leben

Heinz Oberhummer wuchs in Obertauern auf, wo sein Vater als Volksschullehrer arbeitete. Nach dem Besuch der Hauptschule in Radstadt und einem Auslandsaufenthalt in den USA legte er an der Bundesrealschule in Salzburg die Matura ab. Sein Studium der Physik und Mathematik beendete Oberhummer mit dem Doktorat im Jahr 1970 in Graz. Unmittelbar danach fand er eine Anstellung als Universitätsassistent am Atominstitut der österreichischen Universitäten an der Technischen Universität Wien, wo er sich 1980 habilitierte. 1988 wurde er Universitätsprofessor und 1999 schließlich Institutsvorstand. 2006 ging er als solcher in Pension.

Bis zu seiner Emeritierung (2006) war er Professor für theoretische Physik am Atominstitut der Technischen Universität Wien mit Forschungsschwerpunkt Nukleosynthese (der Wissenschaft zur Entstehung von Atomkernen). Darüber hinaus war er Projektleiter und Koordinator von mehr als 30 Projekten und schuf sich in der Fachwelt einen Namen durch zahlreiche Fachbeiträge in wissenschaftlichen Publikationen sowie als Initiator der Konferenz „Nuclei in the Cosmos“; Diese Konferenz über nukleare Astrophysik findet seit 1990 alle zwei Jahre auf einem anderen Kontinent statt.

In seinem Ruhestand brachte er die Physik einem breiten Laienpublikum in Vorträgen näher. Er war 2007 Mitbegründer der Kabarettgruppe „Science Busters“, der am 27. November 2013 den Sonderpreis des österreichischen Kabarettpreises 2013 verliehen wurde. Mit dieser Gruppe brachte er besonders Jugendlichen die Physik näher, unter anderem mit dem Versuch eines „homöopathischen Vollrausches“.

Als kritisch denkender Naturwissenschafter hinterfragte er die These der Theologen, die sagen, Gott habe das Universum geschaffen – wer aber schuf Gott? Die Theologenmeinung: Gott hat sich selbst erschaffen. Aber das Universum hat dies durch den Urknall auch selbst getan. Wenn sich also das Universum selbst erschaffen hat, so kann das Gott auch, so Oberhummer, und weiter „...aber im Gegensatz zu Gott wurde das Universum schon wissenschaftlich nachgewiesen...„. Aus dieser kritischen Haltung gegenüber kirchlichen Lehren ist es auch verständlich, dass Oberhummer 2009 und 2011 den Zentralrat der Konfessionsfreien in Österreich leitete. Dieser habe sich zur Aufgabe gemacht, die Kirchenprivilegien abzuschaffen.

Heinz Oberhummer war verheiratet, hatte zwei Kinder und lebte zuletzt in Niederösterreich. 2014 wurde er zum "Ehrenmitglied" von Obertauern ernannt.[1]

Er starb im alter von 74 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung.

Vorgestellt

Wie alles angefangen hat? „Der Sternenhimmel über Obertauern“, sagt Heinz Oberhummer. Den habe er schon als Kind bewundert. Einmal habe er sich zu Weihnachten einen Sternenkalender gewünscht. „Ich habe ihn nicht gekriegt. So enttäuscht war ich selten in meinem Leben.“

Heute blickt er auf ein erfülltes Leben als Kern- und Astrophysiker zurück. Seine Erfolge hatten natürlich mit Sternen zu tun. So hat er etwa die kosmologische Feinabstimmung der grundlegenden Kräfte im Universum bei der Entstehung von Kohlenstoff und Sauerstoff berechnet. „Genau betrachtet besteht auch der Mensch aus Sternenstaub. Kohlenstoff, Sauerstoff, Wasserstoff“, sagt er. Oberhummer wurde sogar für den Nobelpreis vorgeschlagen. Worauf er sich nichts einbildet. Immerhin war er schon längst ein weltweit renommierter Physiker und Professor an der TU Wien, als er seine Frau heiratete. Die war Heurigenwirtin in Niederösterreich. Erst da habe man in seiner Familie anerkennend genickt und gesagt: „Heurigenwirtin ist gut. Dann ist also doch noch etwas aus dir geworden.“

„Womit sie vielleicht nicht ganz unrecht haben“, sagt Oberhummer mit einem Augenzwinkern: „Ich bin eben nur ein Theoretiker. Für den Alltag bin ich tatsächlich vollkommen unbrauchbar.“ Da sei es auch nur logisch gewesen, dass er im Ruhestand eine neue Aufgabe benötigt habe. Er fand sie in der Zusammenarbeit mit den Science Busters. Das sind neben Oberhummer noch sein Kollege, der Physiker Werner Gruber, sowie der Kabarettist Martin Puntigam. Zusammen machen sie ihre Sache so gut, dass sie seit Jahren im Wiener Rabenhof in ständig wechselnden Programmen auftreten: Dort haben sie die Theorie, dass man hochkomplizierte wissenschaftliche Erkenntnisse in fünf Minuten humorvoll erklären kann, in die Praxis umgesetzt.

Inzwischen haben die Science Busters eine wöchentliche Kolumne im ORF-Jugendsender FM4 und gehen regelmäßig auf Tournee. Und in dieser Woche ist auch ihr erstes Buch („Wer nichts weiß, muss alles glauben“, Ecowin) erschienen. Keine Frage: Oberhummer ist mit sich im Reinen.

Wenn er ein Problem hat, dann nur mit den Religionen. „Im Gegensatz zur Wissenschaft ist der Glaube prinzipiell ja unbeweglich“, sagt er. „Die Wissenschaft nicht.“ Als Beispiel nennt er Ferdinand Sauerbrauch (1875–1951). Dieser zählt zu den genialen Chirurgen des 20. Jahrhunderts: „Aber heute würde er an der Universität durch jede Prüfung fallen.“

Dann entschuldigt sich Oberhummer, weil er für heute noch geschwind ein paar bahnbrechende Berechnungen anstellen müsse: „Der Puntigam hat gesagt, ich soll die Winkel berechnen, bis zu denen man stehend und sitzend schunkeln kann, ohne umzufallen.“ Die Auflösung und mehr zum Oktoberfest gibt es im neuen Programm Ozapft is.

Veröffentlichungen

  • Werner Gruber, Heinz Oberhummer, Martin Puntigam: Wer nichts weiß, muss alles glauben. Science Busters, Ecowin 2010
  • Kann das alles Zufall sein? Geheimnisvolles Universum, Ecowin 2008
  • Kerne und Sterne: Einführung in die Nukleare Astrophysik, Barth 1993

Weblinks

Quellen