Hundehaltung

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Die Hundehaltung ist im Bundesland Salzburg durch das Landessicherheitsgesetz in der letzten Novelle von 2009 geregelt.

Allgemeines

Zur Novellierung 2009 gab eine Hundebissattacke im August 2007 den Anlass, bei der eine Frau in der Stadt Salzburg beinahe zu Tode gebissen wurde.

Wird ein Hund auffällig oder gibt es Hinweise aus der Bevölkerung auf ein aggressives Tier und erhält die Behörde davon Kenntnis, wird der Hund überprüft. Ein Gutachten des Amtstierarztes entscheidet dann, was mit dem Tier geschieht.

Laut Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) werden in Salzburg jährlich etwa 500 Patienten mit Hundebiss-Verletzungen in Spitälern behandelt. Rund 20 Prozent (= 100 Personen) sind Kinder unter 15 Jahren.

Wer sich ab 1. Jänner 2013 einen Hund anschafft, muss das Tier binnen einer Woche bei der Gemeinde anmelden. Dafür ist der sogenannte Sachkundenachweis (Hundeführschein) vorzuweisen. Zudem muss eine Haftpflichtversicherung mit einer Mindestdeckung von 725.000 Euro abgeschlossen werden. Der Hundeführerschein ist verpflichtend für alle neuen Hundebesitzer.

Hundegesetz zahnlos

Nach dem Landessicherheitsgesetz liegt ein Großteil der Verantwortung bei Vorfällen mit Hunden bei den Bürgermeistern. Diese kritisieren die Haftung heftig. Wie auch Brigitta Höck, Hundetrainerin, in einem Interview[1] bestätigt, sind in den meisten Fällen von Hundeattacken deren zweibeinige Besitzer schuld. Sie plädierte für einen Hundeführerschein ab einer Gewichtsklasse von 15 bis 20 Kilogramm. Und meint, die Haltung von Hunden muss gelernt werden. Als Hundefreund muss man sich mit seinem Hobby auseinandersetzen und Verantwortung übernehmen. Für Angelika Merth, Hundehalterin, Hundezüchterin und Hundetrainerin aus Maria Alm im Pinzgau sind die wichtigsten Kriterien erfolgreicher Hundehaltung

  • ein stabiles Bezugsumfeld
  • die Auswahl des für den jeweiligen Menschen passenden Welpen
  • die artgerechte Unterbringung und Ernährung
  • die Früherziehung
  • das Alltagstauglichkeitstraining
  • ausreichende Bewegung und die
  • geistige Auslastung des Hundes durch entsprechende Beschäftigung.

Wirkliche Vorsorge gegen Hundebisse gibt es im Bundesland Salzburg nicht.

  • Wer einen Hund kauft, muss diesen zur Hundesteuer anmelden, jedoch gibt es tausende Hunde im Land, die "behördliche U-Boote" sind;
  • Selbst wer seinen Hund anmeldet, muss keinerlei Voraussetzungen dafür erfüllen;
  • Vorstrafen oder persönliche Eignung sind bedeutungslos; lediglich jene wenigen, gegen die ein Hundehalteverbot besteht, dürfen keinen Hund halten;
  • Überhaupt keine Rolle spielen die bauliche Situation in Haus oder Wohnung des Halters, ob und in welcher Höhe z. B. Gartenzäune vorhanden wären;

Leinenzwang und Maulkorbpflicht

In der Stadt Salzburg gilt ENTWEDER Leinenplficht - ODER Maulkorbpflicht. Ein Hundehalter kann also seinen Freund MIT Maulkorb frei laufen lassen. Darauf sollten speziell Radfahrer aufpassen, denn ebenso wie Kleinkinder, können auch (berechtigt) freilaufende Hunde jederzeit unvorhersehbare Richtungswechsel machen, weshalb vom Radfahrer gefordert wird, jederzeit bremsbereit zu sein, denn er hat Nachrang gegenüber zwei- und vierbeinigen Lebewesen!

In vielen Salzburger Gemeinden ist Leinenzwang für Hundehalter vorgeschrieben. Leider wird diese Vorschrift immer wieder von Hundehaltern missachtet und es kommt auch immer wieder zu gefährlichen Situationen bzw. zu Auseinandersetzungen mit Passanten, die sich von frei laufenden Hunden bedroht fühlen oder auch nur unangenehm berührt sind, wenn der Hund an ihnen schnuppert; auch Verunreinigungen durch einen sich nach einem Besuch in einem Bach schüttelnden Tier;

Bei größeren Hunden kann auch eine Maulkorbpflicht vorgeschrieben sein, zum Beispiel in öffentlichen Verkehrsmitteln. Aber auch hier werden immer wieder Verstöße beobachtet.

Pro und Contra

Argumente von Hundehaltern, die Vorschriften ignorieren:

  • mein Hund tut niemanden etwas
  • ein Hund braucht den Freilauf, wo soll er sonst laufen als hier im Park?
  • was stört Sie an meinem Hund? Er beschnuppert Sie ja nur!

Befürworter von Leinenzwang und Maulkorbpflicht argumentieren:

  • ein Hund ist ein Tier und demnach kann man seine Reaktionen niemals wirklich voraussehen; ein ungewohnter Geruch, eine ungewohnte Bewegung und der Hund kann zum Raubtier werden oder sich einfach aus seiner Natur heraus wehren
  • nicht jedem Menschen ist es Recht, beschnüffelt zu werden
  • Radfahrer haben mit Recht vor frei laufenden Hunden Angst; es gab schon Stürze aus Panik vor einem nachlaufenden oder zuschnappenden Hund
  • Wer kommt für verschmutzte oder zerbissene Kleidung auf? Auch ein kleiner Schnapper kann ein Loch verursachen!

Beobachtungen

abends, wenn die Wasservögel sich zur Ruhe begeben möchten, kommt ein Hundebesitzer mit frei laufendem Hund; der Hund springt in das Knietiefe Wasser und läuft auf die Sandbank, auf der die Wasservögel ruhen; aufgeschreckt durch den Hund ergreifen sie die Flucht; Minuten später kehren sie zurück und versuchen erneut zu ruhen, doch der nächste Hundebesitzer lässt sein Tier ins Wasser und das Spiel beginnt von neuem;
mehrere Hundebesitzer treffen sich und plaudern miteinander, während ihre Hunde (große und kleine) miteinander balgen, knurren und den Weg mehr oder weniger blockieren; Radfahrer müssen anhalten und Fußgänger schieben mal links, mal rechts ein Tier von ihren Beinen weg; Zurechtrufe der Hundebesitzer verhallen meist ungehört in den Hundeohren;

Miteinander

  • Verordnungen wie Leinenzwang oder Maulkorbpflicht dienen zum Schutz von Mensch und Tier und zum geregelten Miteinander von Menschen, die unterschiedlicher Meinung in diesem Punkt sind. Je dichter Gebiete besiedelt sind, desto wichtiger werden für alle Menschen die Freiräume wie Naherholungsgebiete, Parks, Rad- oder Wanderwege.

Hundebisse

Pro Jahr müssen im Bundesland Salzburg laut Kuratorium für Verkehrssicherheit 500 Menschen nach Hundeattacken im Krankenhaus behandelt werden. In der Stadt Salzburg gingen Hundebisse jedoch seit Ende der 1990er Jahre stark zurück. 1999 gab es 135 Attacken, 2010 waren es nur mehr 18. Probleme treten aber nach wie vor mit frei laufenden Hunden auf. So wurden 2010 in der Stadt Salzburg 80 Besitzer wegen Verletzung des Leinen- und Maulkorbzwanges angezeigt.

Im Jahr 2009 wurden 160 Hundebiss-Anzeigen erstattet, 2010 waren es 156, exakt gleich viel im Jahr 2011 (156).

Fälle 2010

Anfang Oktober 2010 wurde beim Gasthaus Zillreith am Fuße des Schlenkens im Tennengau ein vierjähriges Mädchen vom bayerischen Gebirgsschweißhund Aiko im Gesicht gebissen. Das Mädchen wird lebenslang eine Narbe davontragen.

Fälle 2011

Im Februar 2011 wurde Marie Beatrix Deubler in Thalgau bei einem Spaziergang mit ihrem Husky-Schäferhund-Mischling von einem Rüden aus einer Glaswerkstätte angefallen und zwei Mal in die linke Hand gebissen. Eine vierstündige Operation war notwendig, jedoch konnten durchtrennte Nerven nicht mehr korrigiert werden. Fr. Deubler hat seither ein Gefühl der Taubheit in ihrer Hand. Der 24-Jährige Hundehalter gab an, der Hund hätte sich die Tür ins Freie selbst geöffnet. Das Verfahren gegen ihn wurde jedoch Wochen später eingestellt. Begründung: Da es sich um den ersten Hundebiss handelt und dies nicht vorhersehbar war.

Am 6. Mai 2011 sprang ein Rottweiler in Wals über den 1,2 Meter hohen Zaunes des Gartens seines Besitzers und fiel im Nachbargarten ein Kleinkind aus der Nachbarschaft anfiel, das gerade mit einem Dackel spielte. Dabei biss der Rottweiler dem Kinde einen etwa 20 mal fünf Zentimeter großen Teil der Kopfhaut ab. Nach einem medizinischen Eingriff war das Kind zwar außer Lebensgefahr, jedoch musste es in künstlichen Tiefschlaf versetzt werden. Die Operation verlief nur zum Teil, wie sich Tage später herausstellte. Zwei Drittel der heraus gebissenen Kopfhaut wuchsen zwar an, das letzte Drittel musste in einer neuerlichen, zweieinhalbstündigen Operation mit Haut vom Oberschenkel und der Leistengegend transplantiert werden.

Laut Medienberichten hatte der Rottweiler bereits schon früher ein Kind von hinten angefallen. Diese wurde dank ihres Rucksacks jedoch bei dieser Attacke nicht verletzt. am 25. September 2009 soll der Hund eine Frau angefallen und schwer verletzt haben. Der 41-Jährige Besitzer des Rottweilers will nun nach dem Vorfall vom 4. Mai den Hund abgeben. Mit Bescheid vom 15. Juni 2011 von der Gemeinde Wals wurde ein Hundehalteverbot gegen den Besitzer erlassen. Im August legte der Betroffene jedoch Einspruch ein. In seiner Begründung meinte der ehemalige Tierbesitzer, sein Hund habe keine gesteigerte Aggressivität aufgewiesen. Er war für die Medien für keine Stellungnahme erreichbar.

Bis August 2011 hatte die mittlerweile Fünfjährige bereits 15 Operationen hinter sich und kämpfte immer noch mit ihrer völligen Genesung. Wenn sie auf der Straße einen Hund sieht, muss sie von ihrer Mutter daran vorbei getragen werden. An die Situation, dass ihr Nachbar wieder einen Hund halten darf, wollte die Mutter im Sommer 2011 noch gar nicht denken[2].

Im September 2012 wurde der Hundehalter in einer Berufungsverhandlung rechtskräftig zu einer Haftstrafe von einem Monat auf Bewährung verurteilt. Dem Opfer des Hundebisses wurden 13.000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen. In erster Instanz waren es nur 6.000 Euro. Der Rottweiler wurde mittlerweile eingeschläfert, der Hundebesitzer hat stets seine Unschuld beteuert[3].

Hundewiesen

2011 gab es im Bereich der Stadt Salzburg fünf Hundewiesen, ab dem Frühjahr kommen drei weitere hinzu: 4 000 m² beim Salzachsee, eine Wiese im Hans-Donnenberg-Park in Salzburg-Nonntal (2 000 m²) und eine in Hellbrunn (5 000 m²).

Im Mai 2013 wurde auf dem Areal von Hellbrunn neben dem Hellbrunner Spielplatz hinter dem Wirtschaftshof-Tor ein 2 500 Quadratmeter großes Rasenstück, das umzäunt wurde, als Hundewiese eröffnet. Die Kosten beliefen sich auf 7.000 Euro[4].

Weblinks

Quellen

Einzelnachweise

  1. Salzburger Nachrichten, 10. Mai 2011
  2. Salzburger Nachrichten, 27. August 2011
  3. Bezirksblätter online, Ausgabe Flachgau Süd vom 3. Oktober 2012
  4. Salzburger Woche, Ausgabe Stadt Nachrichten, 8. Mai 2013