Wildes Alpenveilchen

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Wildes Alpenveilchen

Das Wilde Alpenveilchen (Cyclamen purpurascens) ist eine im Alpenraum beheimatete Zyklamenart.

Beschreibung

Als mich vor vielen Jahren eine Wanderung über den Kalvarienberg zum Falkenstein am Wolfgangsee im Salzkammergut führte, betörte mich im Spätherbst ein herrlich, belebender Duft. Es kam mir das heimische Wilde Alpenveilchen erstmals millionenfach vor Augen. Dieses winzige von blassrosa, rot bis violett blühende Blümchen hat viele Namen und nimmt auch in Medizinal- und Volksheilkräuterbüchern, wie auch in der Heilpflege, durch seine unverwechselbare Eigenart wieder mehr und mehr Ansehen ein. Früher waren es die ersten Vorboten des Herbstes, doch heuer sind diese Zyklamen Büschchen schon im Juni in voller Blüte.

Pflanzengeographisch sei erwähnt, dass sich die höchste Entfaltung dieser vorbiblischen Heilpflanze in dichten Beständen rund um den Abersee erstreckt wobei es sich wahrscheinlich um Wärmezeitrelikte handelt. Das Fehlen des Alpenveilchens zwischen Abersee und dem Salzachgebiet ist sehr wahrscheinlich dem Eindringen der nacheiszeitlichen mächtigen Schuttmoränen zuzuschreiben. Das viel kältere Klima in unseren Breiten setzte auch die Fortpflanzungsmöglichkeit von einst verstreuten Ansiedlungen im Salzburgischen stark herab. Allerdings war seit altersher der feuchte Boden entlang der Flüsse ein guter Nährboden zur Verbreitung.

Vorkommen: "Salzkammergut, oberösterreichische Kalkalpen, Weißenbachtal - Rinnkogel und Gamsfeld Goisern, Bad Ischl und weiterhin längs der Landesgrenze gegen Oberösterreich, wo es in das Hauptareale um Aber- und Wolfgangsee übergeht. Das Gebiet der Salzach von da bis zum Pass Lueg ist auch auf der Westseite, wie auch das Saalachtal frei von ZyKlamen."[1]

Die bekanntesten Heilpflanzen und Blumen dieser Art findet man schon bei Hildegard von Bingen, in den medizinischen Kräuterbüchern wie auch ab der Mitte des 15. Jahrhunderts auf Tafelbildern in den mittelalterlichen Altären, dies zeigt sich auch im Altar von Michael Pacher in St. Wolfgang. Lilien. Akeleien, Schlüsselblumen, Alpenveilchen, Maiglöckchen, Klee, Fingerkraut, Nelken, Hahnenfußgewächse wie auch einige kleine Kräuter botanischer Art mit heilmedizinischer Bedeutung und symbolischem Charakter, spielen als Beiwerk eine wichtige Rolle.

Die volkskundliche Bezeichnung der Cyclamen purpurascens, in unserer Gegend ist Wildalpenveilchen. Wolfgang Erdäpferl wurden die kleinen Zwiebeln, der Cyclamenknollen in St. Wolfgang genannt. Kraft der Erkenntnis von Wildkräutern berichtet schon Plinius in der Naturalis Historia über die Zyklame deren Wurzelstock mit Knolle "tuber terrae" (Schweinebrot, Leckertrüffel) eine besonders heilende, nachweisbare Wirkung durch Verwendung der medizinischen Essenzen bei Schlangenbiß, Migräne, Kopfbeschwerden und als Zaubertrank hatte.

Von Hypokrates bis zu Paracelsus bezeugen die alten Medizin- und Kräuterbücher des Mittelalters dem Alpenveilchen ihre Heilkraft, großes Lob und heilende Anwendungsweisen. Die Zyklamenknollen bildeten den Hauptbestandteil einer Heil- und lindernden Pflegesalbe, die zu Einreibungen bei eiternden Wunden, Geschwüren und Hautunreinheiten zusammengerührt wurde. Besondere Gesundung versprach der aus getrocknetem und im Mörser zerstampften Blüten und Wurzeln hergestellte "Wundtrank" gegen Kopfschmerzen, Gicht und Kreuzweh. Das in den Knollen enthaltene "Saponine" hat vielerlei reinigende, schleimlösende Heilwirkungen, so wird auch für medizinische homöopathische Zwecke nur der Wurzelstock und die Knolle verwendet. Auch das Erblühen der Knollen zu Hause, versprach nicht nur Glück und Segen, meist auch Fruchtbarkeit für die Nachkommen.

In St. Wolfgang nennt man die kleinen Zwiebel Wolfgangi Erdäpfel, da selbe den Wallfahrern eingepackt in kleine Papier Stanitzel, als Heil und Fruchtbarkeits-Symbol angepriesen wurden. Die St. Wolfganger Jugend hatte mit diesem in riesigen Mengen vorkommenden volkskundlichen Heilmittel eine kleine alljährlich, ziel führende Einnahmequelle. Im Spätherbst, nach Abblühen der Zyklamen, sammelte man die winzigen Knollen und trocknete selbe. In kleinen Stanitzeln, auch in handgenähten kleinen Leinensäckchen wurden die Knollen verpackt. Ein Hallo brach unter den Kindern los, wenn die ersten Wallfahrer im Frühjahr über den "Stoa", den Falkenstein, ankamen und auf ihren Empfang warteten. Früher war es der Brauch die angesagten Pilger bei der Schafbergbahn mit Fahne und Geläut ab zu holen, auch dies erbrachte den Jugendlichen einen kleinen Nebenverdienst. Mit ihren mehrstimmigen Gebeten zog die Wallfahrergruppe bis zur Kirche. Beim Wolfgang Brunnen wurden nach altem Brauch zuerst die Augen gewaschen und um das Gotteshaus gegangen, bevor die Bittgänger vom Pfarrer empfangen in die Kirche geleitet wurden.

Meist sicherten sich die erfahrenen Pilger schon auf diesem Weg die Fruchtbarkeitsgaben der Wolfganger Buben und Mädchen. Sie fragten: Na, habts wieder Wolfgangi Erdapferl für uns und schon begann der Kleinhandel mit den Zyklamenknollen im Papierstanitzel. So ranken sich durch die Jahrtausende viele Mythen und Heilungen um diese wohlriechenden, zarten Bergbleaml rund um den Aber- und Wolfgangsee.

Heute zählt das Alpenveilchen zu den geschützten Alpenpflanzen.

Literatur

  • Leonhardt Rudolf: Studien über die Verbreitung von Cyclamen europaeum 1927.
  • Buberl und Martin: Geschichte des Schlosses Hellbrunn 1915
  • L.Behling Die Pflanzen in mittelalterlichen Tafelbildern 1967
  • Kegele Das Salzkammergut 1898
  • Kratz Pflanzenheilverfahren 1897
  • Geheimnisse und Heilkraft der Pflanzen 1978
  • „Das Beste“ Geschützte Pflanzen 1937

Quelle

  1. Oberforstrat Ing. Jaro P o d h o r s k y *1873 - + 1963, ein großer Naturschutzverfechter

Verfasser

Dieser Artikel wurde von Adele Sungler verfasst und als Word-Dokument an das Salzburgwiki gesandt. Alle Bilder aus dem Archiv Adele Sungler.