Zechprobst

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Zechprobst bei der Sammlung (Kollekte) für kirchliche oder karitative Zwecke.
Zechprobst in Thalgau in seiner Funktion als Fahnenträger.
Fronleichnam 2017 in Thalgau, Zechprobst trägt die Fahne.
Prozession 2017 in Thalgau, der Zechprobst führt mit der Fahne den Prozessionszug an.
Das Rauschbachl in Leithen, alte Gebietsgrenze für die Zechprobstwahl in Thalgau.

Den Zechpröbsten (lateinisch vitribus, Stiefvater, auch Kirchenpfleger, Zechprobst) kommt in der katholischen Kirche die Aufgabe zu, während des Gottesdienstes die Geldspendensammlung durchzuführen.

Geschichte

Zechpröbste waren früher gemeinsam mit dem Pfarrer die Vermögensverwalter einer Pfarre. Mit der Einführung des Pfarrkirchenrates ging aber diese Verwaltungsaufgabe auf diese Institution über. In erster Linie dienen die Sammlungen durch die Zechpröbste der baulichen Erhaltung des Kirchengebäudes und der Inneneinrichtung. Zechprobst zu sein gilt als Ehrenamt, dennoch es gilt es heutzutage manchmal als schwierig, für diese Aufgabe Pfarrangehörige zu gewinnen. Für gewöhnlich beträgt die Aufgabendauer ein bis zwei Jahre.

Es ist üblich, dass der Zechprobst während der Messfeier ab dem Zeitpunkt der Opferung mit der "Tafel", einer oft ortsüblich verschiedenartigen Geldbüchse, umhergeht und bei den anwesenden Gottesdienstbesuchern um eine Spende bittet. Für den Geldeinwurf wird für gewöhnlich vom Zechprobst mit einem "Vergelt's Gott" oder "Gott vergelt's" gedankt. Die Sammlungen dienen - wie schon erwähnt - für gewöhnlich für pfarrliche Aufgaben und die bauliche Erhaltung der Kirche. Sammlungen für besondere Spendenzwecke, etwa für soziale Anliegen oder für die Mission, werden eigens verlautbart.

In manchen Pfarren obliegt Zechpröbsten die Aufgabe, Christbäume für den Kirchenschmuck in der Weihnachtszeit zu besorgen. Auch kommt ihnen mancherorts die Aufgabe zu, bei Prozessionen und auch bei Bittgängen eine Kirchenfahne voran zu tragen.

Über die Zechpröpste im Gebiet um die Flachgauer Marktgemeinde Thalgau

Bericht über die Geschichte und die gegenwärtige Zechprobstordnung in der Pfarre Thalgau

Als Grundlage gilt die Zechprobst-Neuordnung im Jahre 1859 durch Dechant Mathias Englmayr:

1. Jährlich gibt es zwei Zechpröbste in Thalgau, wovon einer nach der Tätigkeit von zwei Jahren aufhört.

2. Er wird aus folgenden Ortschaften gewählt, wobei die Reihenfolge in der Aufzählung gilt: Thalgau mit Leithen, Vetterbach (dazu zählt auch das Gebiet Leithen östlich des Verlaufes des Rauschbachls), Thalgauberg, Enzersberg, Ober- und Unterdorf, Thalgauegg.

3. Die Wahl wird am Weihnachtstag in der Pfarrkirche verkündet. Am Neujahrstag beginnt der Dienst für den neuen Zechprobst.

4. Die Wahl wird nur vom Pfarrer und den zwei amtierenden Zechpröbsten vorgenommen, ohne sonstige Beeinflussung. Der Gewählte darf und soll sich nicht weigern. Zechpröbste für das Jahr 1860: 1. Zechprobst Matthias Grubinger, Hinterschmiding. Neu gewählt:Matthias Reiter, Gimberger.

5. Eine Sammlergebühr von 4 Kreuzer ab einem Gulden für den Zechprobst ist in Thalgau nicht gebräuchlich.

Zusatz durch das Erzbischöfliche Konsortium am 12. Februar 1861:

Es braucht keinen zusätzlichen Vertrauensmann (Kirchenvater?) für die Kirchenverwaltung . Die Zechpröbste sind als verantwortliche und vertrauenswürdige Mitglieder der Kirchenverwaltung zu betrachten.

Zechprobstordnung 2007

Für den Ablauf der Zechprobsttätigkeit gibt es eine Zechprobstordnung, die zuletzt im Jahr 2007 neu niedergeschrieben wurde. Bezüglich Wahl hat sich eine Änderung ergeben, weil diese seit längerem vom bereits ein Jahr im Amt befindlichen Zechprobst getroffen wird.

Die Zechprobstordnung regelt die Aufteilung des Sammlerdienstes für die zwei Zechpröbste für die Anlässe des kirchlichen Jahreskreises. Davon einige Details: Bei Hochzeiten übt der 2. Zechprobst den Sammlerdienst aus. An Sonn- und Feiertagen sammelt der neue Zechprobst beim Gottesdienst um 10:00 Uhr. Es gibt auch eine Reihe von Terminen, an denen beide Zechpröbste mit der Tafel (Sammelbehälter) gehen. Dazu zählen z. B. die Sternsingermesse, Palmsonntag, Erstkommunion, Allerheiligen, Fest hl. Koloman in der Kolomanskirche, Rorate, Christmette, Jahresschluss.

In der Zechprobstordnung spiegeln sich auch Traditionen, wie die Aufstellung bei den Umgängen. Bei den Bittgängen (z. B. nach Unterdorf, Vetterbach, Plainfeld ) geht der (zweite) Zechprobst mit der Fahne voran. Auch die fallweise Verwendung der traditionellen roten oder blauen Mäntel ist festgehalten. Es sind für die Bittgänge auch die Stellen an den Wegen angeführt, ab denen dann laut gebetet werde. Zu erwähnen ist auch, dass das Vorantragen der Fahne manchmal mit erheblicher Anstrengung verbunden sein kann, vor allem bei starkem Wind oder großer Hitze.

Allgemeine Bemerkungen

Nach wie vor stellt die Aufgabe des Zechprobstes eine Ehrensache dar. Die Gepflogenheit, den neuen Zechprobst zu bestimmen, ohne dazu vorher seine Bereitschaft zu erkunden, besteht weiterhin. Das Amt wurde bisher fast aufnahmslos von Bauern ausgeübt. Mit der Aufgabe sind auch einige Naturalleistungen verbunden, wie die Beistellung von Christbäumen für den weihnachtlichen Kirchenschmuck oder Ostereiern für die Ministranten. Beim Antritt des Zechprobstamtes hat die Zechprobstfeier große Tradition. Diese Feier war über viele Jahre stets am Stephanitag, findet nun an einem dem Neujahr folgenden Sonntag statt. Eine Besonderheit ist dabei, dass dazu fünf Vorjahreszechpröbste mit Gattinnen sowie Mesner und Seelsorger eingeladen werden.

Es existiert in Thalgau eine Liste fast aller seit dem Jahr 1858 im Amt tätig gewesenen Zechpröbste. Den Gesamtzahl betrug bis zum Jahr 2018 160 Personen. Diese Aufstellung enthält interessante Hof- und familiengeschichtliche Details.

Legenden rund um die Zechprobstwahl

Angeblich hätte so mancher in Frage kommende „Zechprobst-Kandidat“ vergeblich gehofft, genommen zu werden. Es wäre auch schon vorgekommen, dass rechtzeitig ein neuer Anzug beschafft wurde, um im Fall der (möglichen) Wahl gerüstet zu sein. Wenn man sich bei bisherigen Zechpröbsten über ihre „Amtserfahrungen“ ein wenig umhört, so erhält man darüber fast nur positive Äußerungen. Sie reichen von schönen Erinnerungen, an die man gerne zurück denkt, bis zu Bemerkungen wie „manchmal stressig war es schon!“, weil am Bauernhof derweil viel Arbeit wartete. Trotz manchen Wandels in der Zeit kann man sagen, dass in Thalgau das Zechprobstamt unverändert gute gesellschaftliche Anerkennung genießt.

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Quelle