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Abdullah Cetin

Abdullah Cetin

Abdullah Cetin (* 1963 in Manisa, Westtürkei) ist Sprachlehrer.

Nach der Ausbildung zum Lehrer emigrierte er 1984 nach Österreich. Von Wien kam er 1986 nach Salzburg. Cetin ist zum zweiten Mal verheiratet und Vater von drei Kindern.

Vorgestellt

Wer sich mit Abdullah Cetin unterhält, würde nicht auf die Idee kommen, dass Integration schwierig sein kann.

Deutsch spricht Cetin ebenso fließend wie Türkisch. Als gläubiger Muslim versucht er, bei jedem Freitagsgebet dabei zu sein. Er besucht aber auch gelegentlich katholische Messen, um "zu lernen, wie die Christen beten". Und von Verallgemeinerungen hält er nichts. "Es gibt in jeder Gesellschaft Kriminelle und Nicht-Kriminelle. Es gibt solche und solche Menschen."

Cetin, der auch am Integrationskonzept für die Stadt Salzburg mitgearbeitet und mit der "Plattform für Menschenrechte" zusammengearbeitet hat, könnte man als "Vorzeigezuwanderer" bezeichnen. Nach einem Lehramtsstudium in der Türkei kam er 1984 nach Wien, um Informatik zu studieren. Daraus wurde letztlich nichts. Stattdessen begann er bald, als Lehrer für Religion und Türkisch an Volks- und Hauptschulen zu arbeiten.

1986 ging er nach Salzburg und begann neben der Arbeit als Sprachlehrer Politikwissenschaft und Publizistik zu studieren – bis ihm die Doppelbelastung von Beruf und Universität zu viel wurde. Dann ging auch noch seine erste Ehe in Brüche. "Ich habe meine Motivation verloren."

Türkisch unterrichtet Cetin noch heute an Salzburger Schulen. Zusätzlich hält er Sprachkurse. Die Sprache ist für Cetin der Schlüssel für eine gelungene Integration. Deshalb appelliert Cetin auch bei jeder Gelegenheit an seine zugewanderten Landsleute, mit den Kindern zu Hause in der Muttersprache Türkisch zu sprechen. "Die türkischen Eltern sollten auch die Gelegenheit nützen und ihre Kinder zum Muttersprachenunterricht anmelden." Seine Begründung: "Wenn ich in der Muttersprache nicht gut bin, kann ich auch die Fremdsprache nicht gut lernen." Auch er spreche mit seinen Kindern türkisch. "Deutsch haben sie dann im Kindergarten mit den anderen Kindern gelernt. Das geht schnell."

Ein Problem sieht Cetin darin, dass viele Eltern irrtümlich glauben, ihre Kinder würden nicht ordentlich Deutsch lernen, wenn sie den Muttersprachenunterricht besuchten. Eine weitere Hürde sei, dass der Unterricht in der Regel erst nach der Mittagspause am Nachmittag stattfinde.

Dabei seien Sprachkenntnisse und Bildung das beste Mittel, um Probleme im Zusammenleben von Salzburgern und Zuwanderern gar nicht erst aufkommen zu lassen. Cetin erklärt es am Beispiel Kopftuch: "Wenn eine Ärztin oder eine Krankenschwester ein Kopftuch tragen will, warum soll man es ihr verbieten? Es ist nicht wichtig, was jemand auf dem Kopf hat. Wichtig ist, was man im Kopf hat."

O-Ton

  • In der Türkei gibt es sogar drei Monate Sommerferien. Dafür gibt es keine Weihnachts- und Osterferien.
  • Zum Kopftuch im Unterricht sage ich nicht Nein und nicht Ja. Entscheidend ist, dass keine Spannungen aufgebaut werden.
  • Für mich ist wichtig, dass die Integration schon im Kindergarten beginnt. Manche Migranten bekommen keinen Platz für ihre Kinder im Kindergarten. Das ist nicht gut.

Quelle

  • Salzburger Nachrichten (Thomas Hödlmoser)