Montansiedlung Altböckstein

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Aufnahme vom Ofenauerbichl aus
Gesamtplan für die Montansiedlung Altböckstein aus dem Jahr 1745

Die Montansiedlung Altböckstein ist eine alte Bergbau-Siedlung in der Pongauer Gemeinde Bad Gastein im Ortsteil Böckstein.

Name

Der Name "Altböckstein" kam Ende des 19. Jahrhunderts auf. Früher hieß die nur landwirtschaftlich als Wiese genutzte Gegend einfach "Böckstein" und ist so seit 1427 bezeugt[1]. Der Name hat höchstwahrscheinlich nichts mit "Böcken" (Mittelhochdeutsch Mz. "bocca") zu tun, sondern ist ein Übersetzungsname des nahegelegenen "die Peck" (karantanisch-altsüdslawisch für 'Ofen, wärmender Fels, wärmender Stein'), des Peck-Steins. Ein Herleitung des Wortes von (bergmännisch) "pochen" ist unrichtig.

Geschichte

"Montansiedlung" ist korrekt. Als im Jahr 1741 die bergmännischen Anlagen (Aufbereitung mit Pochwerken, Erzmahlsteinen, Schlämmrinnen und Amalgamations-"Quickmühlen") in der alten "Peck" (heute Hotel Österreichische Evianquelle) im untersten Gasteiner Naßfelder Tal von einer riesigen Schneelawine gänzlich zerstört wurden, entschlossen sich die montanistischen Hofräte der damaligen Regierung des Fürsterzbistums Salzburg als alleinigem Gasteiner Gewerken, die zerstörten Anlagen nicht mehr an der gleichen Stelle zu errichten, sondern in dem ca. 400 Meter weiter nördlich gelegenen Böckstein, also im Bereich des heutigen "Altböckstein". Die gesamte Anlage mit Werksgebäuden, Wohngebäuden, einem riesigen Pferdestall, einem Salzstadel (für den Salzhandel über den Tauern als Zwischenlager, heute das Montanmuseum Altböckstein) und einem Verwaltungsgebäude wurde 1745 vom Reißbrett weg nach funktionalen Gesichtspunkten geplant und in den Folgejahren verwirklicht. Ganz Altböckstein war im Grunde genommen eine riesige montanistische Aufbereitungsanlage mit diversen Detailbereichen, aber ohne Schmelzhütte. Es ist der früheste Fall eines geplanten und verwirklichten industrie-archäologischen Gesamtensembles in den Ostalpen.

Bei den Neubauten achtete man darauf, die damals modernsten technischen Innovationen zu verwenden und baute nach dem Vorbild von bereits laufenden Maschinen in der Teichel bei Obervellach in Oberkärnten (Werksspionage!) die neuen "Stoßherde auf ungarische Art". Alles bewährte sich hervorragend, sodass Bergwerksverwalter Johann Conrad Hagger nach Salzburg berichten konnte, dass sich die Produktivität um satte 100 % (!) verbessert habe, dass aber auch 43 Arbeiter entlassen und durch die Arbeit von Maschinen ersetzt wurden. Als Antriebskraft diente Wasser, das man in mächtigen Holzgerinnen aus dem Nassfeldbach, von der Wasserfallklamm, heranführte und mit Wasserrädern bestückte.

Auf Anregung von Dr. Fritz Gruber bei der Tauerngold-Tagung der Geschichtsausschüsse des BVÖ und des DMG in Bad Gastein vom 18. bis 20. August 1976 gründete sich ein Arbeitskreis aus Leobner Experten, dem die Unterschutzstellung des gesamten industrie-archäologisch höchst wertvollen Gebäudeensembles gelang. Der Unterschutzstellungs-Bescheid wurde am 31. Jänner 1978 vom österreichischen Bundesdenkmalamt mit ausführlicher Begründung erlassen.[2]

Heute sind in Altböckstein zwei Gebäude musealen Zwecken gewidmet und somit dem Besucherpublikum aus nah und fern gegen eine kleine Eintrittsgebühr frei zugänglich. Der Betreiber der Museen ist der Montanverein Altböckstein unter der Leitung von Dr. Roland Krenn und Michael Hemm, Letzterer ist vor Ort die treibende Kraft. Wie schon in der erzbischöflichen Zeit wiederholt Besucher aus den Bergbaugebieten Sachsens nach Altböckstein kamen und die Anlagen bewunderten, so kommen heute tausende Besucher aus Österreich und den Nachbarstaaten. Autobus-Zufahrt ist möglich.

Quellen

  • Gruber, Fritz: Altböckstein und die jüngere Geschichte der Tauerngoldproduktion (Böcksteiner Montana, Bd.1), Leoben 1979, zweite erweiterte Auflage Böckstein 2003
  • Karl, Imhof: 500 Jahre Gastein und sein Goldbergbau, in: Festschrift zur 500-Jahr-Feier des Welt-Kurorts, Bad Gastein 1936
  • Scheminzky, Ferdinand: Der Thermalstollen von Bad Gastein-Böckstein, seine Geschichte, Erforschung und Heilkraft, Innsbruck 1963
  • Wehdorn, Manfred: Montandenkmal Böckstein. Denkmalwerte und Möglichkeiten einer Revitalisierung, in: Der Anschnitt 29, Bochum 1977

Fußnoten

  1. Salzburger Landesarchiv, Lehenbuch II
  2. Zl. 504/78