Pinzgauer Zaun

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Pinzgauer Zaun
Pinzgauer Zaun
Die Abtenauer Stecknzaunbauer Toni Russegger (rechts) und Christoph Moser (links)
Toni Russegger und Christoph Moser
Geschlossener Stecknzaun beim Heimatmuseum Arlerhof

Vor dem Aufkommen des Stacheldrahtes waren im Pinzgau Wiesen, Felder, Bauerngärten und Almhütten mit einer hölzernen Einfriedung (Hag) versehen, die regionaltypisch war und landschaftsprägend wirkte, dem Pinzgauer Zaun.

Pinzgauer Zaun und ähnliche Holzeinfriedungen

Es gab drei unterschiedlich dichte hölzerne Einfriedungen, die von Nichtfachleuten alle mit "Pinzgauer Zaun" bezeichnet werden:

  • den leichten „Schräg“,
  • den dichteren „Hag“ und
  • den dichten Pinzgauer Zaun, wo Kleingetier kaum durchkommen konnte.
Bauweise

Die drei Zaunarten wurden mit astfreiem, geklobenem (nicht gesägtem) Zaunholz „gerichtet“.

  • Der „Schräg“: zwei Stecken übers Kreuz geschlagen, eine Girschtn eingelegt.
  • Der „Hag“: Kniestecken und Stecken geschlagen, Girschtn beigelegt.
  • Der Pinzgauer Zaun: zwischen 170 cm kurzen, geputzten, zugespitzten Stecken und Kniestecken wurden beiderseits 240 cm lange Girschtn „gespannt“.

Bau und Betreuung dieser hölzernen Zäune waren in jeder Hinsicht aufwendig. Man brauchte unglaublich viel Rohmaterial, das in Handarbeit gefällt, transportiert und zugerichtet werden musste. Auch das Aufrichten und das Instandhalten der Zäune war überaus arbeitsintensiv.

“Hagrichtn“

Die Einfriedungen wurden im Bergland wegen der Lawinen Jahr für Jahr abgelegt und im Frühjahr, wenn es aper wurde, wieder aufgerichtet. Auch die anderen Einfriedungen, die im Winter nicht abgelegt wurden, mussten im Frühjahr kontrolliert, bei Bedarf gerichtet und über`s Jahr instand gehalten werden.

Das Abkommen des Pinzgauer Zaunes

Rohmaterial und Arbeitskraft waren solange erschwinglich, als beides günstig zu haben war. Der Bedarf an Zaunholz war auf der materiellen Seite durch Eigenwald oder Holzbezugsrechte abgesichert. Als günstige Arbeitskräfte für die Holzbringung und für das Errichten und Instandhalten der Zäune standen in der Landwirtschaft bis nach dem Zweiten Weltkrieg Dienstboten zur Verfügung.

Durch die Mechanisierung der Landwirtschaft erfolgten Zaunöffnungen, wo vorher keine erforderlich waren, damit die Maschinen fahren konnten. Es kam zu Drainagen, Einebnungen, Flurbereinigungen und Grundzusammenlegungen, damit die maschinelle Bearbeitung möglich und sinnvoll wurde. Auch dafür mussten die alten Holzzäune weichen. Mit den Dienstboten kamen schließlich auch die billigen Arbeitskräfte abhanden. Fremdarbeitskräfte für den Holzeinschlag wären aber unerschwinglich gewesen.

Mit dem Pinzgauer Zaun geht langsam aber sicher auch das nötige Wissen und Können für die Errichtung und Instandhaltung verloren. So groß der ästhetische und kulturelle Verlust auch sein mag, so wenig wäre die Weiterverwendung des Pinzgauer Zaunes als übliche Einfriedungsform möglich und vertretbar; weder von den Materialkosten, noch von den Arbeitskosten, noch von der Bewirtschaftungsweise her.

Den Pinzgauer Zaun sieht man daher nur mehr bei echten Liebhabern, bei Leuten, die es sich leisten können, in Gebieten, in denen für Errichtung und Instandhaltung spezielle Förderungen ausbezahlt werden, wie z. B. Nationalpark Hohe Tauern, im Museumsgelände oder an exponierten Plätzen, an denen sich die ländliche Öffentlichkeit ein Stück Pinzgauer Zaun leistet.

Der Abtenauer >Stecknzaun< beim Heimatmuseum Arlerhof

Ein glücklicher Zufall führte zum rechten Zeitpunkt zum Abtenauer Heimatmuseum Arlerhof, bei dem am 28. April 2010 Toni Russegger und sein Helfer, Christoph Moser, beide aus Abtenau beim Zaunbauen fleissig waren. Toni Russegger hat sein seltenes Können von Wolfgang Praniß, ebenfalls aus Abtenau, erlernt, baut und richtet den Zaun nun eigenständig. Seit ca. sieben Jahren sucht er auch das Zaunholz - es ist Fichtenholz, das gekloben wird und für den Zaunbau hohen Ansprüchen genügen muss - selbst aus. Die Lebensdauer des Zaunes schätzt Toni Russegger auf 15 Jahre, wobei es jährlich >Zaunrichtn< heißt und auch von Zeit zu Zeit Teile ausgetauscht werden. Der Zaun um den Arlerhof ist - was seine Bauweise betrifft - ein "geschlossener" Zaun. Gefragt, ob die Abtenauer Zaunbauer und Zaunrichter die hölzerne Einfriedung um den Arlerhof als "Pinzgauer Zaun" bezeichnen, meint Toni Russegger: "Den Pinzgau tun wir net bewerben. Mia sagn zu dem Zaun >Stecknzaun<."

Quellen

  • Richard Treuer, „Bergheimat Pinzgau“, S. 119, Verlag der Salzburger Druckerei, Salzburg 1977