Bockharttal

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In der Bildmitte das Skigebiet Sportgastein, links im Hintergrund das Siglitztal, rechts das Bockharttal mit Bockhartscharte und Großer Silberpfennig
Bockharttal, Bergbauspuren und Oberer Bockhartsee
Schalenstein im Bockharttal

Das Bockharttal ist ein alpines Hochtal im Pongau mit spannender Geschichte!

Name

Eine alte Bezeichnung, die vom 15. bis Ende des 18. Jahrhunderts für das Tal verwendet wurde, war "Hoher Bockhart". Es nahm auf das auf das Baukarl Bezug genommen. Die Namensformen "Pochkar" und "Pochhart" sind Erfindungen des 19. Jahrhunderts. Sie finden Verwendung in den Lageplänen der Stollen und Halden betreffend das Bockharttal.[1]

Einführung

Das Bockharttal erstreckt sich als Hochtal zwischen dem so genannten Naßfeldtal im Osten, wo es steil zu diesem abfällt und der Bockhartscharte im Westen auf 2 226 m ü. A.. Zwischen dem unteren und oberen See liegt eine auffällige Geländestufe, die dem Areal um den oberen See eine besondere Lage und ein besonderes Flair verleiht. Das Tal ist wegen seiner Goldbergbaugeschichte und wegen seiner Seen und Wanderrouten bekannt. Der untere See (Unterer Bockhartsee), auf 1 872 m ü. A. gelegen, ist ein heute künstlich angelegter Stausee, der zur Energiegewinnung genutzt wird. Der obere See (Oberer Bockhartsee) auf 2 076 m ü. A., ein natürlicher Bergsee, ist wegen seiner schönen Lage und wegen der dort verlaufenden Wanderrouten ein gesuchter Ort.

Bodenschätze

Die das Tal umschließenden Berghänge bis hinauf zur Bockhartscharte im Westen, dem Seekopf im Süden und dem Großen Silberpfennig im Norden bergen Erze mit Freigold, Arsen und Blei und das Tal befindet sich inmitten des Gasteiner und Rauriser Goldbergbaugebietes. Die Spuren des historischen Bergbaus sind auch für den Laien noch heute überall im Gelände sichtbar: Halden, verfallene Lawinengänge, die einst zu Stolleneingängen führten, Ruinen von Knappenhäusern und Bergschmieden. Archäologische Grabungen brachten weitere Mauerreste, Schlacken, bergmännisches Werkzeug, Mahlsteine u.v.m. an das Tageslicht.

Zur näheren Erforschung des historischen Bergbaues wurde vor einiger Zeit ein interdisziplinäres wissenschaftliches Projekt ins Leben gerufen. Mittels diesem sollte bereits Bekanntes mit noch Unbekanntem ergänzt und erhellt werden.

Besondere Entdeckungen

Jungsteinzeitliche Alm

Der Einsatz der Archäologen und Naturwissenschafter brachte eine echte Sensation! Anhand von Pollenanalysen ließ sich nachweisen, dass es am oberen See - und zwar ausschließlich dort – bereits im 4. Jahrtausend v. Chr. eine menschliche Ansiedlung gegeben haben muss! Friedrich Kral, Naturwissenschafter und Pollenspezialist, spricht von einer Alm, die bereits in der Jungsteinzeit genutzt wurde.

Es ist auch die Zeit des „Ötzi“, dessen Fund mittlerweile indirekt bewiesen hat, dass inneralpine Lagen schon damals begangen worden sind. Nach der spektakulären Auffindung des Gletschermannes hat man im Rahmen zahlreicher weiterer Begehungen und Bodenuntersuchungen auf Pässen in inneralpinen Hochlagen Beweise für intensiven jungsteinzeitlichen Personenverkehr über die Alpen gefunden.

Bronzezeitliche Rodung

In den nächsten 1 500 Jahren war das Bockharttal wieder dicht bewaldet bis erneut eine Rodungsphase am oberen See, dieses Mal eine etwas kleinere Fläche betreffend, festzustellen ist. Sie fällt in die Bronzezeit 1600 v. Chr. bis 1200 v. Chr.. Ob die Menschen dieser Zeit in der erzreichen Umgebung auch Bergbau betrieben haben, ist ungewiss, kann aber trotz des dort geringfügigen Kupfervorkommens auch nicht ausgeschlossen werden. War es aber nicht die Erzgewinnung so muss es die Beweidung gewesen sein, die die damaligen Menschen in dieses Hochtal geführt hat, vermutet der kluge Menschenverstand und auch die Wissenschafter denken nicht sehr viel anders. Wenn aber das Weideland der Grund war, warum die Rodung genau in diesem hochgelegenen Tal, warum nicht auf besseren und leichter zugänglichen Flächen? War es vielleicht die durch die oben erwähnte Geländestufe zwischen den beiden Seen einerseits und durch die Bockhartscharte andererseits gut geschützte Lage, die die Menschen dort hinauf gelockt hat? Oder könnte es außer dem Erz, den Viehweiden und der geschützten Lage noch andere Gründe gegeben haben, die die Menschen der Bronzezeit veranlasst haben, in dieser alpinen Lage zu roden und ihr Lager aufzuschlagen?

Römerzeitliche Fahrstraße

Erneut hat der Pollenfachmann Friedrich Kral das Wort und berichtet von weiteren Rodungen im gesamten Bockharttal und im Naßfeldtal und zwar in der Zeit von rund 150 v. Chr. bis etwa 400 n. Chr.. Die damit erreichte Weidefläche hat Futter für große Rinderherden oder auch eine große Anzahl von Pferden geboten. Wer konnte aber diesen großen Bedarf gehabt haben und warum? Damals waren das Naßfeldtal und erst recht das Bockharttal vom Gasteinertal aus schwer zugänglich. Das verstärkt die Zweifel an der „Weideflächentheorie“. Vielleicht ging es ja gar nicht um Viehweiden sondern eher um die Holzgewinnung? Wofür braucht man aber Unmengen an Holz wenn nicht für die Erzaufbereitung?

Goldabbau durch Kelten, Römer, Taurisker oder Noriker??

Die Archäologen erhellen das Bild etwas. Sie fanden einerseits keltische Münzen und römerzeitliche Münzen im Nahbereich des Bockharttales und andererseits die Reste einer Straße, wohlgemerkt nicht Reste eines mittelalterlichen Saumpfades! Die Anlage entspricht in allen ihren Merkmalen einer alpinen römischen Fahrstraße, wie sie auch am Korntauern auszumachen ist. Die Straße geht von Mallnitz in Kärnten über den Mallnitzer Tauern hinunter ins Naßfeld und von dort hinauf in das Bockharttal. Dort endet die Fahrstraße und zwar mitten im historischen Bergbaugebiet. Eine solche Fahrstraße in ein alpines Hochtal wie das Bockharttal zu trassieren und zu bauen nur um sie dort enden zu lassen, ist in dieser Zeitphase durch nichts anderes als durch den Bergbau zu erklären. Funde vom Magdalensberg in Kärnten, wie Goldschmelzöfen oder Bergkristalle, die aufgrund ihrer Begleitminerale auf das Sonnblick- und Ankogelgebiet verweisen, belegen die Verbindung zu den Revieren der inneralpinen Goldvorkommen in römischer Zeit.

Beweise für einen römerzeitlichen Goldbergbau gibt es dennoch nicht. Abbaumethoden und Bergmannsgezähe – das Werkzeug des Bergmanns - unterschieden sich über lange Zeit hinweg kaum. Außerdem hat der historische Bergbau des 14. Jahrhundert bis 16. Jahrhundert eventuell vorhandene Spuren aus früherer Zeit überdeckt.

Was auch immer weitere Funde und Befunde der Wissenschaftler hervorbringen werden, die Geschichte der Kleinregion Bockharttal bleibt ein offenes und spannendes Kapitel.

Quellen

Fußnoten