Jan Cemper-Kiesslich

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Mag. Dr. Assoz. Prof.[1] Jan Cemper-Kiesslich ist Molekularbiologe Fachbereich Gerichtsmedizin an der Universität Salzburg.

Forscher belegt: Heß hatte keinen Doppelgänger

Um Rudolf Heß (einer der 24 Angeklagten nach Ende des Zweiten Weltkriegs im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher) hielt sich eine hartnäckige Verschwörungstheorie: Ein Doppelgänger soll im Kriegsverbrechergefängnis Spandau in Berlin eingesessen haben, während der echte Hitler-Stellvertreter der Strafe entging. Mit einer DNA-Untersuchung konnten Forscher aus den USA und Salzburg diese Theorie 2019 widerlegen. Daran führend beteiligt war Molekularbiologe Jan Cemper-Kiesslich vom Fachbereich Gerichtsmedizin der Universität Salzburg.

"Es war eine einmalige Chance, an so einem Projekt mitarbeiten zu können - und in der Zeitgeschichtsschreibung einen Beitrag zu leisten", sagt Cemper-Kiesslich. Der Molekularbiologe kam durch Zufall zu dem Projekt: Der US-Militärarzt Sherman McCall nahm Kontakt zum DNA-Experten auf, nachdem er eine Blutprobe von Heß erhalten hatte - und ein Familienmitglied gefunden hatte. Die Blutprobe hatte einen abenteuerlichen Weg hinter sich: "Sie wurde 1982 bei einer Routineuntersuchung in Spandau abgenommen", sagt Cemper-Kiesslich. Ein Teil der Probe verblieb auf einem versiegelten Mikroskop-Objektträger im Besitz des US-Pathologen Rick Wahl, der den Träger als Unterrichtsmaterial für Studenten behalten hatte.

Die Probe gelangte 2013 in die Salzburger Gerichtsmedizin. Die Forscher konnten DNA aus dem getrockneten Blut extrahieren und sie mit einem Familienmitglied vergleichen. "Mit 99,9 Prozent Wahrscheinlichkeit war der Häftling aus Spandau tatsächlich Heß", sagt Cemper-Kiesslich.

Heß war im Mai 1941 nach Großbritannien geflogen, um kurz vor dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion einen Separatfrieden zu verhandeln. London stand zu seinem Verbündeten und inhaftierte Heß. 1946 wurde er in den Nürnberger Prozessen zu lebenslanger Haft verurteilt. Im August 1987 nahm er sich mit 93 Jahren das Leben, nachdem er mehr als 20 Jahre der einzige Häftling in Spandau gewesen war.

Immer wieder tauchten Spekulationen auf, dass anstatt Heß ein Doppelgänger einsaß. US-Präsident Franklin D. Roosevelt sei sich nicht ganz sicher gewesen, ob nicht ein Betrüger Heß' Haftstrafe verbüßt habe, heißt es im Magazin "New Scientist", das über die Forschung berichtet. Auch Heß' Frau spielte immer wieder auf die Doppelgängertheorie an.

Quelle

Einzelnachweis