Tollkirsche

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Tollkirsche, Steinalm, Saalfelden
Blüte an einem Tollkirschenstrauch am Geopfad in St. Pankraz am Haunsberg

Die Tollkirsche (Atropa belladonna L.) ist ein heimisches Nachtschattengewächs, das zu den Giftpflanzen im Bundesland Salzburg und zu den Pflanzen im Nationalpark Hohe Tauern zählt.

Bezeichnungen

Im deutschsprachigen Raum verfügt die Tollkirsche über eine große Anzahl von volkstümlichen Namen und Bezeichnungen. Diese nehmen direkt oder indirekt Bezug auf Giftigkeit, Vergiftungserscheinungen, Objekte des Gifteinsatzes oder die Abscheu vor dem Gift dieser Pflanze. Die Tollkirsche wird demgemäß als Bennedonne, Boll- oder Bullwurz, Giftkriesl, Irrbeere, Falsche Kersch, Krotenbeere, Krötenstrauch, Rasewurz, Rattenbeere, Römerin, Säukraut, Sautod, Schlafkirschen, Schlafkraut, Schlangenbeere, Schlangenkraut, Schwindelbeere, Taumelstrauch, Teufelsbeere, Teufelskirschen, Tintenbeere, Tollbeere, Tollkraut, Tollwurz, Walkerbaum, Windbeere, Wolfsaugen, Wolfsbeeren oder auch als Wolfskirschen benannt.

Standort, Blüte und Reife

Die Tollkirsche findet sich an lichten Waldstellen und an Rändern von Waldschlägen in gebirgigen Gegenden wie beispielsweise auf der Steinalm am Südabhang des Steinernes Meer in Saalfelden, aber sie ist auch am Geopfad in St. Pankraz am Haunsberg zu finden. Die Blütezeit der Tollkirsche fällt in die Monate Juni bis August, die Beerenreife beginnt Ende Juli und bleiben die Beeren bis zu den ersten Nachtfrösten im Oktober an der Pflanze.

Botanisches

Die Tollkirsche ist einerseits hoch giftig und zählt andererseits zu den heimischen Heilpflanzen. Der Wurzelstock der Tollkirsche ist ausdauernd, rübenförmig und weißlich gefärbt. Aus diesem entwickelt sich der Stängel, der bis zu eineinhalb Meter hoch wachsen kann und sich meist dreiästig gabelt. Die eiförmigen Blätter stehen immer paarweise, wobei von jedem Blätterpaar ein Blatt nur halb so groß wächst wie das andere. Die Blüten entwickeln sich einzeln in den Blattachsen. Sie haben eine glockige Form, sind fünfzähnig und schmutzig braun gefärbt. Die Frucht der Tollkirsche ist größenmäßig mit normalen Kirschen vergleichbar, ist glänzend schwarz und sitzt immer in einem grünen Kelch.

Unterscheidungsmerkmale zur Kirsche

Leider kommt es immer wieder zu schwerwiegenden Verwechslungen mit genießbaren Kirschen, vor allem Kindern erscheinen die glänzenden Beeren anziehend. Dabei gibt es drei klare Unterscheidungsmerkmale zwischen Tollkirschen und Kirschen:

  • Kirschen wachsen auf Bäumen und nie auf Sträuchern.
  • Kirschen hängen immer frei auf einem langen Stiel, während die Beeren der Tollkirsche an ihrem Grund immer von kleinen grünen Kelchblättern umgeben sind.
  • Die Kirschreife ist zum Zeitpunkt der Reife der Tollkirsche – das ist Ende Juli – bereits vorbei.

Heilkräftige Pflanzenteile

Die ganze Pflanze, insbesondere die Blätter ab der Blütezeit, sowie die Beeren – und zwar sowohl unreif als auch reif – sind sehr giftig. Zu Heilzwecken gesammelt werden die Blätter, die Wipfelteile des blühenden Krautes und die Beeren, wenn sie völlig ausgereift sind. Die Blätter sind wie die Beeren fast ohne Geruch und schmecken bitterlich und nachfolgend widerlich, die Beeren hingegen schmecken verlockend süßlich. Aus Blättern und Beeren wird das Atropin gewonnen, eines der gefährlichsten Pflanzengifte überhaupt. Nur die Vögel sind unempfindlich gegen die Wirkung des Atropins. Neben dem Atropin enthält die Tollkirsche noch andere Alkaloide wie Hyoscyamin und Scopolamin.

Vergiftungserscheinungen

Folgen des Genusses von Tollkirschen sind quälender Durst, Heiserkeit, Schluckbeschwerden, erst Pulsverlangsamung, dann Beschleunigung des Pulses, Herzklopfen, Kopfweh, Schwindel, Zittern, Schwanken, Delirien, Sinnestäuschungen, Krämpfe, der plötzliche Ausbruch von Wahnsinn, Lähmung, Aufhören der Atmung, Blaufärbung des Gesichtes, Herzversagen und schließlich das Eintreten des Todes.

Bei einer Vergiftung mit Tollkirschen ist aufgrund des tödlich wirkenden Giftes von jeder Selbstbehandlung abzusehen! Als erste Hilfe empfiehlt sich das rasche Herbeiführen des Erbrechens, um eine möglichst schnelle Entleerung des Magens zu erreichen.

Heilwirkung

Bei Menschen und Säugetieren hat die Tollkirsche – richtig angewandt – eine sehr vielseitige Heilwirkung, wird aber wenig verwendet. Die lateinische Bezeichnung Belladonna (= schöne Frau) verweist auf die Tatsache, dass der Saft der Tollkirsche von je her als kosmetisches Mittel (zur Erweiterung der Pupille) zum Einsatz kommt. (Diesbezügliche Präparate sind jedoch rezeptpflichtig.)

In der Homöopathie werden die Essenz und ihre Verdünnungen bei Folgen von Erkältungen, nach Schrecken und Ärger, bei Fieber nach Infektionen, besonders bei Scharlach und Angina, bei Erregungszuständen, Kopfschmerzen und Entzündungen empfohlen. In der Medizin gelangt dieses Heilmittel auch bei krampfartigen Schmerzen im Magen-Darm-Trakt und im Bereich der Gallen- und Harnwege zum Einsatz.

In der Tiermedizin werden vor allem Schweine bei bestimmten Erkrankungen vom Tierarzt mit Belladonna behandelt.

Bemerkenswertes

Die giftige Wirkung, die bei unsachgemäßer Handhabung des früher in der Landwirtschaft häufig verwendeten Schädlingsbekämpfungsmittels „E 605“ aufgetreten ist, wurde mit dem Atropin der Tollkirsche erfolgreich bekämpft. („E 605“ ist ein Synonym für Parathion. Einfuhr, Erzeugung, Einsatz und Handel von Parathion ist seit dem 9. Juli 2001 durch die Europäische Kommission verboten).

Quellen

  • Richard Willfort: „Gesundheit durch Heilkräuter“, Rudolf Träuner Verlag Linz/D., 6. Auflage, 1964
  • Dieter Podlech: “Heilpflanzen“, GU Naturführer, Gräfe und Unzer
  • Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum Thema "Tollkirsche"