Helmut Priller

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Regierungsrat i. R. Helmut Priller (* 1954 in Wien) ist Salzburger Gewerkschafter (FSG) und ehemaliger führender Landes-Personalvertreter.

Funktionen

Priller war von 2003 bis 2017 Vorsitzender des Dienststellenauschusses der Bediensteten des Amtes der Salzburger Landesregierung („Dienststellenauschuss Amt“). Bei den Landes-Personalvertretungswahlen 2003 konnte seine Gruppierung der konkurrierenden FCG die Mehrheit abjagen, sodass Priller den Vorsitz des Dienststellenauschusses übernehmen konnte.

Priller war auch Vorsitzender der Salzburger FSG.

Mit Ende des Jahres 2017 trat er in den Ruhestand.

Porträt (2017)

Provokante Forderungen und anhaltender Widerstand in Person: Helmut Priller treibt als oberster Personalvertreter im Landesdienst Politiker zur Weißglut.

Ein gern gesehener Gast am Verhandlungstisch ist Helmut Priller wahrlich nicht. Landesräte – ob rote oder schwarze – können ein Lied davon singen, wie es ist, verbal gegen eine Mauer zu rennen. Dialoge zwischen dem obersten Personalvertreter im Landesdienst und dem Personallandesrat laufen mitunter so ab: Der eine lässt in Rage wissen, dass ihm durch die bloße personelle Anwesenheit bald sein Mageninhalt wieder erscheint, der andere kontert, dass er „Tabletten braucht, damit ich dich noch aushalt'“.

Im Moment kämpft Priller gegen das neue Objektivierungsgesetz. Ende Jänner soll es der Landtag beschließen. Es geht um die Postenvergabe im Land. Für den 62-Jährigen ist das Papier quasi die Magna Charta der ÖVP-dominierten Postenschacherei im Landesdienst. „In den letzten 40 Jahren hatte die Personalvertretung wenigstens ein Mitwirkungsrecht, sodass es halbwegs sauber abgelaufen ist. Aber jetzt betonieren sie alles ein. Die Politik hat eine massive Steuerungsmöglichkeit. Schwaiger braucht also nicht so zu tun, als sei er der Erzengel Gabriel.

Josef Schwaiger (ÖVP) ist Prillers Konterpart. Seit Juni 2013 Personallandesrat, ist Schwaiger angetreten, den Landesdienst umzukrempeln: Strukturreform, neues Gehaltsschema, eine Änderung des Personalvertretungsgesetzes. Was er über seinen „Freund Priller“ denkt? „Er will immer den Anbau vom Zubau des Umbaus. Ich will das Gelände in der Personalpolitik neu aufstellen. Und der Priller zimmert nicht mit. Er sieht alles Neue als Gefahr und fordert Sachen, die mathematisch nicht möglich sind.“ Mit Priller habe es keine Reformen im Landesdienst gegeben. „Solange ich da Personallandesrat bin, rennt er garantiert an.“ sagt Schwaiger. Hört man sich um, heißt es meist, der Priller sei „Besitzstandswahrer aus dem vorigen Jahrhundert“.

Helmut Priller ist ein gebürtiger Wiener, wovon sein typisches „Grüß' Ihnen“ zeugt. Der Ottakringer kam als Maturant nach Salzburg und startete in einem Sondergebührenreferat im Krankenhaus. 1979, unter Bundeskanzler Bruno Kreisky, wurde er SPÖ-Mitglied. Bald darauf wechselte Priller in die Hoheitsverwaltung, zuständig für den Kriegsopfer- und Behinderten-Fonds. 1990 kam er in die Sozialabteilung des Landes. 1988 begann seine Zeit als Personalvertreter für die Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG). Damals war die Personalvertretung noch in ÖAAB-Hand, also durch und durch schwarz. Bei den Landes-Personalvertretungswahlen 2003 änderte sich das – seither hat die FSG die Vorherrschaft und jeder Personallandesrat mit Priller zu tun. Er macht ihnen das Leben schwer. „Oder sie mir“, entgegnet der Wiener. Man hat fast den Eindruck, er genießt es, Politiker zu reizen.

Es gehört zu Prillers Jobprofil als Personalvertreter, Forderungen aufzustellen. Im Jahr 2016 wollte er, dass die Mittagspause im Amt als Dienstzeit gilt. Außerdem sollte die Arbeitswoche um eine Stunde verkürzt werden. 2014 forderte Priller gar 30 Prozent mehr Gehalt für die Landesbediensteten. Nicht etwa fünf, oder zehn Prozent. Nein, 3o sollten es sein. Er hätte sich keinen schlechteren Zeitpunkt aussuchen können. Das Land lag wegen der Gehälter gerade mit Ärzten und Pflegepersonal im Clinch. Da war man nicht gerade erpicht auf die Wünsche des Personalvertreters. Er habe aus Kalkül gehandelt, sagt er heute: „Ich weiß schon, dass das eine provokante Forderung war. Aber ich habe befürchtet, dass die Landesbediensteten auf der Strecke bleiben. Und so hab' ich eben die Aufmerksamkeit auf uns gelenkt. Hat eh funktioniert, nicht?

Hat es, zweifellos. In der Öffentlichkeit schüttelten die meisten den Kopf. Kann ihm egal sein. Was den roten Personalvertreter seit Jahren antreibt, beschreibt ein Parteikollege so: „Er ist nicht der Bevölkerung verpflichtet, sondern nur seinen über 2000 Landesbeamten. Die wählen ihn oder nicht – und denen widmet er seinen vollen Einsatz.“ Insofern könne es „dem Priller“ egal sein, was die restliche Bevölkerung über sein Beharrungsvermögen denke. So überzogen manche seiner Forderungen klingen mögen: Sie müssen in ihrer Wirkung nicht über den Landesdienst hinausreichen. Obwohl Priller ein „Roter“ ist, hat er es der 2004 bis 2013 SPÖ-geführten Landesregierung keinen Deut leichter gemacht. „Dann zünden wir euch die Hütte an“, lautet sein Paradespruch, den er auch ausrief, als der Finanzskandal publik wurde und die Beamten 2013 eine niedrigere Gehaltserhöhung hinnehmen sollten. Tausende Landesbeamte marschierten zum Chiemseehof und pfiffen die Regierung aus. Selbst SPÖ-Personallandesrat Erwin Buchinger hatte seine liebe Not mit ihm. Nicht einmal eine Mediation durch AK-Direktor Gerhard Schmidt in einem Vier-Sterne-Hotel in Fuschl half, die beiden zusammenzuführen.

Solange er da sei, werde die Politik nicht zu bestimmen haben, was die Personalvertretung sage, bekräftigt der bald 63-Jährige. Antwort des aktuellen Personallandesrats: „Solange ich da bin, rennt er an.“ Die Frage ist, wer von den beiden länger „da“ sitzt. 2018 sind Wahlen – die Landtagswahl im Frühjahr, die Personalvertretungswahl im November. Ob Priller wieder antritt, lässt er offen. Schwaiger hat Grund zur Sorge: Ein echter Wiener geht bekanntlich nicht unter.

(… aber doch auch nicht ungern in Pension …)

Quellen

Zeitfolge
Vorgänger

Helmut Mooslechner

Vorsitzender des Dienststellenauschusses der Bediensteten des Amtes der Landesregierung
2003−2017
Nachfolger

Christian Andorfer