Fremdenverkehrsunternehmen in der Hand von Banken

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Die Fremdenverkehrsunternehmen in der Hand von Banken berichteten die Salzburger Nachrichten in ihrer Ausgabe vom 16. Dezember 2014.

Einleitung

Im 21. Jahrhundert wurde die Ausrichtung des Fremdenverkehrs in Salzburg immer wieder hinterfragt. Im Dezember 2014 schreiben die Salzburger Nachrichten, dass Salzburg lebt vom Fremdenverkehr lebe, aber wie lang noch? Ein warmer Winter (wie er sich zum wiederholten Male 2014/15 anbahnte) bringt Hotels und Lifte nicht um. Steigende Zinsen aber sind gefährlich. Denn viele sind hoch verschuldet.

Das Wettrennen um die längsten und schnellsten Seilbahnen kostet Hunderte Millionen Euro. Die Salzburger Seilbahnwirtschaft hatte 2014 rund 125 Millionen Euro investiert, davon 70 Mill. in Seilbahnen und 38 Mill. in Beschneiungsanlagen. In den vergangenen zehn Jahren war es insgesamt eine Milliarde Euro. Können sich die Unternehmen das überhaupt leisten? Die Luft an der Spitze wird dünner. Wirklich gut geht es nur mehr wenigen großen Unternehmen.

Einem Drittel geht es gut, einem Drittel passabel und ein Drittel kämpft ums Überleben.

Das galt noch vor wenigen Jahren als Faustregel für die Branche. Das hat sich aber verschoben. Die Guten mit einer starken Eigenfinanzierungskraft seien weniger geworden, sagt der Sprecher der Salzburger Seilbahnunternehmen, Ferdinand Eder. Viele müssen Fremdkapital aufnehmen oder sich von ihren Eigentümern und Gesellschaftern das Eigen kapital aufstocken lassen. Die Behörde schreibe vor, dass Projekte zu 50 Prozent mit Eigenkapital finanziert werden müssen. Dazu zählen aber auch aufgestockte Mittel von Gesellschaftern. Dabei gäbe es eine Bandbreite der Finanzierungsmöglichkeiten wie zum Beispiel Leasing mit flexiblen Raten: höhere Raten in guten und niedrigere in schlechten Saisonen.

Die öffentliche Hand ist gefordert

Rein private Unternehmen ohne Beteiligung von Gebietskörperschaften sind die Ausnahme. Die Schmittenhöhebahn AG in Zell am See gehören dazu. Und die Bergbahnen Flachau Gesellschaft m.b.H. und die Liftgesellschaft Zauchensee GmbH wollen an die 60 Millionen Euro in eine neue, über sieben Kilometer lange talüberspannende Seilbahn investieren (siehe Längste Drei-Seil-Umlaufbahn der Welt). „Beide sind GmbHs und Privatunternehmen“, betont der Flachauer Geschäftsführer Ernst Brandstätter. „Ohne öffentliche Beteiligungen und Förderungen – weder in der Vergangenheit noch in Zukunft.“ Investieren ohne Förderung – das ist für „ärmere“ Skigebiete wie die Skischaukel Gaißau-Hintersee oder Skiregion Annaberg-Rußbach praktisch unmöglich. Allein in Letzteres steckt das Land Salzburg sieben Millionen Euro aus der Salzburg-Anleihe: 4,6 Mill. als Beteiligung, 2,4 Mill. als nicht rückzahlbarer Zuschuss.

Salzburger Hotellerie

Und wie sehr ist Salzburgs Hotellerie von Förderungen und Krediten abhängig? Antworten hat die Österreichische Tourismusbank (ÖHT) – sie finanziert zu 95 Prozent kleinere und mittlere Betriebe in Westösterreich. Kernaussage: Wenn Salzburgs Hoteliers Gefahr droht, dann nicht, weil der Schnee einmal eine oder zwei Wochen später kommt. Sondern vor allem dann, wenn die Kreditzinsen steigen. Das könnte vielen Häusern schnell das Genick brechen, weil sie sehr hohe Schulden bei den Banken haben. Das liegt an den enormen Investitionen. Rund 222 Mill. Euro wurden seit 2009 allein in Projekte investiert, bei denen das Land mitzahlte.

ÖHT-Geschäftsführer Wolfgang Kleemann sagt, dass die Vier- und Fünfsternehotels eine Fremdkapitalquote von 89 Prozent haben. Also sind ihre Schulden, einfach gesagt, 89 Prozent von allem wert, was an Geld, Immobilien oder sonstigen Werten vorhanden ist. Bei den Dreisternehäusern beträgt dieser Wert im Durchschnitt 87 Prozent. Noch im Jahr 2000 sei das Fremdkapital in der Luxusklasse bei knapp 103 Prozent der vorhandenen Sicherheiten gelegen. „So eine Überschuldung geht sowieso nur auf der regionalen Ebene, wo sich Hotelier und Bankdirektor oft gut kennen“, meint der Experte. Die vergangenen „guten Jahre“ seither haben vor allem mit den stetig gefallenen Zinsen zu tun. Vor 13 Jahren (2001) zahlte ein „Durchschnittshotel“ noch acht Prozent des Umsatzes für Zinsen. Heute sind es noch knapp fünf Prozent. „Da spart man sich knapp 40.000 Euro im Jahr. Dieses Geld ist den Hoteliers quasi in den Schoß gefallen“, sagt Kleemann.

Was passiert also, wenn das „jährliche Zinsgeschenk“ ausfiele? Die Tourismusbank hat einen fiktiven Stresstest durchgeführt – unter der Annahme, dass Kreditzinsen um zwei Prozent teurer würden. Das Ergebnis zeigt die Anfälligkeit der Branche: Knapp die Hälfte der Vier- und Fünfsternebetriebe hätte sofort „mehr oder weniger ausgeprägte Zahlungsprobleme“, heißt es in der Studie. „Ich schätze, dass sich für jeden zehnten Betrieb sogar die Überlebensfrage stellen würde“, sagt der Tourismusbanker. Dazu kommt ein zweites Problem: Durch strengere Eigenkapitalvorschriften scheinen die Banken immer weniger freigiebig, wenn es um neue Darlehen geht. Das zeigt sich auch darin, dass die Nachfrage nach Haftungen des Bundes zuletzt regelrecht explodiert ist: um rund 60 Prozent seit Anfang 2014. Eine solche Bundeshaftung soll ermöglichen, dass ein Betrieb noch Geld bekommt, obwohl er keine Sicherheiten mehr hat, das Grundbuch also schon „zugepflastert“ ist.

Die Darlehen brauchen Hoteliers, genauso wie Liftbetreiber, um im Qualitätswettlauf mithalten zu können. Für spektakuläre Wellnessbereiche, größere Zimmer, hochklassige Restaurants. Hat Salzburgs Fremdenverkehr also eine glitzernde Fassade und dahinter morsches Gebälk? „So weit würde ich nicht gehen“, so Kleemann. „Gerade in den Familienbetrieben gibt es viel Zusammenhalt und eine hohe Arbeitsmoral. Das macht krisenresistent.

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