NS-Frauenbild

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Wenn von der NS-Zeit die Rede ist, muss auch auf das NS-Frauenbild Bezug genommen werden. In der Folge wird daher versucht, das patriarchale und faschistische Frauenbild der NS-Zeit abrisshaft - und notwendigerweise sehr vereinfachend - darzustellen.

Einführung

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden Frauen auf Rollenklischees fixiert und im Interesse der Machthaber für die jeweils herrschenden wirtschaftlichen Bedürfnisse instrumentalisiert. Die Historikerin Karin Berger spricht 1984 in der Einleitung zu ihrem Buch vom Frauenbild der Nazis:

die Frau, die mit Freuden im Haus wirtschaftet, Kinder gebiert und aufzieht und damit ihrem angeblich „ureigenen Wesen“ entspricht. Die Realität vieler Frauen unter dem NS-Regime: Zwang zur Arbeit in der Rüstungsproduktion, schlechte Arbeitsbedingungen, Doppelbelastung.

In der Ausstellung der Historikerinnengruppe an der Universität Salzburg im Jahr 1988 mit dem Titel „Sieg der Waffen Sieg der Wiegen – Frauenalltag im Nationalsozialismus“ wurde das NS-Frauenbild auf regionaler Ebene zum ersten Mal aus weiblicher Sicht thematisiert und mittels einer Ausstellung „versinnbildlicht“.

Rollenzuschreibungen

Durch die Zuschreibung von bestimmten Eigenschaften wurden Frauen im Nationalsozialismus im Interesse der Machthaber instrumentalisiert. Zusammengefasst wurden ihnen intellektuelle Eigenschaften abgesprochen und eine „ureigene Bestimmung“ für reproduktive Tätigkeiten zugeschrieben.

Kriegsbedingtes Gebären und Betreuung der Familie

Frauen sollten in der NS-Zeit dafür sorgen, dass die Bevölkerung wächst und die Verluste durch den Krieg ausgeglichen werden. Sie sollten gebären, den Haushalt, die Familie und die Landwirtschaft betreuen und die Arbeitsplätze - vor allem qualifizierte Arbeitsplätze - den Männern überlassen. Also wurde das Hausfrau- und Muttersein als ihre „eigentliche Aufgabe“ festgelegt. Empfängnisverhütende Mittel wurden verboten, die Abtreibung unter Strafe gestellt. Die Frau war darüber hinaus bei ihrer Partnerwahl zur Erhaltung der „Rasse“ verpflichtet.

Kriegsbedingter Arbeitseinsatz außer Haus

Im Verlauf des Krieges wurde die Arbeitskraft der Frauen außerhalb des Haushaltes zur Aufrechterhaltung der Kriegswirtschaft unverzichtbar. Die Propaganda wurde entsprechend umgestellt. Frauen wurden in Rüstungsbetrieben eingesetzt und erfüllten nun auch Aufgaben qualifizierter Arbeitsplätze. In der NS-Zeit wird so die auch später gebräuchliche Strategie, die Frauen je nach Bedarf des Arbeitsmarktes auf die „häuslichen Pflichten“ zu reduzieren oder im außerhäuslichen Bereich zu beschäftigen, deutlich. Die jeweils gewünschte Verhaltensweise wurde in der NS-Zeit mittels Propaganda verbreitet und mit Erlässen abgesichert.

Frauen in Konzentrationslagern

Weibliche Häftlinge in den NS-Konzentrationslagern unterlagen in besonderer Weise den Auswirkungen faschistischen Gedankenguts. Sie wurden nicht nur Opfer des gängigen Frauenbildes und des Lager-Terrors, sondern unterlagen auch noch sexualisierter Gewalt. Ihre Traumatisierung und Stigmatisierung endete auch 1945 nicht. Weibliche KZ-Opfer wurden nach ihrer Befreiung durch die Ausklammerung diesbezüglicher Erfahrungen mit ihrer Geschichte allein gelassen.

Quellen

  • Begleitpublikation zur Ausstellung „Sieg der Waffen Sieg der Wiegen – Frauenalltag im Nationalsozialismus“, Historikerinnengruppe an der Universität Salzburg, Johanna Breuer, Sylvia Eichhaber, Elisabeth Freudenthaler, Ulrike Gschwandtner, Sabine Jahn, Karin Krempl, Gabriele Lindner, Annemarie Mitterhofer, Michaela Ottensammer, Margit Reiter, Monika Rosenhammer, Beatrix Seeburger, Sabine Smolik (Sabine Aschauer-Smolik) und Anna Stiftinger, Salzburg 1988
  • Berger, Karin, „Zwischen Eintopf und Fließband – Frauenarbeit und Frauenbild im Faschismus Österreich 1938-1945, Verlag für Gesellschaftskritik, Österr. Texte zur Gesellschaftskritik, Band 21, HG Verein Kritische Sozialwissenschaft und Politische Bildung, Wien 1984
  • Amesberger, Helga, Auer, Katrin, Halbmayr Brigitte, „Sexualisierte Gewalt – Weibliche Erfahrungen in NS-Konzentrationslagern“, Mandelbaum Verlag Wien, 2004
  • Tálos, Emmerich, Hanisch, Ernst, „NS-Herrschaft in Österreich 1938-1945“, HG Wolfgang Neugebauer, Verlag für Gesellschaftskritik, Wien 1988