Hüttenberger Erzberg

Aus Salzburgwiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Landschaft um den Hüttnberger Erzberg
Fundstelle SemlachEisner

Der Hüttenberger Erzberg im Bezirk St. Veit an der Glan in Kärnten ist Herkunftsort für das an der Zeitenwende so berühmte norische Eisen, das „Ferrum Noricum“.

Allgemeines

Der Hüttenberger Erzberg als Zentrum des Hüttenberger Reviers baut sich zwischen drei grabenartigen Tälern auf. Es sind dies das Görtschitztal im Westen, das Tal des Mosinzbaches im Norden und das Tal des Löllingerbaches im Süden. Der Erzberg reicht bis zu einer Höhe von 1300 m ü. A. und besteht hauptsächlich aus Glimmerschiefer. In diesem sind die eisenhältigen Kalklager in Form mächtiger Linsen eingebettet. In höheren Lagen dominiert der Brauneisenstein, in tieferen der Spateisenstein.

Geschichte

Nicht der Steirische Erzberg, sondern der Erzberg in Hüttenberg in Kärnten lieferte das seinerzeit berühmte norische Eisen. Man weiß heute aus archäologischen Forschungen, dass die Römer nie am steirischen Erzberg Bergbau betrieben haben, wohl aber am Hüttenberger Erzberg. Das Forschungsteam mit der Gruppe um die Archäologin Brigitte Cech, das auch im Salzburger Goldbergbaurevier im Bockharttal im Gasteiner Tal durch seine Untersuchungen wesentliche Erkenntnisse über die Bergbaugeschichte erbracht hat, konnte auch im Hüttenberger Revier vorher bestehende Annahmen erstmals bestätigen und belegen. Das Bergbaurevier um Hüttenberg in Kärnten haben nicht die Römer erschlossen, sondern die Kelten, die mit ihrer hoch entwickelten Technik der Eisengewinnung und vor allem der Eisenverarbeitung den Ruf des bereits damals stahlartigen „Ferrum Noricum“ begründet und schon vor der Besetzung Norikums durch Rom mit den Römern regen Handel betrieben haben. Unter römischer Herrschaft fand schließlich bis ins 5. Jahrhundert im Hüttenberger Revier Eisenverhüttung statt.

Ferrum Noricum

Die Funktionstauglichkeit der Werkstücke aus norischem Eisen war ohne jeden Zweifel vom technologischen Können der Schmiede abhängig. Ihnen standen Sekundärrohstoffe (Altmetall) und die in den Schachtöfen erschmolzenen Eisenluppen (Primärrohstoffe) als Rohmaterial zur Verfügung. Die Qualität der Eisenluppen hängt vom Rohstoff aus den örtlichen Lagerstätten ab. Den Kelten in den inneralpinen Gebieten, d. h. auch in Hüttenberg, standen nur phosphorarme Erze zur Verfügung. Die erschmolzenen Eisenluppen waren daher unlegiert. Um die erforderlichen Eigenschaften der Werkstücke zu erreichen, mussten die inneralpinen Kelten eine mehrstufige Schmiedetechnik anwenden. Diese mehrstufige Schmiedetechnologie, die durch das phophorarme Eisenerz erforderlich war, beherrschten die keltischen Schmiede perfekt. Der durch die Art des Rohstoffes bedingte Qualitätsmangel der Rohprodukte wurde durch die örtlich besonders perfektionierte Schmiedetechnik ausgeglichen. Das "Ferrum Noricum" verdient daher auch nach modernen Analysen seinen qualitativ herausragenden Ruf.

Archäologische Fundstellen

Wichtige archäologische Fundstellen liegen zwischen Möselgut und Kitschdorf im Görtschitztal und in der Katastralgemeinde Lölling, im Ortsteil Semlach/Eisner, am Südwestabhang des Hüttenberger Erzberges. Es ist nach den heutigen Erkenntnissen wahrscheinlich, dass Noreia, das nach dem römischen Historiker Strabon nahe dem Zentrum des norischen Eisenabbaues lag, früher in der Steiermark vermutet und bis heute nicht gefunden wurde, im Görtschitztal zu suchen ist, wo noch an die hundert antike Öfen vermutet werden.

Salzburgbezug

Das Gebiet um Hüttenberg kam im 9. Jahrhundert oder im 10. Jahrhundert zusammen mit Althofen am Krappfeld (und etwas später auch Friesach) an das Erzbistum Salzburg. ("Am 19. Juni 831 faßte Salzburg in der Gegend von St. Johann am Brückl festen Fuß, eine weitere königliche Schenkung an das Erzbistum erfolgte am 20. November 860, die das Gebiet von der Drau bis nach Friesach umfasste. 953 erscheinen Berg und Burg Althofen urkundlich bezeugt.")

Salzburg übte auch das Besitzrecht über alle Bodenschätze, das Bergregal, aus. Anlässlich der Auffindung von goldhältigen Erzen in der Grube „Im Winkel“ im Jahr 1548, wurde dieses Salzburger Recht insofern in Frage gestellt, als „die Verleihung von Berglehen auf Gold und Silber nur dem kaiserlichen Bergrichter zustand, dem Salzburger Richter aber nur die Verleihung von Eisen, Kupfer- oder Salzlehen.“ Es kam zum Streit zwischen dem Erzstift Salzburg und dem Landesfürsten, nachdem sich der Erzbischof wegen Eingriffes in seine Rechte beschwerte. „Es erscheine ihm unerhört, daß an einem ort und gebirg zweierlei perkhgericht sey und dem einen das eine und dem andern das andere metall in ainer gruben und in einem ärzt zu handeln zuestehen soll… dadurch entstünde unaufhörlich haderey.“ Dieser Streit konnte zwar beigelegt werden, aber eine endgültige Befriedung kam nicht zustande.

Die Marktgemeinde Hüttenberg im Bezirk St. Veit an der Glan in Kärnten verdankt ihre Gründung und Entwicklung dem Hüttenberger Erzberg. Hüttenberg verblieb bis zum Jahr 1805 in Salzburger Besitz.

Quellen

  • Wießner, Hermann: „Geschichte des Kärntner Bergbaues“, III. Teil, Kärntner Eisen, Archiv für Vaterländische Geschichte, 41. und 42. Band, Klagenfurt 1953
  • Ucik, Friedrich Hans; Niedermayr, Gerhard; „Hüttenberg in Kärnten“, Doris Bode Verlag GmbH., Haltern, Deutschland 1991
  • res montanarum, Zeitschrift des Montanhistorischen Vereins Österreich, „Hüttenberg in Kärnten“, Kultur, Archäologie, Bergbau, Metallurgie, ISSN 1727-1797, August 2007