Götschenberg

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Der Götschenberg bei Bischofshofen ist ein Naturdenkmal und beherbergte bedeutende ur- und frühgeschichtliche Höhensiedlungen.

Allgemeines zum Götschenberg

Der Götschenberg ist in der Umgebung auch als „Roter Felsen“ bekannt, was sein Erscheinungsbild - siehe Eiserner Hut - gut beschreibt. Fährt man von Bischofshofen Richtung Mühlbach am Hochkönig, so sieht man am Taleingang rechter Hand einen steil aufragenden roten Felsen, der aus eisenhältigem rotem Kalkstein besteht (Ankerit). Von seiner Kuppe aus hat man eine hervorragende Aussicht über das Salzachtal einerseits und Richtung Hochkeil und Mitterberg andererseits. Das Gipfelplateau mit seiner kleinen Hochfläche von ca. 30 x 25 m liegt ca. 150 m über dem Talboden. Am Gegenhang nördlich der Anhöhe verlief der alte Weg ins Mühlbachtal. Felsabbrüche nach Osten und Süden und steile Hänge nach Norden und Westen machen die Anhöhe von Natur aus zu einem geschützten Platz. Nicht direkt auf dem Plateau aber in der näheren Umgebung waren mehrere Quellen, die für das Trinkwasser genutzt werden konnten. Damit war der Götschenberg als Siedlungsplatz geradezu prädestiniert.

Ausgrabungen und wissenschaftliche Untersuchungen

Seit 1879 wurden am Götschenberg immer wieder kleinere Grabungen durchgeführt. Johann Pirchl, Bergverwalter der Mitterberger Kupferbergbau Gesellschaft und Rudolf Much, Althistoriker aus Wien, machten den Anfang. Grabungen durch Georg Kyrle und Martin Hell, Eisenbahningenieur und späterer Salzburger Landesarchäologe, folgten. Man erkannte allmählich wie wichtig diese Anhöhe für die Salzburger Bergbau- und Besiedelungsgeschichte ist. Ein Teil des Götschenberges wurde daher 1969 unter Schutz gestellt und zum Naturdenkmal erklärt. Damit sind Eingriffe und insbesondere Grabungen im Bereich des Hügels untersagt. Leider wurden im Mittelalter größere Erdbewegungen vorgenommen, sodass die meisten vorhergehenden Kulturschichten zerstört worden sind.

Trotz interessanter Ergebnisse der ersten Ausgrabungen blieben viele Fragen offen, daher beantragte Andreas Lippert eine Ausnahmegenehmigung und begann 1979 mit systematischen Bodenuntersuchungen. In jährlichen Grabungskampagnen bis zum Jahr 1987 wurden das Hochplateau und der Nordabhang von ihm und seinem Team genauer untersucht.

Der Götschenberg und dessen Siedlungsperioden

Neolithikum (Jungsteinzeit)

Die neolithische Kulturschicht ist zum Glück durch die im Mittelalter erfolgten erdbewegungsbedingten Veränderungen an der Hochfläche als einzige nicht gestört. Sie enthält Reste einer kleinen Siedlung und ergab reichhaltiges keramisches und lithisches Fundmaterial (Materialien aus Stein). Es zeigten sich auch Reste einer frühen Kupfererzverarbeitung, was für die Wissenschaft sehr bedeutsam ist, weil sie eine Gewinnung von Kupfererzen schon in dieser Zeit anzeigt. Die jungsteinzeitlichen Siedler lebten in mehreren Hütten. Ihre Keramik war eher von provinzieller Machart und ein Teil davon ist jener der sog. Altheimer Kultur verwandt. Die Menschen des Neolithikums auf dem Götschenberg waren nicht nur frühe Kupfererzverarbeiter sondern auch landwirtschaftlich tätig. Zahlreiche Haustierknochenfunde belegen Viehzucht. Begleitende Pollenuntersuchungen in der Umgebung des Götschenberges weisen auch auf Rodungen etwa um 3000 v. Chr. hin. Durch diese sind kleine Ackerflächen entstanden und zum Getreideanbau genutzt worden. Man kann auf eine bäuerliche Bevölkerung schließen, die auch Erz verhüttet und verhandelt hat. Somit bietet die Siedlungsgeschichte auf dem Götschenberg auch den ältesten bäuerlichen Siedlungsbeleg im Salzburger Gebirgsraum.

Bronzezeit

In der frühen und mittleren Bronzezeit war der Götschenberg ebenfalls besiedelt. Leider ist diese Kulturschicht im Gegensatz zur jungsteinzeitlichen Schicht durch die mittelalterlichen Erdwegungen erheblich gestört. Die Funde aus der Bronzezeit weisen auf eine enge Verbindung zum Straubinger Fundkreis hin. Auch hier zeigt sich aufgrund der abgelegenen Lage eine vereinfachte und eher vergröberte Keramik, die auf die Entfernung nach Niederbayern verweist. Aufgrund des Gesamtbefundes wird eine Siedlungsphase der Bronzezeit A 2 angenommen. Eines der zwei C-14-Daten, die aus dem bronzezeitlichen Fundmaterial gewonnen wurden, ergibt eine Zeitstellung von 1970 v. Chr. bis 1760 v. Chr. Zeitgleiche Siedlungen befanden sich am Burgstall bei der Ruine Bachsfall, am Pestfriedhof, am Spöckerbühel und auf der Halbinsel Sinnhubschlössl. Die Bewohner und Bewohnerinnen dieser bronzezeitlichen Siedlungen haben ebenfalls Erz gewonnen, verhüttet und gehandelt. Die Gewinnung und Verhüttung des Erzes wird nicht nur durch in der Umgebung entdeckte Abbaustellen sondern auch durch die schlackengrusgemagerte Keramik belegt. Der Getreideanbau gewinnt beachtlichere Bedeutung. Es gibt viele Anzeichen dafür, dass in der mittleren Bronzezeit der Kupferabbau im Pongau einen Höhepunkt erreichte. Daher ist auch eine intensivere Besiedelung anzunehmen.

Eisenzeit

Der Götschenberg war auch in der späten Hallstattzeit und in der frühen La-Tène-Zeit besiedelt. Dies lässt sich aufgrund der keramischen Fundstücke mit Sicherheit behaupten, obwohl wegen der mittelalterlichen Bodenstörung die entsprechende Kulturschicht fehlt.

Römische Zeit, Spätantike, Frühmittelalter

In dieser Besiedelungsperiode wurde der Nordfuß der steilen Hügelkuppe mit Wall und Graben befestigt. Auf dem Wall wurde zur erhöhten Sicherheit auch noch eine Palisade errichtet. Damit wird die Siedlung zu einer sog. befestigten Rückzugssiedlung, Fliehburg genannt, einer romanischen Bevölkerungsgruppe, die möglicherweise während der unsicheren Zeit der Völkerwanderung und Zeit der Merowinger bis zur Gründung der Maximilianzelle um 700 n. Chr. in Pongo-Bischofshofen bestanden hat. Wie in den Perioden davor gibt es keine erhaltene Fundschicht, jedoch zahlreiche Funde, die die Besiedelung über einen längeren Zeitraum belegen. Es lassen sich eine frühkaiserzeitliche Phase, etwa in den ersten Jahrzehnten des ersten Jahrhunderts n. Chr., und eine spätantike Besiedlungsphase unterscheiden. Für diese Besiedelung kann nur ein grober zeitlicher Rahmen angenommen werden, nämlich zwischen dem 3. und 6., ev. auch dem 7. Jh. n. Chr. Aus spätantiker Zeit stammen vor allem Fragmente keramischer und gläserner Erzeugnisse, sowie Geräte.

Hochmittelalter und Spätmittelalter

Auf dem Götschenberg wurde in dieser Periode eine hochmittelalterliche Burganlage errichtet. Die archäologischen Grabungsergebnisse belegen eine bereits im 11. Jahrhundert in Holzbauweise errichtete Turmburg auf der Hochfläche des Hügels. Um das Plateau herum bestand eine gemörtelte Wehrmauer und abschnittweise eine mächtige dreifache Wall- und Grabenanlage. Von hier konnte die Passstraße zwischen Salzach und Saalach übersehen werden. Der Weg führte knapp oberhalb der Befestigungsanlagen am Gegenhang an der Burg vorbei. Die Anlage wurde nach einer Zerstörung durch Brand im 14. Jh. verlassen. Die ehemalige Burg oberhalb des Wasserfalles des Gainfeldbach - heute Burgruine Bachsfall – ersetzte vermutlich die frühere Befestigung auf dem Götschenberg.

Neuzeit

Abgesehen von einer kurzfristigen Instandsetzung der Wallbefestigung am Nordhang, die vermutlich eine Notmaßnahme in der Zeit der Bauernkriege war, wurde und wird der Götschenberg nur mehr landwirtschaftlich genutzt und war nicht mehr besiedelt.

Museen

Quellen

  • Bischofshofen, 5000 Jahre Geschichte und Kultur, HG Sparkasse Bischofshofen, 1984
  • Wilhelm Günther - Clemens Eibner - Andreas Lippert - Werner H. Paar, 5000 Jahre Kupferbergbau Mühlbach am Hochkönig – Bischofshofen, HG Gemeinde Mühlbach am Hochkönig, Marktgemeinde Bischofshofen, Bergbau- und Heimatmuseumsverein Mühlbach am Hochkönig
  • Andreas Lippert, Der Götschenberg bei Bischofshofen, Eine ur- und frühgeschichtliche Höhensiedlung im Salzachpongau, Mitteilungen der Prähistorischen Kommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Band 27, HG Herwig Friesinger