Schranne (Getreidespeicher)

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Mirabellplatz, Andräkirche und landschaftliches Schrannengebäude (Mitte) um 1900, Bild der Landesausstellung 2016 Bischof Kaiser Jedermann (Salzburg Museum)

Die Schranne als sehr großer "Getreidekasten", als wichtiges Kornlager (Schüttkasten, Granarium) für den Belagerungsfall hatte auch in der Stadt Salzburg in fürsterzbischöflicher Zeit eine große Bedeutung.

Geschichte

Solche Getreidekästen besaßen die großen Klöster, etwa die Benediktinerinnenabtei Nonnberg (siehe Getreidekasten des Benediktinenstifts Nonnberg). Auf der Festung Hohensalzburg wurde der dort besonders wichtige Getreidekasten Schüttkasten genannt. Zu den Kornspeichern gehörte auch ein Bürgerliches Getreidemagazin der Stadt Salzburg und der Schüttkasten beim Hofmarstall.

Die beiden Schrannen-Gebäude in der Stadt Salzburg

Solche Kornlager befanden sich aber auch in der Stadt auf der rechten Seite der Salzach.

städtische Getreideschranne

Schon 1696 ließ Fürsterzbischof Johann Ernst Graf Thun die städtische Getreideschranne auf dem Mirabellplatz gegenüber dem Schloss Mirabell an der Ecke zur heutigen Schrannengasse erbauen, um im Belagerungsfall ausreichend Nahrungsmittel für die Bevölkerung zu besitzen.

landschaftliche Getreideschranne

Das große Gebäude der landschaftlichen Getreideschranne an der Südseite der heutigen Stadtpfarrkirche St. Andrä in der Neustadt ließ Fürsterzbischof Hieronymus Graf Colloredo von 1788 bis 1790 errichten. Es wurde beim großen Stadtbrand am 30. April 1818 teilweise zerstört, aber danach wieder aufgebaut. In der Folge wurde hier aber als bald nicht mehr Getreide gelagert, sondern diente als Depot für verschiedenste Gegenstände.

In den Schrannen wurde aber nicht nur Getreide gelagert. Das Getreide musste hier auch ständig betreut und durch Verkauf und Zukauf ständig erneuert werden. Auch entwickelten sich im Umfeld der Schrannen bald verschiedenste Getreidemärkte. Am Schrannentag oder am Tag davor durfte dabei Getreide vielfach nur verkauft werden, wenn es zuvor in der Schranne selbst gelagert worden war. Aus solchen Getreidemärkten entwickelte sich bald die Schranne als Wochenmarkt.

Literatur und Quellen

  • Robert Messner: Salzburg im Vormärz, 1. Band, Verband d. wiss. Ges. Österr., Wien, 1990
  • Lorenz Hübner: Beschreibung der hochfürstlich-erzbischöflichen Haupt- und Residenzstadt Salzburg und ihrer Gegenden, Vlg Mayr, Salzburg, 1794
  • Ludwig Pezolt: Über Bürger und Bürgertum in der Stadt Salzburg., MGSL Nr. 45 S. 23-36, 1905
  • Gerhard Ammerer: Funktionen, Finanzen und Fortschritt Zur Regionalverwaltung im Spätabsolutismus am Beispiel des geistlichen Fürstentums Salzburg – MGSL Nr. 126 S. 341-518, 1986