Hummel

Aus Salzburgwiki
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Eine heimische Hummel bei der Futtersuche
Hummel in Blüte
Eine Hummel bei der Arbeit auf einer Günselblüte
Zwei Hummeln auf einer Kohldistel
Ackerhummel (Bombus pascuorum) (Arbeiterin)
Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris) an Lavendel
Eisenhuthummel (Bombus gerstaeckeri) an Eisenhut
Deichhummel (Bombus distinguendus)
Grubenhummel (Bombus subterraneus)
Keusche Kuckuckshummel (Bombus vestalis)

Die Hummeln (wiss. Bombus) sind eine zu den Bienen gehörende Gattung von Insekten.

Arten

Weltweit gibt es 250, in Europa 70, in Deutschland 41, in Salzburg 42, in Österreich 46 Hummelarten[1]. Die in Salzburg heimische Steinhummel (Bombus lapidarius) war das "Insekt des Jahres 2005".

Die österreichischen Hummelarten sind, gegliedert nach Untergattungen:[2]

Besonderheiten

Lebensweise

Es überwintern nur junge begattete Königinnen, die im Frühjahr ein neues Volk gründen.

Je nach Höhenlage und Art kommt die Hummelkönigin zwischen März und Juni aus dem Winterquartier. Sie sucht einen Nistplatz im Moos oder in einem verlassenen Vogel- oder Mäusenest. Einige der in Österreich vorkommenden Arten sammeln sogar Nistmaterial. Wer im Frühjahr Hummeln sieht, beobachtet also Königinnen. In unseren Breiten schlüpfen dann erst die Arbeiterinnen, im Spätsommer die Männchen.

Nest

Aus Drüsen, die zwischen den Schuppen der Hinterleibsplatten liegen, erzeugt die Königin Wachs, das zur Produktion von kleinen Töpfen dient. In einen Topf lagert sie Pollen, in die anderen Nektar. Auf den Pollentopf legt sie 8 bis 16 Eier. Auf der Unterseite des Hinterleibes findet sich bei der Hummel eine haarlose Partie, die mit dem Brutfleck von Vögeln vergleichbar ist. Es wurden schon Hummelköniginnen beobachtet, die tage- und nächtelang auf den Eiern saßen. Nach drei bis fünf Tagen schlüpfen aus den Eiern die Larven, die sich dann vom Pollenteig ernähren. Acht Tage später beginnen sie sich in Kokons einzuspinnen, um nach sieben bis zehn Tagen als fertige Arbeiterinnen zu schlüpfen. Die ersten Arbeiterinnen sind sehr klein, erst später entwickeln sich normal große Tiere. Schlussendlich umfasst der einjährige Hummelstaat 30 bis 500 Tiere.

Kälteresistenz

Hummeln sind die Eskimos der Wildbienen. Mit ihrem dichten Haarkleid sind sie an Kälte angepaßt. In den Tropen sind Hummeln unbekannt, dagegen wurden Hummelnester nur 800 km südlich vom Nordpol gefunden. Das größte Geheimnis ihrer Kältetoleranz tragen Hummeln in ihrer Brust verborgen, die vollständig mit der Flugmuskulatur ausgefüllt ist. Die Tiere können ihre Flügel von den Muskeln abkoppeln und durch Muskelkontraktion Wärme erzeugen. In kühlen Phasen sind sie oft als einzige Bestäuber unterwegs.

Bestäubung von Blüten

Die Bestäubung geschieht meist durch Vibrationssammeln bei angelegten Flügeln (die Hummel brummt). Durch die Vibration werden Pollen aus den Staubgefäßen geschüttelt und von der Hummel in Pollenballen aufgenommen. Zusätzlich lösen sich Pollenkörper, die dann der Wind verbreitet. Hummeln können bis zu einer Million Pollenkörper aufnehmen.

Da die Zunge bei einigen Hummelarten bis zu zwei Zentimeter lang ist, können sie bei Blüten mit Kronröhren wie Rotklee, Luzerne, Rittersporn oder Baumwolle noch zu Pollen und Nektar vorstoßen. Für solche Blüten sind die Hummeln und Schmetterlinge praktisch die einzigen Bestäuber. Durch ihr hohes Körpergewicht dringen Hummeln auch in Verschlussblüten wie die des Löwenmauls vor. Erreichen die Tiere bei Blütenpflanzen den Nektar nicht, beißen sie die Blüten seitlich auf. Die Löcher werden später oft von anderen Insekten genützt.

Kaum bekannt ist, dass Hummeln effizienter als Honigbienen sind. 50.000 Hummeln, das entspricht einem Honigbienenvolk, würden an einem Tag 15 Liter Honig eintragen; Bienen schaffen einen Liter. Die Leistung der Hummeln wird durch den Aufstieg der neuseeländischen Landwirtschaft gelobt. Auf den Rat Charles Darwins wurden um 1885 europäische Hummeln in Neuseeland eingeführt, was das Klee- und Leguminosenfutter für die Viehwirtschaft mehrte und den Lebensstandard verbesserte. In den USA, Belgien, Frankreich und anderen Staaten werden Erdhummeln in Glashäusern als Bestäuber eingesetzt. Um unseren Hummeln Überlebenschancen zu geben, sind Gartenbesitzer aufgerufen, den sterilen Rasen in eine Blumenwiese umzuwandeln. Anstelle von exotischen Zierhölzern sollten heimische Blütensträucher gepflanzt werden, wie Weißdorn, Schlehe und Wildrosen.

Feinde

Hummeln haben viele Feinde. Einige der wichtigsten sind Schmarotzerhummeln (Psithyrus sp.) und Wachsmotten (Galleriinae, eine Unterfamilie der Zünsler [Pyralidae]), die für den Untergang vieler Hummelstaaten verantwortlich sind. In den Nestern leben auch die Larven der Europäischen Ameisenwespe (Mutilla europaea), die der Hummelbrut nachstellen. Nicht wenige Hummeln fallen Krabbenspinnen, die auf Blüten lauern, zum Opfer.

Der schlimmste Feind ist aber der Mensch durch die Zerstörung der Umwelt. Besonders die durch hohe Güllegaben überdüngten Wiesen lassen kaum ein Wachstum von Blütenpflanzen zu.

Hummelstiche

Die gutmütigen Hummeln beißen oder zwicken nicht, wie oft fälschlich angenommen wird, sondern können wie Wespen stechen, wobei dazu nur die weiblichen Tiere in der Lage sind und dies nur in höchster Not in die Tat umsetzen.

Vorkommen im Land Salzburg

Hummeln in den Alpen

Aus saisonalen Gründen bleiben die Hummelnester in den Alpen klein und beherbergen kaum einmal über 50 Arbeiterinnen. Im Glocknergebiet konnten bisher 27 der 46 heimischen Hummelarten auf über 1 900 m ü. A. nachgewiesen werden. Spezialisierung über Rüssellänge bzw. Vorliebe für bestimmte Blütenarten verhindert, dass sich die verschiedenen Hummelarten bei der Nutzung des auf alpinen Blumenwiesen reichhaltigen Blütenangebots gegenseitig beeinträchtigen.

Im Nationalpark Hohe Tauern fällt die Hummelart Bombus gerstaeckeri (Eisenhuthummel) durch ihre Spezialisierung auf: sie besucht ausschließlich den Eisenhut. Für Entwicklung und Überleben benötigt sie mehrere Eisenhutarten in erreichbarer Nähe. Da es in den Hochlagen keine Honigbienen mehr gibt, sind es neben Fliegen, Solitärbienen und Schmetterlingen die Hummeln, die durch Bestäubung die Artenvielfalt der alpinen Matten erhalten.

Hummeln im Flachgau

Die Areale rund um das Wenger und das Zeller Moor sind ein letzter großräumiger Feuchtwiesenkomplex im Flachgau. Große Flächen sind hier seit ca. 1990 vom Naturschutzbund mit Unterstützung des Landes und der Gemeinde Neumarkt am Wallersee gepachtet. Bisher wurden in den Feuchtwiesen am Wallersee 20 der 42 in Österreich noch vorkommenden Hummelarten nachgewiesen. Damit zählen diese Wiesen zu den hummelartenreichsten Gebieten Österreichs. Der Seehamer Wildbienenexperte Walter Wallner entdeckte Anfang August 2019 gleich zwei sehr seltene Hummelarten: die Deichhummel (Bombus distinguendus) und die Grubenhummel (Bombus subterraneus).

Schutz

Im Land Salzburg stehen folgende Hummelarten unter Tierartenschutz (Naturschutz):[3]

Quellen

Einzelnachweise

  1. laut Interview mit dem Biologen und Theologen Johann Neumayer aus Seekirchen in den Salzburger Nachrichten vom 6. Juli 2010
  2. J.F. Gokcezade, B.-A. Gereben-Krenn, J. Neumayer & H.W. Krenn: Feldbestimmungsschlüssel für die Hummeln Österreichs, Deutschlands und der Schweiz (Hymenoptera, Apidae). Linzer biol. Beitr. 42/1 5-42 [8f (30.07.2010)]. Der zitierte Artikel folgt bei dieser Auflistung Schwarz et al. (1996) und bei der (wissenschaftlich noch nicht definitiv geklärten) Zuordnung der Arten zu Untergattungen Williams et al. (2008). Die nachfolgende Liste fügt die deutschen Bezeichnungen laut dem Wikipedia-Artikel „Hummeln“ hinzu, mit ungefähren Übersetzungen des wissenschaftlichen Namens ins Deutsche.
  3. Pflanzen- und Tierarten-Schutzverordnung 2017

Weblink