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Josef Bruckmoser

Mag. Josef Bruckmoser (links) bei der Verleihung des René-Marcic-Preises in der Residenz durch Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer.
Verleihung des René-Marcic-Preises in der Residenz, im Bild von links Adolf Hinterhauser (Bürgermeister der Gemeinde Dorfbeuern), Josef Bruckmoser mit Gattin Rosemarie und Enkelin und Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer.

Mag. Josef Bruckmoser (* 19. Februar 1954 in Michaelbeuern, Gemeinde Dorfbeuern) ist Theologe, Wissenschaftsjournalist und Buchautor.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Bruckmoser wurde 1954 in Michaelbeuern geboren. Nach der Schule studierte er Theologie sowie Publizistik und Kommunikationswissenschaft. 1978 übernahm er die Leitung der Pressestelle der Erzdiözese Salzburg, elf Jahre später wechselte er zu den Salzburger Nachrichten, wo er 30 Jahre lang (1. März 1989 bis 28. Februar 2019) Redakteur der Salzburger Nachrichten. Er begann als Lokalredakteur, danach wurde er Ressortleiter Bildungspolitik und Kirche, später Chef vom Dienst, Ressortleiter für Lokales und 2010 Ressortleiter für Wissenschaft, Gesundheit und Religion.

Er hat zahlreiche Berichte, Reportagen und Interviews zu philosophischen und weltanschaulichen Themen verfasst.

Derzeit (2019) ist er ständiger freier Mitarbeiter der Salzburger Nachrichten für die Wochenend-Seite „Geist & Welt“.

Der Vater von drei Kindern ist verheiratet mit Rosa Maria Bruckmoser.

Auszeichnungen

1989: Verleihung des Ehrenzeichens der Hll. Rupert und Virgil in Gold durch Erzbischof Karl Berg

1999: Verleihung des Leopold-Kunschak-Pressepreises durch Bundesminister a. D. Alois Mock

2000: Verleihung des Dr. Herbert Moritz-Preises für besondere publizistische Leistungen in den Bereichen Humanitäres und Arbeitswelt durch Gerhard Buchleitner

René-Marcic-Preis

2019 wurde er am 1. Juli mit dem René-Marcic-Preis ausgezeichnet.

Josef Bruckmoser hat in seiner Arbeit nicht die schnelle Nachricht, sondern die Wahrheit im Fokus. Er hat es geschafft, sich mit den großen Fragen wie Glaube, Gesundheit und Wissenschaft zu beschäftigen“, so Landeshauptmann Wilfried Haslauer bei der Verleihung in der Residenz.

Begründung der Jury

Die Jury des René-Marcic-Preises hat am 6. Dezember 2018 beschlossen, den Salzburger Journalisten Josef Bruckmoser für die Verleihung des Preises im Jahre 2019 vorzuschlagen.

Bruckmoser (* 1954) hat einen geradlinigen Ausbildungsweg zurückgelegt. Nach Volks- und Hauptschule in seinem Geburtsort Michaelbeuern wechselte er 1966 auf das Gymnasium Borromäum in Salzburg. Wie erwartbar, begann er nach der Matura (1972) Theologie zu studieren, gleichzeitig aber auch – und hier zeigt sich seine früh erkennbare Umsicht – Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Salzburg. Die Wahl einer zweiten Studienrichtung, die weit ab von der Theologie liegt, zeigt die Weite seines Ansatzes. Sie bestimmt fortan seinen Lebens- und Berufsweg.

Nach dem theologischen Studienabschluss (Diplom 1978) volontiert Bruckmoser beim Salzburger „Rupertusblatt“ und bei der Wiener Tageszeitung „Die Presse“, er kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit des Bildungshauses St. Virgil. Sein erster Brotberuf wird 1978 die Leitung der Pressestelle der Erzdiözese Salzburg. Wer sich in dieser bis auf den heutigen Tag nicht ganz einfachen Aufgabe bewährt, wird von den Leitmedien beobachtet. 1989 wechselt Bruckmoser zu den „Salzburger Nachrichten“. Zunächst Lokalredakteur, wird er bald Ressortleiter Bildungspolitik und Kirche, später Chef vom Dienst, Ressortleiter für Lokales und schließlich (2010) Leiter des Ressorts mit den zwei Schrägstrichen: Wissenschaft/Gesundheit/Religion. Damit ist er mit drei Themenbereichen konfrontiert, die seit der Jahrtausendwende existenzielle Bedeutung für die weitere Entwicklung des Planeten gewinnen, gleichzeitig aber immer schwerer fass- und vermittelbar werden. Denn Wissenschaft, Gesundheit und Religion verlieren ihre klaren Ränder; sie expandieren, ihre Ausdifferenzierung explodiert, ihre öffentlichen Ansagen und Produktionen wuchern. Gelegentlich gewinnt das Publikum sogar den Eindruck, sie verlören die Kontrolle über sich selbst.

Neue Kommunikationsplattformen („Soziale Medien“) verstärken – an den konventionellen Massenmedien vorbei – die Verunsicherung.

Der Redakteur, dessen Aufgabe es ist, aus vielen Quellen nach sorgfältiger Prüfung ihrer Werthaltigkeit einen klaren, für das Publikum querbaren Fluss zusammenzuführen, steht angesichts der Unübersichtlichkeit und Undurchsichtigkeit der Gewässer vor einer scheinbar unlösbaren Aufgabe.

Das Rezept, welches Praktiker wie Wissenschaftler zur Rettung des Mainstreams, das heißt des demokratietragenden Gesellschaftssystems Journalismus, empfehlen, heißt Qualitätsjournalismus.

Aus seiner – an alte Vorgaben anknüpfenden – Normativität erwächst eine neue Aufgabe. Bruckmoser hat sich ihr, als ob das in seinem Metier selbstverständlich wäre, gestellt. Wenn zu Wissenschaft, Gesundheitswesen oder Religionen etwas gesagt wurde, dann musste es gesagt werden, – es musste aber auch so beschaffen sein, dass es so nah wie möglich an der Wahrheit gesagt werden konnte. Andernfalls musste es als vorerst Unsagbares auf Klärung warten. Das mag dem Publizisten manchmal weh getan haben, war aber die von Bruckmoser verwirklichte Praxis des theoretischen Anspruchs, der da heißt Qualitätsjournalismus. Diese Verwirklichungsarbeit ist aus der Sicht der Jury preiswürdig.

Laudatio

Die Laudatio wurde von Univ.-Prof. Dr. Michael Schmolke, emeritierter Vorstand des Instituts für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg und Mitglied der René-Marcic-Preis Jury, gehalten:

Jeder Kandidat, jede Kandidatin für den René Marcic-Preis wird, auch was das Formale angeht, an den „Richtlinien“ gemessen, der in nuce-Verfassung des Preises. So geschah es vor vierzig Jahren mit dem ersten Preisträger: Oskar Schatz. So geschah es jetzt mit Josef Bruckmoser. Er hätte leicht jeder der drei Richtlinien-Fassungen entsprochen, auch der ersten und strengsten von 1978. Nach ihr konnte der Preis nur vergeben werden „für im Land Salzburg erbrachte und in Salzburger Medien veröffentlichte ... publizistische Leistungen“. Nicht verlangt wurde vom Kandidaten, dass er im Land Salzburg geboren sein müsse. Selbst diese Bedingung könnte Bruckmoser erfüllen. Er wurde am 19. Februar 1954 in Michaelbeuern geboren. Sein Lebensweg verlief zunächst so geradlinig, dass er für den Herrn Mustermann hergenommen werden könnte, der uns gelegentlich bei der Präsentation neuer Plastik-Karten begegnet.

Volks- und Hauptschule in Michaelbeuern, danach Erzbischöfliches Gymnasium Borromäum in Salzburg, Matura pünktlich 1972. Es scheint alles auf ein Ziel hinauszulaufen. Und also beginnt er sogleich nach der Matura, in Salzburg Theologie zu studieren. 1978 Diplomprüfung. Wir haben einen Magister der Theologie vor uns.

Zwischendurch muss er auf Seitenwege des Nachdenkens geraten sein: 1974 beginnt er ein Parallelstudium, das, auf den ersten Blick, ziemlich weit weg von der Theologie liegt. Josef Bruckmoser studiert Publizistik und Kommunikationswissenschaft. Und zwar, wenn ich mich richtig erinnere, mit Nachdruck und nachhaltig, aber ohne genau umreißbare Absicht, u.a. wohl auch angestiftet von der Neugier auf die merkwürdigen dialektischen Prozesse, die damals in der Sigmund-Haffner-Gasse 18 abliefen.

Am Ende jedenfalls steigt er nicht auf die Kanzel, was er wohl auch gar nicht vorgehabt hatte, sondern greift zum Notizblock, setzt sich an Schreibmaschinen auf damals noch computerfreien Schreibtischen.

Volontariate beim „Rupertusblatt“ und bei der Tageszeitung „Die Presse“, in der Öffentlichkeitsarbeit des Bildungshauses St. Virgil begleiteten das Studium. Als er fertig studiert hat, wird der Herr Magister einer der ersten Pressereferenten der Erzdiözese Salzburg. Er bleibt es ziemlich lange, von 1978 bis 1989. Inzwischen spricht es sich herum, dass er ein sehr guter Pressereferent ist.

Man beobachtet, wie er ein damals noch ausbaubedürftiges Feld zuverlässig beschickt und souverän bearbeitet. Die „Salzburger Nachrichten" holten ihn in ihren Mitarbeiterstab. Er durchlief die Schule des Allgemeinen in der Lokalredaktion (1989–1993), wurde Ressortleiter für Bildungspolitik und Kirche (1993), arbeitete als Chef vom Dienst (1997–2001), übernahm für neun Jahre das Ressort Lokales (2001–2010) und entfaltete schließlich von 2010 bis 2018 das Ressort Wissenschaft/Gesundheit/Religion.

In diesen letzten zehn Jahren begegnet ihm sowohl in seinem speziellen Arbeitsgebiet als auch in den allgemeinen Weltläuften und erst recht in seiner Berufsrolle Ereignisse und Entwicklungen, deren Fülle und Veränderungspotential für ein ganzes Journalistenleben ausreichten. Ich kann nur eine kleine Auswahl davon nennen: Im Feld Gesundheit wurde die zunehmende Industrieförmigkeit zahlreicher im weitesten Sinne medizinischer Strukturen und Funktionen erkennbar, erleidbar, aber keineswegs immer durchschaubar. In der Politik entwickelte z. B. der Faktor Migration eine Dynamik, die überwunden geglaubte Positionen in den Köpfen von Wählern und Gewählten wiederauftauchen ließ, in einer drastischen Deutlichkeit, die viele nicht für möglich gehalten hatten. Gewaltsame Auseinandersetzungen zunächst in den Gebieten Ex-Jugoslawiens, später in Nordafrika und schließlich zunehmend in den Staaten des vorderen Orients produzierten und produzieren Tag für Tag eine Fülle von nachrichtenwürdigen Ereignissen. Die Art der undurchschaubar werdenden Kriegführung und die gleichzeitig entstehende und seither ständig wachsende Nachrichtengebung über Internet-Wege ließen die Frage immer dringlicher werden:

Wer liefert uns wie gesicherte Daten und Fakten – tragfähig für Interpretationen? Goethes Wort „hinten, weit, in der Türkei“ gilt für niemanden mehr, - denn was ist heute hinten, was ist weit? Aber Clausewitz‘ ungefähr gleich alter Satz „Die meisten Nachrichten sind falsch“ wurde wieder brandaktuell. Das Ganze liegt nicht daran, dass es zu wenige Quellen gibt, sondern dass es zu viele geworden sind.

Damit sind wir bei einer Entwicklung auf dem Feld des Journalismus, die Josef Bruckmoser im letzten Jahrzehnt mit durchstehen musste. Früher genossen die „etablierten Quellen“ wie Nachrichtenagenturen, Korrespondenten, Kollegen, bewährte Autoren und Informanten und sogar einige Konkurrenzmedien den Ruf hoher Vertrauenswürdigkeit, - heute sind neben sie die „distanzierten Quellen" getreten. Zu ihren Inhalten haben die Mitarbeiter der Etablierten oft nur beschränkten Zugang. Statt ihrer liefern teils private, teils untergründig organisierte, immer häufiger nicht-professionelle Quellen ungesicherte Inhalte, z.B. über die „Social Media“. Bert Brechts Wunsch, dass sein neues Medium, das Radio, sich vom Distributionsapparat zum Kommunikationsapparat verwandeln möge, hat sich insofern schnell erfüllt, als neben die klassischen Medien Presse, Film, Radio und Fernsehen das All-Medium Internet getreten ist und neben die professionellen Kommunikatoren Brechts „Hörer“ als seine „Lieferanten“.

Wir sagen heute „User“, aber die UsKursiver Texter können eben beides: hören und liefern, empfangen und senden. Sie tun es, z. B. als Blogger oder nicht mehr einbremsbare Twitter-Schreiber. Das Netz, in diesem Falle präformiert in den Social Media, fließt über von „User Generated Contents“, ein Gräuel für Journalisten alter Schule. Denn distanzierte Quellen und User Generated Contents widersetzen sich dem klassischen Verfahren von Check, Re-Check und Double Check, von Quellenkritik im strengen Sinne der Historiker gar nicht zu reden. Distanzierte Quellen müssen übrigens nicht unbedingt sozialgeografisch entfernt liegen - in Syrien oder im Sudan, sie können auch in Leverkusen oder Washington angesiedelt sein. Bruckmoser weiß besser als wir, dass der Vatikan durchaus ein Quellboden für Distanziertes sein kann, das mit erfahrenen Fingerspitzen angefasst werden sollte. Wie Sie am Vokabular gemerkt haben, hat sich seit einiger Zeit die Wissenschaft der neu erkannten Aporie angenommen. Florian Wintterlin, Kommunikationswissenschaftler aus Münster, z.B. hat aus seiner Dissertation ein veritables Buch gemacht. Sein Titel: „Quelle: Internet. Journalistisches Vertrauen bei der Recherche in sozialen Medien“ (Baden-Baden 2019). Seitdem ich es gelesen habe, ist meine Aufmerksamkeit geschärft. Allenthalben in der öffentlichen Diskussion stoße ich auf den Begriff Vertrauen. Mir fällt dazu Lenin ein: Kontrolle ist besser. Mir fällt Luhmann ein: Vertrauen sei ein „Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität“, - schon besser. Aber Vertrauen - „journalistisches Vertrauen“ sagt Wintterlin -, sozusagen als Geh-Hilfe, wo Check und Re-Check versagen? Dann ist mir Vertrauen, das ich in einen Journalisten setzen kann, schon lieber. Die Jury war sich einig, dass der Endverbraucher, der Leser, dem Journalisten Bruckmoser Vertrauen schenken kann. Denn er hat seinerseits den ihm zufließenden Quellen nur dann Vertrauen geschenkt, wenn sie seiner Prüfung standhielten. Daraus ist – über Jahre dahin - seine ganz persönliche Glaubwürdigkeit erwachsen. Eine gute Eigenschaft in einer Zeit, wo unsichere Quellen wieder fröhliche Urständ feiern.

Dankesworte Josef Bruckmoser

Josef Bruckmoser dankte dem Landeshauptmann für die persönliche Überreichung des Preises und die stattliche Dotierung. In Zeiten von Fake News und zweifelhafter Informationsflut sei es für verantwortungsbewusste Redakteurinnen und Redakteure von großer Bedeutung, dass journalistische Qualität auch öffentlich wahrgenommen und gewürdigt werde. Qualitätsjournalismus zeichnet sich dadurch aus, dass er die Hintergründe politischer Entscheidungen transparent macht und Fehlentwicklungen aufzeigt – hart in der Sache, aber immer mit Respekt vor den handelnden Personen. Auch lange Sicht hilft solcher Journalismus dadurch einer Politik zum Durchbruch, die verbindet statt spaltet, die ausgleicht statt polarisiert und die sich unabhängig vom nächsten Wahltermin einem humanistischen Wertekanon verpflichtet weiß.

Weiters sagte Bruckmoser, „„Es ist für mich eine große Ehre und ein besonders würdiger Abschluss meiner journalistischen Laufbahn, dass die Jury mir den René-Marcic-Preis zuerkannt hat“, so Preisträger Bruckmoser. In Zeiten von Fake News und zweifelhafter Informationsflut sei es für verantwortungsbewusste Redakteurinnen und Redakteure von großer Bedeutung, dass journalistische Qualität auch öffentlich wahrgenommen und gewürdigt wird.

In der täglichen Arbeit habe sich gezeigt, dass die Leserinnen und Leser bei den Themenbereichen Wissenschaft, Gesundheit und Religion die Latte besonders hoch legen. Wer die „Salzburger Nachrichten“ in die Hand nimmt, tut es mit dem Anspruch, eine seriöse, nachhaltige und auch persönlich glaubwürdige Berichterstattung zu erhalten.

Den Eigentümern, dem Herausgeber und dem Chefredakteur der „Salzburger Nachrichten“ dankte Bruckmoser dafür, „dass ich genau zur richtigen Zeit bei der richtigen Zeitung arbeiten durfte“. In keiner anderen deutschsprachigen Tageszeitung wäre es möglich gewesen, „so viel von meinem Lebensthema einzubringen: Ein zeitgemäßes und dialogisches Verständnis von Religion“. Die wohlwollende Resonanz bei vielen Leserinnen und Lesern habe gezeigt, dass die Fragen „Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?“ auf großes Interesse stoßen, wenn sie ohne exklusiven, andere ausschließen-den Wahrheitsanspruch thematisiert werden.

Quellen