Stadtpfarrkirche St. Andrä

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Die Stadtpfarrkirche St. Andrä
Stadtpfarrkirche St. Andrä, Ansicht vom Schloss Mirabell
Stadtpfarrkirche St. Andrä, innen

Die Stadtpfarrkirche St. Andrä befindet sich in der Neustadt von Salzburg im gleichnamigen Andräviertel gegenüber dem Schloss Mirabell.

Geschichte

Die ursprüngliche Andräkirche

Martin Reuter ließ die Andräkirche 1418 errichten. Sein Epitaph ist nunmehr außen an der Südseite der Margarethenkapelle angebracht

Die alte Andräkirche oder Kirche des heiligen Andreas stand am Platzl, an der Ecke zur Dreifaltigkeitsgasse - heute das Haus Linzer Gasse 1 mit dem Fassadenschmuck von Reisenbichler. Sie war von Meister Georg Bauer errichtet, und am 29. November 1418 konsekriert worden. Laut dem erhaltenen Stifterbrief hatte der Stadtrichter Martin Reuter den Auftrag dazu gegeben, der damit dem Wunsch seines bereits verstorbenen Onkels Hans Reuter nachkam: eine Andreaskirche zu errichten und darin eine sogenannte "ewige Messe" halten zu lassen. Martin Reuters Grabmal selber, mit Stifterbild, wurde später mittig in der Kirche aufgebaut.[1]

In der Kirche las ein angestellter Priester täglich eine Messe für die Stifter und deren Angehörige.
1588 installierte Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau darin eine Stadtkaplanei, 1610 ließ er die gotische Kirche zu einem Renaissancebau umgestalten. Fürsterzbischof Andreas I. Jakob Graf Dietrichstein ordnete 1750 einen aufwändigen Umbau im barocken Stil an.
Als man 1811 die Pfarre St. Andrä gründete, wurde sie Pfarrkirche (die in der Nähe stehende St.-Sebastians-Kirche war stets Filialkirche von St. Andrä gewesen und diente, wenn notwendig, als Ersatzkirche).

Die Kirche wurde 1818 beim großen Stadtbrand, obwohl sie so nahe dem Brandherd im Südflügel des Priesterhauses lag, nicht in Mitleidenschaft gezogen. Schwer beschädigt durch den Brand wurde allerdings das Pfarrhaus St. Andrä, das sich anschließend an das Gablerbräuhaus in der Priesterhausgasse befand, bis dahin auch die Volksschule für den rechten Stadtteil beherbergte und dann Anfang der 1820er Jahre abgebrochen wurde. Da die Kirche dem zunehmenden Verkehr im Wege stand wurde das Gotteshaus 1861, den Einsprüchen der Bürger zum Trotz, im Auftrag des Magistrats abgetragen, wobei die im westlichen Bereich der Kirche gestandenen Außenmauern in den Bau des Denkstein-Hauses einbezogen wurden. Die Portale und den Kreuzaltar der alten Andräkirche mit den Statuen des Mose (Stab mit Schlange) und des Aaron verkaufte man an die Pfarre St. Georgen im Attergau, die dieselben beim Bau der Kalvarienbergkirche wiederverwendeten.[2]

Alte Ansichten

Neubau und Wiederaufbau

Der Ruf vieler Bürger nach Neubau der Kirche wurde immer lauter. 1892 begann man, ein neues St. Andrä zu errichten.[3] Nach Plänen von Josef Wessicken wurde die neue Kirche von Stadtbaumeister Jakob Ceconi im neugotischen Stil auf dem durch die Schleifung der Basteien gewonnenen Platz erbaut. 1898 wurde die neue Kirche mit ihren 61 m hohen Türmen eingeweiht.

Orgel

Franz Mauracher-Orgel 1903

Die Orgel der neugotischen Andräkirche errichtete der Orgelbauer Franz Mauracher (1881 – 1949) im Jahre 1903. Sie hatte 38 Register, zwei Manuale und Pedal und wurde mittels pneumatischer Traktur bespielt. Anfangs war das Instrument von Mozarteumsdirektor Hummel, Domchordirektor Spies und dem Organisten der Franziskanerkirche, P. German Niederstätter, überschwänglich gelobt worden. Es hieß, das angewandte pneumatische System sei das einfachste, dauerhafteste, sicherste und präciseste und gegen alle Witterungseinflüsse gefeit. Nach einem Jahr war sie allerdings, wegen mangelnder Ventilation, schon unspielbar geworden und sämtliche Ledermembranen mussten erneuert werden.[4] Bei den Luftangriffen 1944/45 (s.o.) wurde sie durch Fliegerbomben zerstört.

Nach schweren Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg - nur die Westfassade war einigermaßen unbeschädigt geblieben - wurde die Kirche nach Plänen des bayerischen Architekten Michael Kurz wieder aufgebaut.

Umbau

Das ursprüngliche Aussehen der neugotischen Kirche ging im Zuge eines Umbaus in den Jahren 1969 bis 1972 völlig verloren, als man - auf Anregung des damals 83-jährigen Architekten Clemens Holzmeister nach Plänen von Franz Windhager - die für den (neu)gotischen Baustil typischen hohen Spitztürme durch kurze Pyramiden ersetzte und sowie die Ziergiebel und andere Verzierungen entfernte.

Die Idee, Kirchen einer neuen Kunstepoche bzw. dem Baustil ihrer Umgebung (Holzmeister argumentierte damals mit einer "Sichtlinie" zur Dreifaltigkeitskirche) anzugleichen, ist nicht neu. Ein Opfer dieser Unart war etwa auch die Franziskanerkirche, der im Zuge der Barockisierung von Salzburg ein Zwiebeldach ("Welsche Haube") aufgezwungen wurde (mit einem Ergebnis, das man heute noch im Sattler-Panorama betrachten kann), eine Entscheidung, die Mitte des 19. Jahrhunderts im Zuge einer umfassenden Rekonstruktion des Originalturmes glücklicherweise revidiert wurde. Architekt dieser Wiederherstellung war damals ironischerweise Wessicken, dessen eigener Prestige-Kirchenbau über 100 Jahre später das gleiche Schicksal wie die Franziskanerkirche erleiden sollte.

Umfeld

Auf den Plätzen um die Kirche herum (wo früher die Schrannenhalle stand) findet jeden Donnerstag der Schrannenmarkt statt, den Rest der Woche werden sie von der Mirabell-Congress-Garage als Parkflächen benutzt.

Siehe auch

Bildergalerie

weitere Bilder

 Stadtpfarrkirche St. Andrä – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki
 Stadtpfarrkirche St. Andrä – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Kontakt

Andräkirche Salzburg
Pfarre Salzburg - St. Andrä
Mirabellplatz 5/I
5020 Salzburg
Telefon: 06 62 - 80 47-80 52 10
E-Mail: pfarre.andrae@pfarre.kirchen.net
Website: www.andraekirche.at

Quellen

Fußnoten

  1. Die Grabplatte ist an der Fassade der Margarethenkapelle erhalten. Vergl.: St. Andrä - Salzburg, hg. von Herbert Berndl, Salzburg 2006 (Christliche Kunststätten Österreichs Nr. 459), S. 2f.
  2. Siehe AtterWiki: Kalvarienbergkirche.
  3. Personalstand der Welt- und Ordens-Geistlichkeit der Erzdiözese Salzburg für das Jahr 1957 (Schematismus 1957), hg. vom Erzbischöflichen Ordinariat Salzburg 1957, S. 149.
  4. AES: St. Andrä, Kasten 5, Fach 60. Zit. nach: Gerhard Walterskirchen: Orgeln und Orgelbauer in Salzburg vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Dissertation Universität Salzburg 1982, S. 206.