Hieronymus Graf Colloredo

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Gemälde im Salzburg Museum
Wappen von Hieronymus Graf Colloredo im Keltenmuseum Hallein

Hieronymus Graf Colloredo (* 31. Mai 1732 in Wien; † 20. Mai 1812 ebendort) war von 1772 bis 1803 der letzte Salzburger Erzbischof, der als Fürsterzbischof residierte. Bis Erzbischof Andreas Rohracher führten die ihm nachfolgenden Erzbischöfe weiterhin den Titel "Fürsterzbischof", hatten aber keine weltliche Macht mehr.

Leben

Sein Vater, Rudolph Joseph von Colloredo, war Vizekanzler unter Maria Theresia. Über das Studium von Hieronymus Graf Colloredo war bis Anfang des 21. Jahrhunderts nicht viel bekannt. Die Kunsthistorikerin Roswitha Juffinger fand zusammen mit Christoph Brandhuber bis 2011 heraus, dass Colloredo Jus studierte - bisher hatte man angenommen, dass er nur Theologie studiert hatte. Mit nicht einmal 30 Jahren wurde er Auditor bei der "Sacra Rota", dem weltlichen Gericht des Vatikan. Nach dem Theologiestudium am Collegium Germanicum in Rom verlieh am 19. Dezember 1761 Königin Maria Theresia von Österreich dem jungen Colloredo das Bistum Gurk. Fürsterzbischof Sigismund III. Christoph Graf Schrattenbach weihte ihn dann am 14. April 1762 in Salzburg zum Bischof von Gurk. Am 14. März 1772 wurde er nach 49 Abstimmungen zum Fürsterzbischof von Salzburg gewählt. Am 29. April zog Colloredo feierlich von Schloss Freisaal in die Stadt ein, und Papst Clemens XIV. bestätigt am 22. Juni seine Wahl.

Colloredo war der erste moderne Herrscher im Geiste der Aufklärung. Wie der Salzburger Historiker Mag. Dr. Oskar Dohle in seinen jüngsten Forschungen anlässlich einer Doppelausstellung Kirchenfürst und Landesherr im Jahr 2012 formulierte, sei Colloredo ein Repräsentant einer Epochenwende gewesen. Einerseits vertrat er eine durch die Gegenreformation gestärkte katholische Kirche, andererseits blickte er mit seinen weltlichen Reformen weit in das 19. Jahrhundert hinein. Colloredo habe viele Neuerungen angestoßen, wie etwa in der Bildung, der Vermessung des Landes und der Flussregulierung.

Der sparsame, fast geizige Landesfürst war zwar bei seinen Untertanen nicht sehr beliebt, jedoch erlebte Salzburg unter seiner Regentschaft nochmals eine wirtschaftliche Blütezeit. Als er das Fürsterzbistum 1772 übernommen hatte, war dieses durch seine Vorgänger fast bankrott. Colloredo fand einen verlotterten Staat vor und investierte sein privates Vermögen, um diesen wieder wirtschaftlich zu sanieren. Diesem Unterfangen kam auch sein familiäres Netzwerk zugute. Die Familie war in Florenz, Wien und Böhmen etabliert.

Während seiner rund drei Jahrzehnte dauernden Regentschaft förderte er Wissenschaften und Publizistik und er setzte sich für ein modernes Steuerwesen ein. Zwischen 1776 und 1779 ließ er den Hieronymus-Kataster anlegen, in dem alle Steuerpflichten erfasst wurden. Dieser ist heute eine wichtige Quelle der Wirtschafts- und Besitzgeschichte - etwa wenn es um das Erstellen von Erbhofgutachten geht. Als Fürsterzbischof bemühte er sich um die "Entbarockisierung" der Religionsausübung, reduzierte die Zahl der Feiertage und am 22. November 1784 erließ er das Verbot der öffentlichen Aufstellung von Weihnachtskrippen, dann auch das sog. Heilige Grab.

Am 16. November 1775 wurde von ihm auf dem damals noch Hannibalplatz genannten Makartplatz das Fürsterzbischöfliche Hoftheater eröffnet. Colloredo setzte sich für Verbesserungen im Schulwesen ein. Er berief Franz Michael Vierthaler 1790 zum Direktor des Schullehrerseminars, das am 9. November 1790 im Ritzerbogenhaus, Sigmund-Haffner-Gasse, eröffnet worden war.1798 ließ er in Hallein das Colloredo-Sudhaus erbauen, das aber technisch eine Fehlkonstruktion war und bald wieder geschlossen wurde..

Mozart wurde am 21. August 1772 von Colloredo offiziell zum besoldeten Hofkonzertmeister ernannt, überwarf sich in Folge mehrmals mit dem Fürsterzbischof und verließ dann Salzburg endgültig. Der Fußtritt in Wien des erzbischöflichen Angestellten Karl Joseph Felix Graf von Arco am 10. Mai 1781 beendete das Arbeitsverhältnis Mozarts mit dem Fürsterzbischof und am 8. Juni kam es zum endgültigen Bruch mit dem Erzbischof.

Am 10. Dezember 1800 floh Colloredo vor den anrückenden Franzosen nach Wien, von wo aus er das Erzbistum leitete. 1803 musste er als Landesfürst zugunsten des neuen Kurfürsten Ferdinand III. von Toskana abdanken, blieb aber bis zu seinem Tod das geistliche Oberhaupt der Erzdiözese. Am 18. März 1809 übergab Colloredo die Erzdiözese dem Bischof von Chiemsee, Sigmund Christoph von Zeil und Trauchburg.

Colloredo und die Kunst

Aus heutiger Sicht lässt sich nicht mehr feststellen, welche Bilder von welchem Salzburger Kirchenfürsten angekauft worden waren. Anhand von Inventarsammlungen hatten Juffinger und Brandhuber bis 2011 versucht, die Bildersammlung der Fürsterzbischöfe zu rekonstruieren. Imma Walderdorf konnte von 1 000 Bildern der Alten Residenz, die nach der Säkularisierung 1803 in alle Winde verstreut bzw. verschleppt worden waren, ein Drittel identifizieren. Aber das Kunstinteresse Colloredos lässt sich auch an seiner Büchersammlung messen. An Druckgrafik besaß er alles, was zu seiner Zeit in Mode war. Wobei Bücher mit Illustrationen damals ein Vermögen gekostet hatten. Auch zur Malerei musste er einen starken Bezug gehabt haben. Denn eine in Florenz, Toskana, Italien, gedruckte Ausgabe eines Traktats von Leonardo da Vinci enthält eine persönliche Widmung des Meisters an Hieronymus. Aus dieser Widmung geht auch hervor, dass Colloredo einen echten Leonardo besessen haben musste, der sich zwar nicht aus den Inventarlisten belegen lässt, was aber nicht unüblich wäre. Denn es wurde genau zwischen Privatvermögen und Staatsbesitz unterschieden.

Colloredo und die Wirtschaftskrise um 1800

Schon damals investierten Staatsmänner in Aktien. Colloredo sanierte sehr erfolgreich den Fürstenstaat Salzburg. Das Land Salzburg verlor aber dann im Zuge der Napoleonischen Kriege wieder viel Geld, als die Aktienmärkte in den Keller sanken.

Sonstiges

Sein Leibarzt war Johann Jacob Hartenkeil, zweiter Leibarzt war Dr. Anton Buchmann.

Bilder

 Hieronymus Graf Colloredo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Literatur

Quellen


Zeitfolge
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