Hochzeitslader, Krapfenschnapper, Seitelpfeifer

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Titelbild Buch Hochzeitslader, Krapfenschnapper, Seitelpfeifer

Buchtipp Hochzeitslader, Krapfenschnapper, Seitelpfeifer, Bräuche in Österreich - Sommer, Herbst und Lebenskreis

Autor: Reinhard Kriechbaum
Verlag: Verlag Anton Pustet
Erscheinungsjahr: 2013
ISBN 978-3-7025-0722-0

Rezension 1

Brauch habe ich wieder so großzügig wie nur möglich ausgelegt, ...“ schreibt der Autor vorwarnend in seinem Vorwort. Aber er hat in meinen Augen den Begriff „Brauch“ etwas zu großzügig ausgelegt. Denn, sehr vereinfacht, ist ein Brauch etwas, was von Generation zu Generation weitergegeben wird. Liebesschlösser an Brückengeländern schon nach ein paar Jahren (mag es auch schon vielleicht ein Jahrzehnt sein) ist wohl mehr eine Zeiterscheinung als ein „Brauch“; den Kaffeehaus der Wiener als bürgerlichen Sozialbrauch zu bezeichnen, finde ich gewagt, dann müsste wohl der Heurigenbesuch auch ein „Brauch“ sein oder? Kriechbaum zählt das Donauinselfest zum Brauchtum – für mich ist es eine Veranstaltung, sonst wären die Salzburger Festspiele auch Brauchtum. Tiersegnungen als „zeitgeistiger Brauch“: sind sie nun Brauch oder Zeitgeist? Fitwanderungen und Bundesheer-Schau am Nationaltag: ein österreichischer Brauch?! Der Weltspartag mit seinem Sparefroh ist ein Brauch für die Wirtschaftswunder-Generation. Na ich weiß nicht so recht, ob da der Begriff „Brauch“ nicht schon sehr verschwommen verwendet wird? Flitterwochen und die damit zusammenhängende (Flug)Reise – tatsächlich ein „Brauch“? Ein besonders Reizwort für mich im Zusammenhang mit Brauchtum ist Halloween. Keiner weiß recht, wieso und warum, man beschmiert fremdes Eigentum oder wie es mir in Wien dieses Jahr gegangen ist: ich wurde aus dem Hinterhalt mit rohen Eier beworfen und durfte dann meine Kleidung reinigen. Wo bitte, ist da Brauch?

Gut, von den 88 von Kriechbaum beschriebenen Bräuchen oder jenen, die er dazu zählt, sind immer noch etwa 90 Prozent Bräuche im traditionellen Sinn. Wenngleich auch dabei Kriechbaum manchmal schon weit ausholt oder, wie man so sagt, alles zusammenkratzt, um die Seitenzahl für seinen dritten Brauchtumsband zusammenzubekommen. Beispiele wären der „Brauch“ des Reformationstages für evangelische Christen, die Autoweihe am Christophorus-Tag, der Kindergartenbrauch, zu Martini mit Laternen zu gehen oder die Aufzählung traditioneller Handwerks- und Kunstgewerbeberufe, z. B. das Salzburger Nahtl (ist ein Beruf Brauch?).

Gefallen haben mir manche Beschreibungen bei Bräuchen rund um das Thema „verliebt, verlobt, verheiratet“, 19 an der Zahl, also gut ein Viertel des Buches. Beim Lesen mancher Erklärungen habe ich mir gedacht, ob das alles wohl die Leute wissen, wenn sie heute einen dieser z. B. Hochzeitsbräuche ausführen? Oder machen sie es, weil man es halt so macht (weißes Kleid, über Türschwelle tragt, Braujungfer mit Schleier) oder weil es halt laut tut?

Insgesamt betrachtet sicherlich ein interessantes Buch mit durchaus viel Wissenswertem. Nur der Titel „Bräuche…“ ist, freundlich formuliert, irgendwie nicht ganz passend.

Bräuche aus Salzburg

Rezension 2

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Quelle