Jugendservicestelle

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Die Jugendservicestelle war eine Service- und Beratungseinrichtung der Stadt Salzburg, die sich schwerpunktmäßig an kulturinteressierte bzw. -schaffende Jugendliche[1] zwischen 16 und 24 Jahren wandte [2].

Allgemeines

Die Jugendservicestelle war dem Kulturamt Salzburg angegliedert. Die Räumlichkeiten befanden sich in der Hubert-Sattler-Gasse 17. Die Hauptaufgaben lagen bei Service und Beratung im Bereich Kultur und Freizeit. Darüber hinaus initiierte und betreute sie Veranstaltungen, Projekte und Workshops, zumeist in Kooperation mit anderen kulturellen Einrichtungen.

Mitarbeiter

Die Mitarbeiter der Jugendservicestelle waren Johannes Eder, Bruno Gabriel und Monika Seethaler, zuständig für Musik, Kultur, Freizeit und Information[3]. Ein Mitarbeiter der in den 1980er Jahren war u.a. Wolfgang Descho.

Projekte

Die Jugendservicestelle realisierte eine Reihe von Projekten, die gezielt jugendliches Kunstschaffen förderten und ein breites Publikum ansprachen. Vor allem im Bereich der Musik sind Veranstaltungen wie „Salzrock“ oder das CD „Xtra Ordinary“ bekannt geworden. Darüber hinaus betreute die Jugendservicestelle Filmprojekte wie „Night Revenger“ und zahlreiche Theaterprojekte, darunter eine Aufführung von „Trainspotting“ in der Regie von Doris Harder. In der Produktionsförderung wurden ungewöhnliche Wege beschritten. Mit dem Stück „Heimkehraus“ der theatergruppe stuz wurde z. B. eine Stadtteiltour durch alle Bewohnerzentren veranstaltet. Das Angebot wurde komplettiert von einer Reihe von Informationstagen und Workshops in Bereichen wie Comic-Zeichnen, Comedy, Theater, Tanz und Musik.

Besondere Popularität erreichte das monatliche Magazin „Kult-Info“, das nach einer Karikatur ab 1999 einer Vorzensur des Kulturamts unterworfen wurde.[4]

Bekannte Projekte

  • CD „X-tra Ordinary“ bzw. „Xtraordinary“ in vier Ausgaben 1997-2000
  • Das „Kult-Info“, monatliches Magazin
  • Salzrock, Konzertveranstaltung
  • Local Heroes (in Kooperation mit dem Rockhouse)

Schließung

Seit Mitte der 1990er Jahre war die Finanzierung der Jugendservicestelle öfter in Frage gestellt. Trotzdem wurde zu dieser Zeit das Projekt noch als „Zukunftswerkstätte“ betrachtet[5]. Die Schließung der Jugendservicestelle und die Transformation der Jugendagenden zu einer Jugendkoordination erfolgte unter Bürgermeister Dr. Heinz Schaden.

Kontroverse

Das Ende der Jugendservicestelle erfolgte überraschend im April 2000[6]: Von Seiten der Stadt Salzburg wurde die Notwendigkeit der Schließung mit einer Ausweitung der Jugendarbeit und gesetzlichen Maßnahmen erklärt[7]. An die Stelle einer aktiv initiativen Organisation mit mehreren Mitarbeitern, sollte ein einzelner Jugendbeauftragter treten, der größere Aufgabengebiete betreuen sollte.

Zahlreiche Künstler und Aktivisten, sowie der Dachverband Salzburger Kulturstätten[8] sprachen sich dagegen aus und betonten die Niederschwelligkeit, Innovation und Produktivität der Jugendservicestelle. Die Mitarbeiter selbst wurden in den Prozess der Transformation der Jugendarbeit nicht einbezogen und wurden auch nicht Teil der neuen Organisation[9].

Besonders kontroversiell war die Schließung der Jugendservicestelle, da sie zeitlich mit dem Kulturleitbildprozess der Stadt Salzburg zusammenfiel. Der Jugendkoordinator Österer definierte seine Rolle in bewusster Abkehr von der bisherigen Praxis der Jugendservicestelle als Informationsservice[10]. Aktueller Jugendkoordinator ist Jochen Höfferer.

Nachwirkung

Die Niederschwelligkeit der Angebote brachte eine große Zahl an Kunst und Kultur interessierter Jugendliche mit der Jugendservicestelle in Kontakt. Die Förderung mit geringen Mitteln ermöglichte den Einstieg in die Arbeit im Kunst- oder Kulturbereich. Unter den geförderten Gruppen und Künstlern befinden sich u.a. die Autorin Kathrin Röggla[11], der Drehbuchautor und Regisseur Wolfgang Haberl, Anton Zimmerman-Faé und Hannes Klein (heute Explosive Egg), theatergruppe stuz (Karl Zechenter, Markus Grüner, heute ARGEkultur), gold extra, ArtetFact, Mad Company (Josef Krasanovsky, heute Theater Drachengasse, Wien) oder Tenebrae Divinae (Gerd Pardeller, heute MARK).

Neben dieser Funktion als Förderer und Informationsservice für den Start im Kulturbereich, überdauerten vor allem die innovativen Formate die Jugendservicestelle. Viele Projekte wurden mit der Unterstützung der Jugendservicestelle begonnen, darunter das Jugendradio der Radiofabrik oder das Jugendfilmfestival „Klappe“. Sehr nachhaltig wirkten die Musikprogramme, die vielfach ursprünglich gemeinsam mit dem Rockhouse konzipiert von diesem übernommen wurden. So wird die Reihe der jährlichen Musiksampler Salzburger Bands seit 2000 vom Rockhouse fortgeführt.

Einzelnachweise

  1. Stadt Salzburg (Hg.): Kulturbericht 1999, S.46
  2. interact!media: „Stadt Salzburg – Jugendservicestelle“, abgerufen am 24.8.2011
  3. Archiv Österreichischer Popularmusik, SRA: „Jugend-Service-Stelle der Stadt Salzburg“, abgerufen am 24.8.2011
  4. o.V.: kurzfehler Zensur1 In: Kunstfehler, Dezember 1999
  5. Jandrokovic, Mario: „Lernen sich Dinge zuzutrauen“ - Jugend und Kultur: Mehr als das kulinarische Tüpfchen auf dem I des Bildungswesens. In: kunstfehler, September 1995
  6. Zechenter, Karl: Schließung der Jugendservicestelle – Ein Ende mit Schaden?. In: kunstfehler, Juni 2000
  7. Budin-Gerhart, Susanne: Jugend braucht(T)Räume, Aussendung der Stadt Salzburg, 19. April 2000. abgerufen am 24.8.2011
  8. Dachverband Salzburger Kulturstätten:Presseaussendung März 2001, abgerufen am 24.08.2011
  9. Zechenter, Karl: Schließung der Jugendservicestelle – Ein Ende mit Schaden?. In: kunstfehler, Juni 2000
  10. Jenichl, Sabine: Koordination statt Service – Was bringt der neue Jugendkoordinator In: kunstfehler, Jänner/Februar 2001
  11. Jandrokovic, Mario: „Lernen sich Dinge zuzutrauen“ - Jugend und Kultur: Mehr als das kulinarische Tüpfchen auf dem I des Bildungswesens. In: kunstfehler, September 1995

Quellen