Stefan Zweigs "Schachnovelle": eine Geschichte aus dem Exil

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Ausstellung: Stefan Zweigs "Schachnovelle"
eine Geschichte aus dem Exil

Stefan Zweigs "Schachnovelle": eine Geschichte aus dem Exil war der Titel einer Ausstellung im Salzburg Museum vom 3. März 2017 bis 28. Mai 2017.

Die Ausstellung

Verbittert hatte der Schriftsteller Stefan Zweig im Jahr 1934 Salzburg verlassen. Er war 1936 einer der meistgelesenen Autoren in Europa. Die Ausstellung zeichnete die Hintergründe für seinen Weg ins Exil nach. Mit dem Passagierschiff 'Scythia' verließen Zweig und seine Frau am 25. Juni 1940 Europa. "Ich bin mit meiner kleinen Klugheit so wie von Österreich rechtzeitig von England fort, alles hinter mir lassend, was Besitz war, (...)", schrieb er zwei Wochen später aus New York an den Lyriker Richard Beer-Hofmann.

Die Schachnovelle, die Stefan Zweig zwischen 1938 und 1941 im brasilianischen Exil schrieb, ist sein letztes und zugleich bekanntestes Werk. Die Schachnovelle ist das einzige Werk, in der Stefan Zweig auf die damaligen politischen Verhältnissen in Österreich Bezug nimmt und in welcher er seine eigenen Erfahrungen verarbeitete. In jenen Szenen, die im ehemals luxuriösen Wiener Grand-Hotel „Métropole“ spielen, war seit dem März 1938 die Gestapo-Leitstelle Wien untergebracht. Mit 842 Mitarbeitern war sie größer als die Gestapo-Leitstelle Berlin. 80 % der Mitarbeiter und Angestellten der Gestapo-Leitstelle Wien waren aus dem österreichischen Polizeidienst rekrutiert worden. Es fanden dort grausame Folterungen von politischen Gegnern der Nationalsozialisten statt.

  • Stefan Zweig hat mit der Erzählung der Schachnovelle allen Opfern des Faschismus ein Denk(!)mal gesetzt.

Die bestimmenden Gestaltungselemente der Ausstellung in der Säulenhalle des Salzburg Museums waren: Das überdimensionale Modell des Grand-Hotel „Métropole“, auf einem Schachbrett stehend; es war in der Mitte des Ausstellungsraumes. Auf dem Schachbrett verteilt standen weiße und schwarze Vitrinen-Tischchen und an den umgebenden schwarzen Wänden hingen die Ledermäntel der zahlreichen faschistischen Häscher jener Zeit. Die zu Ende gegangene großbürgerlichen Welt des fin de Siècle symbolisierte eine dicker roter Teppich. Den letzten Ausweg, die Emigration nach Übersee, symbolisierte das überdimensionale Foto des Passagierdampfers Scythia, mit dem Stefan Zweig nach Übersee ins Exil gegangen war.

Die Ausstellung zweigte zunächst die glückliche Zeit von Stefan Zweigs Leben in Salzburg. Im Eingangsbereich zur Ausstellung sah man zuerst ein vergrößertes Foto von Stefan Zweig, stehend vor seinem Haus auf dem Kapuzinerberg, dem Paschingerschlössl. Der Literat, aus wohlhabenden Verhältnissen stammend, war 1919 von Wien nach Salzburg gezogen und seine Schriften genossen großes internationales Ansehen. Mit dem politischen Machtwechsel in Deutschland, verdüsterten sich die Verhältnisse auch in seiner Salzburger Wahlheimat und es beginnt eine dunklere schwarze Zeit für Stefan Zweig. Zunächst erschienen Broschüren, in denen Namen, Berufe und Wohnadressen von allen Personen mit nicht arischer Herkunft verzeichnet waren. Dann druckte man in einem deutschen Lehrbuch über Rassenkunde als Beispiel für einen österreichischen Juden das Foto von Stefan Zweig, der in Wirklichkeit dem Judentum als Religion gar nicht so gläubig folgte. "Der Eiserne Besen", eine nationalsozialistische Salzburger Hetzschrift, verbreitete zuletzt reine Polemik: "Wenn deutsche Menschen (...) die Ergüsse dieses Juden ernst nehmen, (...) so ist dies natürlich auf Mangel an Rassenbewusstsein und Geschmacksverirrung schlechthin zurückzuführen." Eine Hausdurchsuchung veranlasste den friedliebenden Literaten, der feindselig gesinnten Kleinstadt Salzburg 1934 den Rücken zu kehren und ins Exil zu gehen. Nachdem er zunächst in London und Bath in Großbritannien lebte und auch dort die Verhältnisse unsicherer geworden waren, emigrierte er 1940 über die USA nach Brasilien. 1942 scheidet er "aus freiem Willen und mit klaren Sinnen aus dem Leben, denn nach dem sechzigsten Lebensjahre bedürfte es besonderer Kräfte um noch einmal völlig neu zu beginnen." - "Ich gehöre nirgends mehr hin!" resümierte Stefan Zweig in seinem Abschiedsbrief.

Das Modell des (nach dem Krieg abgerissenen) Hotels und seine Geschichte waren Teil der Ausstellung. Zahlreiche Dokumente und Filmausschnitte beschäftigten sich mit diesem Ort des Schreckens. Zu Wort kamen auch Zeitzeugen wie Bruno Kreisky mit ihren Erinnerungen an Verhöre der Gestapo.

In mehreren Vitrinen wurden Typoskripte, Erstausgaben und Dokumente der „Schachnovelle“ gezeigt. Man konnte auch Ausschnitte aus dem 1960 entstandenen Film „Schachnovelle“, mit Curd Jürgens und Mario Adorf, sehen und mit Kopfhörer Passagen aus der Schachnovelle anhören. Ein brasilianischer Dokumentarfilm brachte Interviews mit Zeitzeugen und einigen Bekannten Stefan Zweigs aus seiner brasilianischen Zeit.

Kurator der Ausstellung war Klemens Renoldner, Autor und Leiter des Stefan Zweig Centre Salzburg, die Gestaltung stammte von Peter Karlhuber.

Weblinks

Quelle