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Kaffee-Transport für EZA Fairer Handel mit Segelschiffen

Mariama Coulibaly bei der Löschung des Kaffees von der Avontuur für EZA Fairer Handel im Hafen von Hamburg.
Löschung des Kaffees von der Avontuur für EZA Fairer Handel im Hafen von Hamburg.

Den Kaffee-Transport mit Segelschiffen will EZA Fairer Handel nutzen.

2019

Die Salzburger EZA Fairer Handel in Weng in der Flachgauer Gemeinde Köstendorf ließ sich 1,5 Tonnen Kaffee aus Mexiko liefern - per Segelschiff. Der Zweimaster hatte im Hafen von Hamburg (Deutschland) angelegt. Mit dem Zug ging es nach Salzburg, die Rösterei Naturkaffee in Eugendorf stellte das Produkt fertig. "Uns ist klar, dass das eine Nische in der Nische ist, den gesamten Kaffee kann man nie per Segelboot liefern", sagt EZA-Sprecherin Andrea Reitinger. "Aber wir wollten probieren, was möglich ist."

Die Fairtrade-Pioniere aus Salzburg sind nicht die Einzigen, die in Zeiten von Klimadiskussionen das Segelschiff als emissionsfreies Transportmittel neu entdecken. Die deutsche "Avontuur" - die den EZA-Kaffee brachte - und die niederländische "Tres Hombres" kreuzen schon über den Atlantik. Bald soll ein weiterer Frachtsegler "Brigantes" starten - unter rot-weiß-roter Flagge.

Vor zwei Jahren hatten die Brüder Daniel und Oscar Kravina gemeinsam mit Schiffsingenieur Tobias Blome einen alten Zweimaster gekauft, der ab 1912 als Frachtschiff vor Sizilien unterwegs war, dann aber in einem Hafen in Vergessenheit geriet. "Derzeit wird die ,Brigantes' in Sizilien in Schuss gebracht", sagt Daniel Kravina. Im Juli 2020 soll sie vom Stapel laufen, im Dezember 2020 lossegeln. Denn im März starte in Südamerika die Kaffeeernte, sagt Kravina. Dann soll das Unternehmen Brigantes, das der Wiener Reiseveranstalter und seine Crew bisher nebenberuflich aufbauen, zum Geschäft werden. Sechs Monate dauere die Fahrt hin und retour. 100 Tonnen Kaffee und auch Kakaobohnen kann die "Brigantes" transportieren. Diese Menge zu erreichen, sieht Kravina nicht als Problem. "Eine einzige italienische Bar verbraucht zwei Tonnen im Jahr, wir brauchen also nur 50 Bars und Kaffeehäuser als Partner." Etliche Biohotels und Gastronomiebetriebe beliefert man schon mit Brigantes Kaffee, vorerst wird er von den zwei anderen Segelfrachtern geliefert. Auch der Chocolatier Zotter habe den Segeltransport von vier Tonnen Kakaobohnen vereinbart. Den Handel könne man mit so kleinen Mengen nicht beliefern. "Zudem kann im Kaffeehaus die Geschichte unseres Segelkaffees besser erzählt werden." Und die Transportkosten teilten sich auf die Tasse Kaffee gerechnet besser auf.

Konkurrenzfähig zum dieselbetriebenen Containerschiff könne man nie werden, weiß auch Kravina. Transportkosten pro Kilo von 2,50 Euro stehen sieben Cent im Container gegenüber. "Für die Gastronomie sind wir dennoch nicht teurer als Illy oder Meinl, weil wir den Kaffee ohne Zwischenhändler kaufen", sagt er. Den Anspruch, die Welt zu retten, hat Kravina nicht. Es gehe darum, in den Köpfen der Konsumenten Bewusstsein zu schaffen, was Transport bedeutet. "100 Tonnen Kaffee retten das Klima nicht. Wenn die Kunden aber zu steirischen statt zu argentinischen Äpfeln greifen, weil sie über das Thema nachdenken, ändert das etwas."

Über den Sommer solle die "Brigantes" im Mittelmeer etwa Olivenöl verschiffen. Neben der Crew von sechs Mann haben zehn Ökotouristen Platz, die für zusätzliche Einnahmen sorgen. "Sobald wir 25 Tonnen Eigenkaffee pro Fahrt verkaufen, rechnet es sich." Vorerst freilich steckt man knapp eine Million in das Segelschiff. Über Crowdfunding werden Anteile angeboten.

Kann Kaffee das Klima retten?

Neben fairem Handel will die Köstendorfer EZA den Klimaschutz in den Mittelpunkt rücken. Ab kommender Woche werden kleine Mengen "Segelkaffee" vor allem aber "Coffee for Future" verkauft. Zwei Kleinbauerngenossenschaften in Mexiko und Uganda kultivieren Kaffee unter Schattenbäumen in artemreichen Urwaldgebiet. Zudem wird aufgeforstet und durch den Bau von Holzsparöfen Brennholz gespart. Die Bauern erhalten neben der Fairtrade-Prämie dafür eine zusätzliche Klimaschutzprämie. "Unsere Partner im Globalen Süden leisten große Anstrengungen, um die Klimakrise, die sie am wenigsten verursacht haben, und deren Folgen zu bewältigen", betont EZA Geschäftsführerin Andrea Schlehuber. Mit an Bord bei dem Projekt ist das Klimabündnis Österreich.

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