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Karl Imhof

Karl Imhof
Imhof 1907 Schutterer im Tauerntunnel

Oberbergrat h.c. Dipl.-Ing. Dr. Karl Imhof (* 1873 in Arau in der Schweiz; † 1944) aus Böckstein war ausgebildeter Tunneltechniker und wurde als Nichtmontanist in seiner zweiten beruflichen Karriere erfolgreicher Bergbauingenieur im Gasteinertal. Auch als Automobilrennfahrer erzielte er Erfolge.

Inhaltsverzeichnis

Imhof als Tunnelbauer

Karl Imhof studierte Technik mit Fachrichtung Tunneltechnik und schloss das Studium erfolgreich ab. In Österreich gab es damls noch keinen Titel für Hochschulabsolventen. Erst ab 1917 wurde die Standesbezeichnung "Ing:" verliehen. Erst in den 30er Jahren wurde die Standesbezeichnung "Dipl.Ing." eingeführt. Erst mit der Einführung der Diplomprüfeungen, statt der Staatsprüfungen, wurde "Dipl.Ing." 1969 ein akademischer Grad.

Seine berufliche Laufbahn führte ihn zwischen 1897 und 1901 zur k.k. privaten Aussig-Teplitzer Eisenbahngesellschaft und nachfolgend zur neu geschaffenen k.k. Staatsbahnbaudirektion in Wien. Aufgrund seiner herausragenden Fähigkeiten wurde Dipl.-Ing. Karl Imhof mit der Trassierung der Eisenbahnlinie im Anlauftal bei Böckstein im Gasteinertal und mit der Projektierung und Ausführung der Sektion Böckstein mit allen Nebenanlagen der Tauernbahn beauftragt. 1902 wurde er zum Bauführer für die Nordrampe des Tauerntunnels bestellt. Als sich die Tunnelbauarbeiten als besonders schwierig erwiesen, wurde Dipl.-Ing. Karl Imhof auch an der Südrampe zum stellvertretenden Vorstand für die Tunnelbauleitung berufen. Kaiser Franz Joseph I. verlieh Dipl.-Ing. Karl Imhof für seine besonderen Leistungen am 14. Dezember 1907 das Goldene Verdienstkreuz mit der Krone.

Vom Tunnelbauer zum Bergwerkexperten

Schon während der Erbauung des Tauerntunnels von 1901 bis 1909 interessierte sich Karl Imhof für das altbekannte Goldfeld im Bereich des Sonnblickmassivs in den Hohe Tauern. Es ist anzunehmen, dass er für die Zeit nach dem Bau des Tauerntunnels ein neues Betätigungsfeld suchte. Gemeinsame Vorstudien mit dem Montanisten Dipl.-Ing. Dr. Richard Canaval, Berghauptmann der k.k. Berghauptmannschaft Klagenfurt, führten ihn zur Überzeugung, dass das dem früheren Goldbergbau zugrunde liegende große Goldfeld mit Hilfe eines großzügigen Tiefenaufschlussprogramms auf der Grundlage eines Massenbetriebes gewinnbringend bergmännisch erschlossen werden könnte. Zwei weitere Gründe, die ihn zu dieser Überzeugung führten, waren die guten wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem Ersten Weltkrieg und die im Vergleich zum früheren Straßentransport ungleich günstigeren Transportkosten auf der Tauernbahn. Imhof nahm im Zuge seiner Vorstudien auch Verbindung zur kapitalschwachen Gewerkschaft Radhausberg auf und hatte dabei Gelegenheit, den wirtschaftlich schlecht geführten Bergbaubetrieb kennen zu lernen. Er entschloss sich, den Goldbergbau wieder auf zu nehmen. Als Finanzier trat der Großunternehmer und spätere Hauptgewerke Fritz Meyer-Fierz aus Zürich auf und erwarb die Mehrheit der Kuxe[1] bzw. Anteile der bisherigen Gewerkschaft Radhausberg.

Gründung der „Zweiten Gewerkschaft Radhausberg“

Die Gründung der „Zweiten Gewerkschaft Radhausberg“ erfolgte über Initiative von Karl Imhof am 22. Mai 1907. Es waren schweizerische, österreichische und deutsche Interessenten beteiligt. Der gesamte Grund- und Gebäudebesitz samt sämtlichen Rechten und Anteilen der „Ersten Gewerkschaft Radhausberg“ wurde erworben und die Bergbautätigkeit im bis dahin fast unbekannten Revier Nassfeld aufgenommen. Als Bergbauexperte wurde vom Nichtmontanisten Imhof der anerkannte Fachmann Kommerzialrat Ing. Ludwig Sterner-Rainer aus Wien als Konsulent engagiert.

In seiner Eigenschaft als Tunneltechniker musste Karl Imhof überraschend die Bauleitung am Lötschbergtunnel in der Schweiz übernehmen, und Ing. Ludwig Sterner-Rainer übernahm interimistisch Direktion und Betriebsführung bis zum 25. Juli 1911. Als Obmänner fungierten der Gewerke Fritz Meyer-Fierz und Karl Imhof.

Karl Imhof als Initiator des gesamten Montanunternehmens leitete in weiterer Folge bis zum 30. Juni 1925 die Gewerkschaft Radhausberg mit dem Titel eines Direktors. Als sein Stellvertreter fungierte Ing. Karl Valentin Hillerbrand, der im Ersten Weltkrieg Kriegsopfer wurde. Laut Statuten, die 1913 festgelegt wurden, lag der Sitz der Zweiten Gewerkschaft Radhausberg in Böckstein in Bad Gastein an der Tauernbahn. Als Direktor oblagen Karl Imhof die Geschäftsführung in allen Angelegenheiten, die Personalhoheit, die Anmeldung von Neuschürfen und sämtliche bergbaurechtliche Angelegenheiten. Insbesondere in den Jahren 1917 und 1918 wurden die Statuten der Gewerkschaft teilweise geändert und das bisherige Organ der Gewerkschaft – der Direktor – durch den Gewerkenrat ersetzt.

Bergbauaktivitäten

1911 legte Karl Imhof beim Gewerkentag eine Denkschrift über den bisherigen Stand und den Fortgang der Schürftätigkeiten samt Rentabilitätsrechnung vor. Es wurde ein großzügiges Tiefenaufschlussprogramm beschlossen. Es folgten weitreichende Aufschlusstätigkeiten und die Mechanisierung und Modernisierung des gesamten Bergbaubetriebes inklusive Gebäuden und Zufahrten, wobei modernste technische Mittel – wie Wasserkraftanlagen, Kompressoranlagen und pneumatische Bohrhämmer - eingesetzt wurden. Die bergbaulichen Aktivitäten betrafen zwei Hauptgebiete, nämlich den Bergbaubetrieb Radhausberg und Nassfeld. Ein Hauptprojekt war der Imhof-Unterbaustollen (Imhofstollen) mit einer geplanten Gesamtlänge von über 5000 m. Er war als Aufschluss- und Hauptförderstollen für die Abquerung der Erzgänge vorgesehen und darüber hinaus für den Erztransport aus sämtlichen Bergbaurevieren zwischen dem Nassfeld bei Böckstein und dem Hohen Goldberg in Kolm-Saigurn bei Rauris. Weitere wichtige Projekte waren Anlagen für die Erzaufbereitung und Wasserkraftwerke, u.a. im Bereich Oberer Bockhartsee und Unterer Bockhartsee zur Versorgung mit elektrischer Energie, sowie das Kraftwerk Nassfeld, heute als Schaukraftwerk Nassfeld zugänglich.

1914 ereignete sich ein schwerer Unfall durch ausgetretene Auspuffgase einer Benzinlokomotive, der elf Todesopfer forderte. Im gleichen Jahr musste der Bergbau infolge von Rekrutierung von mehreren Ingenieuren und zahlreichen Belegschaftsmitgliedern unterbrochen werden. 1915 wurde der Bergbaubetrieb unter Einsatz von zahlreichen, meist russischen Kriegsgefangenen neu aufgenommen. Neben Schürftätigkeiten wurde die Straße von Böckstein in das Nassfeld ausgebaut und die Kesselfallbrücke, später „Russenbrücke“ genannt, errichtet. Vom 20. Mai 1915 bis zum Juli 1918 stand Karl Imhof in „militärischer Verwendung“. Zunächst in Salzburg eingesetzt, wurde er nachfolgend Leiter des Kriegsmetallbergbaues in Serbien. 1916 hatten die zunehmenden Meinungsverschiedenheiten in der Finanzierungsfrage und zur Person Dipl.-Ing. Karl Imhofs sowie mangelndes Vertrauen zum Projekt zur Folge, dass sich Hauptgewerke Fritz Meyer-Fierz distanzierte. An seine Stelle traten andere Finanziers, aber 1919 traten erneut schwere Differenzen in der Finanzierungsfrage auf.

Im November 1918 wurde Karl Imhof neuerlich zum Direktor der Zweiten Gewerkschaft Radhausberg bestellt. Das Kriegsende brachte wieder eine Unterbrechung des Bergbaubetriebes. 1920 hatte sich der Belegschaftsstand auf 116 und 1921 auf 197 Angestellte und Arbeiter erweitert.

„Oberbergrat h.c.“ und Promotion

1922 wurde Karl Imhof für seine großen Verdienste um die Wiederinbetriebnahme des Gold- und Silberbergbaues in den Hohen Tauern mit der Verleihung des Titels „Oberbergrat h.c.“ geehrt. 1923 promovierte Dipl.-Ing. Karl Imhof 50-jährig an der Technischen Hochschule in Wien zum Doktor der Technik.

Eine gesetzlich geänderte Valutenklausel bewirkte die geringere Zuführung von finanziellen Mitteln durch den österreichischen Bundesstaat, die die Aufbringung großer Beträge durch die Gewerkschaft zur Folge hatte. Der sprunghaften Steigerung der Sozialkosten, der Verteuerung der Materialkosten, dem enormen Preisverfall des Arsens und der Geldentwertung durch die Inflation folgten finanzielle Schwierigkeiten. Weltanschauliche und personelle Spannungen zwischen den Gewerken und dem Gewerkschaftsdirektor Dipl.-Ing. Dr. Karl Imhof führten schließlich dazu, dass Karl Imhof am 8. Juni 1926 die Betriebsführung niederlegte. Seine herausragenden Leistungen wurden mit einer kärglichen Pension abgefunden.

Epilog

Am 1. August 1944 kam der Befehl des Reichswirtschaftsministeriums, den Betrieb einzustellen. Trotzdem wurde der Imhof-Unterbaustollen noch bis Kolm-Saigurn durchgeschlagen, während der übrige Bergbaubetrieb bereits ruhte. Im Jänner 1945 konnte der erste Mannschaftszug - 33 Jahre nach dem Anschlag des Stollens - in Kolm-Saigurn auf 1656 m ü. A. den Stollen verlassen.

Rennfahrer

Karl Imhof fuhr beim 2. Gaisbergrennen am 24. August 1930 im Alter von 57 Jahren mit einem Austro Daimler in der Dreiliter-Klasse mit einer Zeit von 10:47,70 min einem Klassensieg entgegen. 1931 fuhr er beim Gaisbergrennen am 9. August abermals mit und wurde Zweiter in der Tourenwagenklasse auf Austro Daimler 5000 in einer Zeit von 9:55,37 min. 1932, am 24. Juli, gewann er dann wieder in einer Zeit von 10:36,30 min.

Quellen

Fußnote