Raimund von der Thannen

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Raimund von der Thannen

Raimund von der Thannen (* 21. April 1948 in Egg, Vorarlberg) war von 2004 bis 2015 Einsiedler auf dem Palfen bei Saalfelden am Steinernen Meer.

Vorgestellt

Bruder Raimund hat den Weg in ein neues Leben gefunden. Den Weg, nicht das Ziel, denn das Leben ist Unvollkommenheit. "Wir suchen die Harmonie mit den Menschen, mit Gott und mit der Schöpfung", sagt er. "Wenn die nicht da ist, dann geht das Leben nicht gut. Aber wir erreichen sie nie zu 100 Prozent und müssen diese Unvollkommenheit lieben lernen. Ich bin zufrieden, weil ich Ja sage, zu dem, was ist. Aber die Zeit macht es uns schwer. In der Wohlstandsgesellschaft heißt es, man müsse an allem teilhaben."

Der Eremit weiß, wovon er spricht. Er hat in seinem alten Leben genug Irrwege beschritten. "50 Jahre lang ist es mir nicht gut gegangen", sagt er. Nach außen führt er ein "normales" Leben. Er wächst in Vorarlberg auf, besucht die Handelsakademie, arbeitet als Bankangestellter, Berufsschullehrer und Steuerberater. Später leitet er ein soziales Wohnheim, das er selbst aufgebaut hat. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter.

Aber hinter den Kulissen plagte ihn jahrzehntelang die Spielsucht. "Man geht ins Casino und lässt für ein paar Stunden die Probleme, die man mit sich selbst hat, draußen. Und wenn man wieder hinausgeht, sind die Probleme noch größer als vorher." 1999 kam der Zusammenbruch. Schulden, ein gescheiterter Selbstmordversuch, die Diagnose Nierenkrebs und schließlich eine Verurteilung wegen Veruntreuung.

Im Jahr 2000 machte er sich auf den Weg in ein neues Leben. Bei einer Pilgerreise zu Fuß von Vorarlberg nach Lourdes. 2003 trat er ins Benediktinerkloster St. Lambrecht, Steiermark, ein. Ab Sommer 2004 war er der Einsiedler von Saalfelden. Seinen letzen Sommer in der Einsiedelei am Palfen verbrachte er im Jahr 2015.

"Für mich war klar, dass ein Weiterleben nur unter Berücksichtigung des Spirituellen möglich ist. Ein unspiritueller Mensch ist in der Seele amputiert. Ein Teil ist tot. Das ist unabhängig von der Kirche."

Den Tag des Einsiedlers bestimmen Gebete, Kochen, Arbeiten. "Das ist das Wertvolle am Klosterleben. Dass man nach einem Rhythmus lebt. Das tut uns Menschen gut. Aber das Leben hier ist nicht romantisch. Der Einsiedler lebt absichtslos dahin und ist für die Leute da." In der Klause hat Bruder Raimund das Buch "Seele sucht Ruhe" (Tyrolia Verlag) geschrieben. Darin berichtet er über seine Erfahrungen als Einsiedler und seine Suche.

Quelle

  • Salzburger Nachrichten (Anton Kaindl)