Nikolaus Hunt

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Nikolaus Hunt († 1448) war ein verdienstvoller Seelsorger.

Leben

1323 wird erstmals in einer von Erzbischof Friedrich III. von Leibnitz in Saalfelden erstellten Ablassurkunde eine Kirche in Leogang erwähnt. Sehr häufig waren derartige Urkunden im Zusammenhang mit einem kirchlichen Baugeschehen verbunden. Von den sieben Hilfspriestern, welche im Spätmittelalter im Saalfeldner Pfarrhof wohnten, war auch einer für Leogang zuständig. Der "Lewganger" wird in der Mess-Stiftungsurkunde der Herren von Hunt aus dem Jahre 1491 eigens angeführt. Zu festgelegten Zeiten ritt dieser nach Leogang, um dort Gottesdienst zu halten. Neben verschiedenen anderen Einkünften stand ihm auch Futter für sein Pferd zu, wofür die Leoganger aufzukommen hatten. Bis ins 20. Jahrhundert brachten Bauern Hafer in den Dechantshof zu Saalfelden.

Die „Gesellpriester" waren in allen seelsorglichen Belangen, vor allem aber in der Einhaltung der Gottesdienstzeiten, dem Pfarrer von Saalfelden verantwortlich. Nur er hatte das Recht Änderungen vorzunehmen. Die Gläubigen mussten in allen wichtigen pfarrlichen Angelegenheiten zu ihm kommen. Davon zeugt auch eine Urkunde des Saalfeldener Pfarrers Nikolaus von Hunt. Dieser stammte aus dem Geschlecht der Herren von Hunt, welche in Dorfheim bei Saalfelden ihren Stammsitz hatten. In der Chronik Saalfelden wird er als verdienstvoller Seelsorger bezeichnet, der auch gegen zeitgenössische abergläubische Praktiken vorging und die Wallfahrt in Maria Alm förderte. Während seines Wirkens stellte Papst Eugen IV. 1435 eine Ablassurkunde für die Erhaltung und Renovierung der Pfarrkirche Saalfelden aus.

Die Gläubigen in Leogang scheinen sich an die von ihm gehandhabte Gottesdienstordnung gewöhnt zu haben, denn Nikolaus Hunt war bereits seit 1393 als Pfarrer in Saalfelden tätig. Die ursprünglich schriftlich festgelegte Gottesdienstordnung ist, wie aus der Urkunde hervorgeht, einem Brand zum Opfer gefallen. Damit sie aber nach dem Ableben des alten Pfarrers weiterhin gültig bleibt, wandten sich die Leoganger an ihn - mit der Bitte um Bestätigung derselben. Im Dekanatsarchiv Saalfelden findet sich die Urkunde, in der Nikolaus Hunt am Peter-und-Paul¬Tag 1444 dem Wunsch der Leoganger nachgekommen ist. In der Einleitung erwähnt er, dass er diese Urkunde abgefasst hat im Wissen um seine Gebrechlichkeit und sein zu erwartenden Ablebens († 1448). Bevor in der Urkunde mit der Aufzählung der abzuhaltenden Gottesdienste begonnen wird, beteuert er noch, dass er die folgenden Ausführungen bei vollem Bewusstsein und ohne Hintergedanken festgelegt bat. Von ihm erfahren wir, dass damals in Leogang an jedem Freitag - ausgenommen es handelte sich um einen Feiertag - die Messe gelesen wurde. Sollte sie aber ausfallen, so hatte sie ohne Verzögerung innerhalb der nächsten acht Tage nachgeholt zu werden. Weiters wurden Gottesdienste gehalten am Fest der Unschuldigen Kinder, zu, Weihnachten, am St.-Ruprechts-Tag, am Mittwoch "in den Osterfeyrtagen, am Montag in der Kreuzwoche und am Mittwoch nach Pfingsten. An den Tagen folgender Heiliger fand jeweils eine heilige Messe Nach dieser Aufzählung stellt Nikolaus Hunt fest, dass diese Gottesdienstordnung "ohn all Widerred" und Ausnahmen von ihm als Pfarrer nunmehr 51 Jahre und bei seinem Vorgänger Konrad von statt: St. Marx, St. Otto, St. Urban, auch am Tag der "Wetter-herren Johannes und Paul und St. Leonhard. Der Tag des Kirchenpatrons, des hl. Ägydius, wurde wiederum festlich mit einem gesungenen Amt, einer zusätzlichen Messe und am Abend mit einer gesungenen Vesper gefeiert. An gewöhnlichen Sonntagen sowie an hohen Feiertagen kamen die Gläubigen der Filialen in die Saalfeldner Pfarrkirche.

Nach dieser Aufzählung stellt Nikolaus Hunt fest, dass diese Gottesdienstordnung "ohn all Widerred" und Ausnahmen von ihm als Pfarrer nunmehr 51 Jahre und bei seinem Vorgänger Konrad von Thor elf Jahre so gehalten worden ist. Sein Insiegel ist an der Urkunde leider nicht mehr erhalten, jedoch das des Zeugen Martin Ramseider. Als weitere Zeugen der Ausfertigung werden neben einem Verwandten des Pfarrers, Policarp Hundt, mehrere Saalfeldener Bürger und namentlich nicht genannte andere ehrbare Leute festgehalten. Etwa 100 Jahre später, um 1540, erhielt Leogang über Vermittlung von Berthold Pürstinger, dem resignierten Bischof von Chiemsee, einen eigenen Geistlichen (Vikar), der im Auftrag des Saalfeldner Pfarrers die Filialkirche Leogang betreute und in dem 1534 erworbenen Prielhof logierte.

Quelle

Salzburger Woche, Ausgabe Pinzgauer Nachrichten, 27. Dezember 2013