Arzu Kacak

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Arzu Kacak
Arzu Kacak (* 12. Juni 1974 in Kayseri, Türkei) lebt als Mutter von vier Kindern in Pöndorf, Oberösterreich.

Vorgestellt

Arzu Kacak sitzt auf dem roten Samtsofa im Wohnzimmer. Sie trägt einen bodenlangen Jeansrock und ein gemustertes T-Shirt. Dazu ein Kopftuch. Um sie scharen sich ihre Söhne Ahmet, Hacibey und Ismail. Ihr Jüngster, Mehmet, sitzt auf ihrem Schoss und beäugt neugierig den unbekannten Besuch.

"Ein Porträt von mir?", fragt die Frau. "Warum? Ich bin doch nicht die Richtige." Aber sicher. Denn am Sonntag ist Muttertag. Und damit ist die vierfache Mutter genau die Richtige für ein Gespräch über Mutterliebe, Zukunftsängste und Kinderwunsch. Arzu Kacak stammt aus einem Dorf nahe der türkischen Stadt Kayseri und lebt seit 1997 in Österreich, genauer gesagt in einem alten Haus in Pöndorf, einer 2000-Seelen-Gemeinde an der Landesgrenze zwischen Salzburg und Oberösterreich. Wie feiert eine türkische Familie Muttertag? Was erwartet die "Anne" – so die türkische Bezeichnung für Mama – an diesem Tag?. "Das ist wie in Österreich. Die Kinder machen Geschenke, oft Blumen. Und ich hoffe, dass wir eine Schifffahrt auf dem Mondsee unternehmen", fügt sie schüchtern hinzu.

Arzu Kacak ist Mutter mit Leib und Seele. Das erste Kind bekam sie bereits mit 19.

"Für türkische Verhältnisse ist das nicht früh. Dort werden alle Frauen in jungen Jahren Mütter, vor allem auf dem Land." Dort stünden die Ausbildungschancen für Mädchen schlecht. Dass sie Mutter werden wolle, sei immer klar gewesen. "Ich habe sieben Geschwister, sechs Schwestern und einen Bruder, ich war immer unter Kindern."

Heute, als vierfache Mutter, blickt sie voll Stolz auf ihre Kinderschar. "Kinder zu haben, dieses Mutterglück ist noch viel schöner, als ich mir das vorgestellt habe." Trotzdem sei mit Mehmet als Sohn Nummer vier Schluss. "Keine Kinder mehr", meint Arzu plötzlich bestimmt. "Viele Kinder, viele Sorgen", schiebt sie lächelnd hinterher.

Für ihre Söhne wünscht sich Arzu, die selbst keinen Beruf erlernt hat, einen guten Job. "Sie sollen Ärzte, Polizisten oder Lehrer werden, etwas im Sozialbereich." Ob sich ihr Wunsch erfüllen wird? Zumindest Ahmet und Hacibey haben bereits feste Vorstellungen. "Ich werde Fußballspieler", meint der eine. Der andere will Mechaniker werden. "Egal, wichtiger ist, dass meine Kinder ehrlich sind, sie müssen Respekt vor anderen haben und rauchen dürften sie nicht." Da sei der Vater strikt dagegen.

Angesprochen auf ihre Lebensziele verstummt Arzu kurz. "Was meint sie?", fragt sie ihren Ältesten und lässt sich die Frage ins Türkische übersetzen.

Schließlich sagt sie: "Ich möchte irgendwann zurück in die Türkei, vielleicht als Oma. Ich vermisse meine Familie, meine Mutter und meine Geschwister."

O-Ton

  • Kinder zu haben, ist schön, aber anstrengend. Das Wichtigste ist, dass sie gesund sind.
  • Wenn Kinder etwas falsch gemacht haben, muss man ihnen das auch erklären. Man darf sie nicht nur schimpfen.
  • Ich musste als Kind auf unserem Bauernhof schon früh hart arbeiten. Das erspare ich den meinen.
  • In der Türkei ist Kindererziehung nicht nur Frauensache. Mein Mann kümmert sich genauso.

Quelle