Busfahren (Geschichte)

Aus Salzburgwiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Das Busfahren in der Stadt Salzburg zwischen 1945 und 1970.

Allgemeines

Ganz abgesehen davon, dass anfangs die Obusse mitten durch die Altstadt fahren durfen (z. B. über den Alten Markt an den Rudolfskai), waren auch Fahrzeuge und die Organisation eine völlig andere.

Die Obusse bestanden aus einem Zufahrzeug, an das man bei Bedarf einen Anhängerwagen ankoppeln konnte. Der Fußboden war mit einem Holzlattenrost belegt. Die Dieselfahrzeuge warer meist der Marke Saurer und hatten den Motorblock im vorderen Fahrgastraum in der Mitte. Dieser war mit einer dicken Polsterung überzogen und links und rechts konnte man auch sitzen.

Die Obusse hatten bereits hinten den Einstieg und jeweils in der Mitte und vorne einen Ausstieg. Bei den Dieselbussen gab es nur einen hinteren Einstieg und in der Mitte einen Ausstieg.

Der Schaffner

Der Schaffner hatte in den Zugfahrzeugen im hinteren Teil einen eigenen kleinen Sitzplatz, der durch ein Türchen erreichbar war, das zum rückwärtigen Ausstieg öffnete. Rechts vom Sitz waren die Signale angebracht: Türöffner für alle drei Türen sowie ein Signal für den Busfahrer, wenn er losfahren konnte. Zweimal auf dieses Signal kurz hintereinander gedrückt bedeutete, dass das bereits erteilte Abfahrtssignal widerrufen wurde. Zum Beispiel, weil noch ein Fahrgast zusteigen wollte oder sich erst jetzt entschied, doch auszusteigen.

Bei Anhängern musste, sofern überhaupt ein Schaffner mitfuhr, dieser die Signale und Türöffner an der Fahrzeugdecke betätigen.

Die Fahrkarten

Der Schaffner hatte stets an einem Finger einen Gummifinger übergestülpt, um leichter die einzelnen Fahrscheine von den Blöcken reißen zu können. Je nach Art der Fahrkarte (Kinder, Jugend, Erwachsense, Senioren, Kurzstrecke, Normalstrecke usw.) waren die Fahrscheine von unterschiedlicher Farbe. Dann musste man beim Einsteigen den Endpunkt seiner Fahrt dem Schaffner mitteilen. Dieser lochte mit einer Zange den Ein- und Ausstiegspunkt auf einem auf allen Fahrscheinen aufgezeichneten Streckennetz von Salzburg. Auch lochte er den Umsteigepunkt, um z. B. unerlaubte Unterbrechnungen oder Umstiege zu unterbinden. Weiters waren Datum und Uhrzeit zu locken. So konnten Kontrolleure relativ genau feststellen, ob man eine gültige Karte besaß oder nicht.

Zeitkarten

Wer eine Wochen- oder Monatskarte besaß, damals mussten z. B. auch noch alle Schüler ihre Busfahrten selbst bezahlen, konnte sich Berechtigungsmarken bei den Zeitkartenschaltern am Salzburger Hauptbahnhof und am Ferdinand-Hanusch-Platz kaufen. Diese wurden dann auf dem Ausweis unter dem Lichtbild eingeklebt.

Die Fahrt

Jede Station wurde vom Fahrer über ein Mikrofon angekündigt, samt den Umsteigeverbindungen. Da es auch noch Bedarfshaltestellen gab, das heißt, Stationen, an denen ein Obus oder Dieselbus nicht automatisch stehenblieb, fragte der Schaffner bei diesen Stationen, ob jemand aussteigen möchte. Meldete sich niemand und stand niemand winkend in der Station, fuhr die Linie durch. Später wurden dann Signalknöpfe für die Fahrgäste eingeführt, die man im Bedarfsfalle zu drücken hatte.

Ankedoten

Auf der E-Wagen-Linie (heute Obuslinie  7 ) gab es in den 1960er-Jahren einen Schaffner, der bei allen Fahrgästen besonders beliebt war. Fand jemand z. B. ein Taschentuch, so rief dieser Schaffner per Mikrofon ein gefundenes weibliches Unterwäschenstück oder ähnliches aus. Bei jeder Station nannte er nicht nur den Namen dieser Station, sondern hatte auch noch ein extra-Sprücherl bereit, z. B. wenn ein Wirtshaus in Nähe war, das er empfahl oder ähnliches.

Gefürchtet war das Kommando Bitte weiterrücken. Dieses kam dann, wenn sich im hinteren Teil des Fahrzeugs die Menschen beim Einstieg und um den Schaffnerplatz drängten, im vorderen Teil des Wagens jedoch noch Platz war. Nun wollten viele nicht ihren Stehplatz aufgeben und blieben starr stehen. Während andere mit Druck versuchten, an diesem Menschen vorbei zu kommen. Unerträglich war manchmal die Situation, wenn dann auch noch der Fahrer begann, die Fahrgäste von vorne nach hinten zu drängen. Dann steckte man in der Mitte manchmal so fest, dass man bei seiner Ausstiegsstelle nicht rechtzeitig rauskam und eine Station weiter fahren musste.

Lange Debatten führten die Erwachsenen oft über die ungezogene Jugend, die nicht bereit war aufzustehen, wenn ältere Menschen einstiegen. Hier kam es oft zu kuriosen aber auch aggressiven Situationen. Denn auch Schüler und Lehrlingen waren nach sechs oder acht Stunden Lernen und arbeiten müde. Auch gab es immer wieder ältere Erwachsene, die man zunächst wieselflink über die Schranne hin- und herhuschen sah, dann bei der Einfahrt des Busses einer Schlange gleich durch den Pulk der Wartenden an erste Einstiegsposition sich wanden, leichten Fußes mit Einkaufswagerl am Schaffner vorbeischwebten und dann mangels eines freien Sitzplatzes plötzlich den totalen Zusammenbruch erlitten, der bei manchen bis hin zum Hecheln führen konnte, im Moment des Freiwerdenes eines Sitzplatzes jedoch schlagartig wieder vorbei war. Androhungen von Watschen konnte man hören, wenn man nicht artig aufstang, ja, manche wollten sogar die Eltern informieren.

Ein anderes Problem stellten Doppelsitze dar. Manchmal war just der eine freie Platz beim Fenster und so wurde man aufgefordert, vom Gangplatz zum Fenster zu rutschen. Auf die höfliche Antwort, der Sitzplatzsuchende möge doch "drübersteigen" und sich selbst ans Fenster zu setzen, wurde unterschiedlich beantwortet: mit Bedrohung und Beschimpfung, mit schnippischen Antworten bis hin zum gewaltsamen Versuch, den Sitzenden einfach zu verdrängen. Andere wiederum machten sich so breit, dass der freie Platz quasi wertlos war, war man nicht ein Chrispindl.

Entlang vieler Buslinien gab es noch Haltestellen, die nicht asphaltiert waren, sondern einfach aus einer geschotterten Haltestellenbucht bestand. Dort fand man z. B. noch in den 1960er Jahren oft kleine Geldbeträge im Schotter. Es waren Münzen, die Einsteigenden aus der Hand fielen, man aber aus Zeitnot nicht mehr aufheben konnte. Manchmal, wenn man Glück hatte, konnte man so ein paar Schilling finden (zum Vergleich: eine gute Kinokarte im Stadtkino oder Mozartkino kostete damals zwischen öS 11.-- und öS 16.-- Ende der 1960er Anfang der 1970er Jahre).

Quelle