Festen Anlage Kroatenhöhle

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Die Festen Anlage Kroatenhöhle ist ein streng geheimer Bunker aus der Zeit des Kalten Krieges.

Die Anlage

Unter höchster Geheimhaltung wurden während des Kalten Krieges bis 1994 umfangreiche Bunker- und Sperranlagen in Salzburg errichtet. Eine dieser Anlagen ist die "Festen Anlage Kroatenhöhle" im Ofenauer Berg an der Grenze zwischen dem Tennen- und Pongau. Sepp Gruber (63 [2015]) war ehemaliger Wallmeister des Militärkommandos und besuchte für die Salzburger Nachrichten nochmals einen der größten Bunker, die im Kalten Krieg in Salzburg gebaut wurden.

Rund fünfhundert Meter führt das Werk, das in die natürlich entstandene Kroatenhöhle integriert wurde, in zwei Ebenen durch den Ofenauer Berg. In die Höhle wurden Mannschaftsunterkünfte, Magazine, ein Lazarett, Waschräume und Toiletten eingebaut. Stollen führen zu den Stellungen an der Südwestflanke.

Zwei überschwere und vier schwere Maschinengewehre zielten aus Schießscharten auf die Salzachtal Straße B 159 und sicherten die Kameraden vom Sperrzug auf der rechten Seite der Salzach, die den Pass Lueg aus einem Stollensystem beim oberen Blockhaus verteidigten. Dort waren sogar zwei Panzerabwehrkanonen Kaliber 7,62 Zentimeter verbaut.

Die letzten Stellungen auf dem Pass Lueg wurden erst in den späten 1980er-Jahren fertig - es war eine Knochenarbeit, schildert Sepp Gruber. "Wir haben 1983 einen weiteren Unterstand für einen Zug errichtet, der die Außensicherung der Anlagen übernehmen sollte. Das Wasser für das Nassbohrgerät musste mit Kanistern auf den Ofenauerberg getragen werden. Man kann sich vorstellen, dass wir sehr sparsam damit umgegangen sind." Auch das Baumaterial wurde von Trägern auf den Berg geschleppt. Weil alles streng geheim war, wurde jeder, der zum Einsatz kam, vorher vom Abwehramt überprüft - "bis hinauf zu den Großeltern", wie Gruber erzählt.

Beim Unterstand wurden erst Bohrlöcher bis zu einem Meter in das Gestein getrieben, dann wurde gesprengt. Den Abraum transportierten die Soldaten in Schubkarren aus dem Stollen. Noch aufwendiger stellte sich der Bau einer Deckung bei der Eisenbahnbrücke heraus. Dafür musste erst über Eisenbahn und Salzach hinweg eine zweihundert Meter lange Betonleitung gelegt werden.

Der Ausbau der Landesbefestigungen war in Salzburg erst drei Jahre nach Aufstellung des Bundesheeres im Jahr 1958 ins Rollen gekommen. Zunächst hatte das Militär nur eine aus dem Zweiten Weltkrieg stammende Stecksperre auf dem Kniepass bei Unken im Pinzgau übernommen. Das "Amt für Landesbefestigung" legte das Hauptaugenmerk auf die Brucker Pforte und die Grenze zu Jugoslawien.

Als sich der sowjetische Militärattaché beschwerte, dass das neutrale Österreich seine Verteidigung nur gegen den Warschauer Pakt vorbereite, gab es auch für Salzburg Geld.

Zunächst wurde die "Feste Anlage Lueg" auf der rechten Salzachseite errichtet. Den strategisch bedeutenden Pass hatten schon die Fürsterzbischöfe befestigen lassen; dem Salzburger Freiheitskämpfer Joseph Struber gelang es im September 1809 sogar, den Pass kurzfristig gegen Franzosen und Bayern zu halten. Mit der Ära der Raumverteidigung bekam der Pass Lueg erneut strategische Bedeutung. Das 1979 in Kraft gesetzte Konzept des Armeechefs Emil Spanocci sah keine starre Verteidigungslinie an der Staatsgrenze vor. Er teilte Österreich in Zonen auf, in denen ein Aggressor immer wieder bekämpft werden sollte. Die Schlüsselzonen waren mit insgesamt rund 550 Bunkern verstärkt.

Das Bundesland Salzburg wurde in drei Zonen aufgeteilt: 81 (Flachgau, angrenzendes Oberösterreich, nördlicher Tennengau), 82 (südlicher Tennengau, Pongau) und 83 (Pinzgau und Lungau). Für die Sicherung waren die gleich nummerierten Landwehrregimenter verantwortlich.

Der Basisraum - mit der militärischen Einsatzzentrale für das gesamte Heer und einer Rückzugsmöglichkeit für eine Rumpfbundesregierung - befand sich in St. Johann im Pongau.

Die Zugänge sollten mit allen Mitteln verteidigt werden. Dafür wurden in den 1970er-Jahren zahlreiche Verteidigungsbauten errichtet. In Salzburg sollten vor allem vier Bewegungslinien blockiert werden: Stark befestigt war die Seenplatte bei St. Gilgen und Scharfling, das Saalachtal bei Weißbach bei Lofer und das Lammertal bei Scheffau. Die Lammer selbst wurde als panzergängig beurteilt. Deshalb wurde im Fluss eine 150 Meter lange Buhne eingezogen.

Die stärkste Verteidigungsanlage befand sich allerdings auf dem Pass Lueg. Die Werke waren mit Stromaggregaten und Wasserquellen autark; die Munition war vorbereitet. Telefonverbindungen führten zu den militärischen Knotenvermittlungen.

Die Sperrkompanie Pass Lueg, ein Milizverband, übte regelmäßig. Die Einsatzbefehle lagen fix und fertig in der Schublade. Von der Sperre der Eisenbahn- und möglichen Sprengung der Autobahnbrücken bis hin zur Zielpunktskizze der Panzerabwehrkanonen mit den Entfernungsangaben war alles vorbereitet.

Benötigt wurden die Anlagen zum Glück nie.

1994 waren die Befestigungen in Salzburg fertiggestellt; zuletzt ein Bunkersystem in St. Michael im Lungau zur Bekämpfung von Luftlandetruppen. Da war der Kalte Krieg bereits zu Ende.

Zwei Jahre später wurde 1996 mit dem Rückbau der Anlagen begonnen und die bei den Sperrstellen lagernden 2 225 Panzerigel wieder eingesammelt.

Quelle