Franz Koch (Maultrommelvirtuose)

Aus Salzburgwiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Franz Koch (* 1. April 1759[1] – oder: 1761[2] – in Mittersill; † 1830[3]) war ein berühmter Maultrommelvirtuose salzburgischer Herkunft.

Herkunft

Franz Koch war das jüngste Kind des Land- und Bergrichters Johann Ernst Koch (* 1704; † 1774) und dessen Gattin Maria Leopoldine, geb. Konhauser von Sternenfeld (* 1718; † 1764).[1] Er verlor früh seine Eltern und erlernte daher einen bürgerlichen Beruf – den eines Buchbinders (andere Angabe: eines Barbiers[1]).

Porträt

„Wem der alte preußische Grenadier Franz Koch mit seiner Maultrommel begegnet, der versäume nicht, ihn zu hören, sagt Jean Paul im Hesperus, indem er von diesem Spiele eine Beschreibung macht, die unsere Neugierde aufs Höchste spannt Und wer es gehört hat, der ist damit einverstanden, daß wie der Dichter sagt, diese Klänge seligen Geistern angehören, die sie aus den Wolken herabtragen, des Sterblichen leidendes Herz zu erquicken.

Koch, geboren 1761 in Mittersill im Salzburgischen, stammte aus einer angesehenen Familie, die ihren Versorger verlor, als Franz noch Knabe war, weßhalb er sich genöthigt sah, eine Profeßion zu lernen. – Er wählte die des Buchbinders. Auf seiner Wanderschaft wurde er krank; die Tochter seines Prinzipals zu Regensburg pflegte ihn, und beider Herzen fanden Anklang. Man hatte ihm gesagt, daß er Regiments-Buchbinder in Magdeburg werden solle, worauf er sich 1782 von dem preußischen Hauptmann von Gaza anwerben ließ und sich verehlichte. Dort angekommen, sah er sich getäuscht und genöthigt, unter die Waffen zu treten. In dieser Zeit des Kummers, der dadurch vermehrt wurde, daß der Schrecken über solch trauriges Schicksal die junge Gattin auf ein langes Siechbett geworfen, verbiß er seinen Schmerz in den Eisen der Maultrommel, und da eine nicht dazu hinreichen wollte, griff er auch zu der zweiten. Einst Nachts auf einem Walle vor Breslau Posten stehend, und sich an den Tönen seiner Instrumente labend, hört ihn ein Offizier, der Runde machte. Tief ergriffen erzählt dieser den Vorfall seinen Bekannten. Man will sich selbst überzeugen, und bald erschallt Koch's Ruf bis zum Throne. König Friedrich Wilhelm hört einen Grenadier und will ihn der musikalischen Welt nicht vorenthalten; Koch wird aus dem Militärdienst entlassen, und begiebt sich mit seiner unbegreiflichen, zum höchsten Entzücken führenden Kunst auf Reisen. Wie in jenen Dorfküster, von dem Matthison erzählt, daß er seiner verstorbenen Braut eine Lilie mit der Unterschrift: „So war sie“ auf das frühe Grab gesetzt, Anlage zur Dichtkunst, so lag in Franz Koch eine hohe Anlage zur Tonkunst. Die Basis seiner Kunst war die aller Künste: Religion. Sein Genius geleitete ihn zu Tod, Grab und Auferstehung, und sprach sich nur in sternenheller Nacht am würdigsten aus. So gab er den Todtengesang „Begleitet den Leib in eine Gruft“ mit unnachahmlichen Tiefgefühl, nachdem er zuvor durch die mögliche Modifikation von Glockenschlägen, die eilfte Stunde verkündet hatte. Nachdem die Uhr bald nahe, bald fern, dann wieder näher und ferner, die Geisterstunde angezeigt, hörte man den besagten Choral in reiner, jedoch schauervollen Harmonie in weiter Entfernung und gleichsam in den Lüften erklingen, und immer näher und näher noch und feierlicher ertönte er, schien dann über unserm Haupte vorbeizuziehen, und in der weitesten Ferne, im höchsten Gewölke am Himmel zu verschwinden. Wer vermöchte es, eine vollendete Beschreibung eines solchen Genusses zu geben. Man sagt, Naumann habe beim Anhören dieser Leistung ausgerufen: „Wenn ich das vermöchte, ich verbrennte zur Stelle all‘ meine Compositionen.“ Koch versicherte, daß er geglaubt habe, den Ton seines Instrumentes durch verfeinertes Metall zu erhöhen, und es aus Gold, Silber u. s. w. habe verfertigen lassen; allein nur das Eisen besitze den Klang, der uns so entzückt. Bald wurde sein Instrument Mundharmonika genannt, denn wollte man irgend ein anderes zur Seite setzen, so könnte es nur die Harmonika sein.

Seinen ersten Triumph hatte er zu Breslau nach jener Postenrunde vor dem damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm gefeiert, als dessen Vater bei Breslau über die schlesischen Regimenter Revue gehalten. Darauf spielte er vor vielen Herrschaften in Breslau, und als er zum Regiment von Götz nach Glatz gekommen war, erlaubte ihm der Inhaber desselben sogar kleine Kunstreisen in die nahen Städte herum. Im Jahre 1788 wurde er dann auf einmal nach Berlin berufen, um dort vor dem König Friedrich Wilhelm und dem ganzen Hofe zu spielen, bei welcher Gelegenheit ihm die Prinzessin Friederike, nachmalige Herzogin von York, den Abschied auswirkte. Von Berlin reiste Koch wieder nach Glatz, und dann mit seiner Frau nach Breslau, 1789 im November nach Dresden und Leipzig, Halle, Dessau, wo er vor dem Hofe zweimal, dann nach Cöthen und Bernburg, an welchen Orten ihn ebenfalls der Hof hörte; darauf nach Quedlinburg, wo er vor dem Herzog von Braunschweig spielte und die Einladung erhielt, auch nach Braunschweig zu kommen. Daselbst mußte sich Koch am Geburtstage der verwitweten Herzogin am Hofe, und zwar in einem unbeleuchteten Saale hören lassen. Von Braunschweig ging er nach Hildesheim und Hannover, Halberstadt, Magdeburg, Potsdam und zurück nach Berlin. Zu Schinhausen produzierte er sich vor der verwitweten Königin von Preußen, weiland Friedrichs des Großen Gemahlin, in Beisein der Prinzessinen Friederike und Henricke. 1791, nachdem er auch Breslau wieder besucht hatte, ging er abermals nach Dresden, in dessen Nähe er vor dem Churfürsten von Sachsen, seiner Gemahlin, den Prinzen Anton und Maximilian auftrat. Zur Zeit der Krönung Kaiser Leopolds zu Prag begab er sich von Karlsbad aus ebenfalls dahin, und produzierte sich auf dem Auersbergischen Landgut Schlepp vor der Kaiserin. Seine weitern Wanderungen nahmen darauf die Richtung nach Königgrätz, Breslau und viele andere schlesische Ortschaften, 1792 zum drittenmal nach Dresden, dann nach Töplitz und Karlsbad, Hof, Bayreuth, Erlangen, Nürnberg, Regensburg, wo er vor dem Fürsten und Erbprinzen von Taxis, darauf nach Landshut, wo er vor der Herzogin von Bayern-Birkenfeld und 1793 nach München, wo er vor dem Kurfürsten Karl Theodor spielte, endlich über Augsburg, woselbst sich eben der Kurfürst von Trier, die verwitwete Kurfürstin von Bayern und die Prinzessin und Abtissin Kunigunde von Essen befanden, nach Salzburg, nachdem er überall ungetheilten Beifall erhalten und die höchste Bewunderung erregt hatte.

Quellen

  1. 1,0 1,1 1,2 Franz Martin: Beiträge zur Salzburger Familiengeschichte. 70. Koch von Sternfeld, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 80, 1940, S. 134-138 (136).
  2. So die übrigen Quellen.
  3. Hochradner, Thomas: Unter Krummstab, Löwe und Adler: Wahrnehmungsperspektiven einer musikgeschichtlichen Etappe. In Dominik Šedivý (Hg.), Salzburgs Musikgeschichte im Zeichen des Provinzialismus? Die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts. Veröffentlichungen der Forschungsplattform „Salzburger Musikgeschichte“. Bericht einer Tagung der Forschungsplattform „Salzburger Musikgeschichte“, 23. bis 25. September 2012. Band 2. Hollitzer Wissenschaftsverlag, Wien 2014. ISBN 978-3-99012-148-1; gestützt auf die unten unter „Literatur“ angegebenen Werke von Roth und Hochradner.

Literatur

  • Roth, Hans: Franz Koch, der Maultrommelvirtuose aus dem Pinzgau. Eine literarische Quelle in Jean Pauls „Hesperus“, in: Volksmusik in Oberbayern. Ein Geburtstagsbuch für den Fanderl Wastl, bearb. von Wolfi Scheck und Ernst Schusser, hg. v. Bezirk Oberbayern, o. O. 1985, S. 165–177;
  • Hochradner, Thomas: Ein Stammbuch des „Maultrommelvirtuosen“ Franz Koch, in: Salzburger Volkskultur 22 (1998), Heft 2, S. 68–72.
  • J. K., Ein Wort über die Mundharmonika oder die Maultrommel, in: Morgenblatt für gebildete Stände, Nr.: 59 vom 10. März 1809, S. 236.