Karlszepter

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Karlszepter (Pedicularis sceptrum-carolinum. Foto: Th. Meyer
Der letzte Standort des in Salzburg ausgestorbenen Karlszepters wird heute als Weide genutzt

Das Karls(s)zepter, auch Karlszepter-Läusekraut oder Moorkönig genannt (Pedicularis sceptrum-carolinum L.), ist eine im Bundesland Salzburg in den 1950er Jahren ausgestorbene Pflanzenart aus der Gattung der Läusekräuter (Pedicularis) innerhalb der Familie der Sommerwurzgewächse (Orobanchaceae).

Beschreibung

Das Karlszepter ist eine mehrjährige, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von bis zu 150 cm erreichen kann. Die in einer Rosette angeordneten Grundblätter werden bis zu 30 cm lang. Der wenigblättrige Stängel ist oft rötlich überlaufen. Die Laubblätter sind fiederspaltig.

Die in einer Traube angeordneten Blüten besitzen eine ca. drei Zentimenter lange schwefelgelbe Krone mit geschlossenem Schlund und einer blutroten Unterlippenspitze. Die Blütezeit fällt in die Monate Juni bis August.

Wie alle Läusekräuter ist das Karlszepter ein Halbparasit, wobei es nicht wirtsspezifisch ist. Als Wirtspflanzen wurden u.a. diverse Seggen-Arten (Carex sp.), Echt-Mädesüß (Filipendula ulmaria), Heil-Ziest (Betonica officinalis) und Blut-Weiderich (Lythrum salicaria) festgestellt.

Standorte

Das Karlszepter kommt auf staunassen bis wechselfeuchten Moorwiesen und Flachmooren vor.

Verbreitung im Bundesland Salzburg

Die Verbreitung beschränkte sich auf die Wiesen an der Glan im Vorfeld des Untersberges.

Das letzte Vorkommen befand sich im Bereich des Nordostfußes des Kleingmainberges (nördlich von Fürstenbrunn), nahe der heutigen Tauernautobahn.

Gefährdung und Schutz

Das Karlszepter ist im Bundesland Salzburg ausgestorben und österreichweit vom Aussterben bedroht. Die Art kommt nur noch im Paltental in der Obersteiermark vor.

Das Karlszepter verschwand in Salzburg quasi „vor den Augen der Botaniker“, die Chronologie der Ereignisse ist im Detail erfasst:

  • Um 1800 kam die Pflanze auf sumpfigen Wiesen an der Glan, zwischen der Stadt Salzburg und Glanegg, noch „in Menge“ vor. Das Sammeln war damals sehr beliebt, da die Pflanze gesucht war. Zahlreiche lebende Exemplare wurden beispielsweise an Kaiserin Joséphine (die Gemahlin Napoleon Bonapartes) nach Paris oder an Botaniker in Wien gesandt. Es wurden bereits erste Bedenken geäußert, ob diese Sammelwut nicht bald zur Ausrottung der Pflanze führen könnte.
  • Durch übermäßiges Sammeln war die Population bis 1930 fast erloschen. Die Art wurde quasi „wegbotanisiert“.
  • Um den geringen Restbestand zu erhalten, wurden in den 1930er Jahren umfangreiche Schutzmaßnahmen beschlossen. Sowohl die Regulierung der Glan als auch der Bau der Tauernautobahn sollten die letzten Standorte nicht gefährden. Die Flächen mit Karlszepter-Vorkommen wurden von der Salzburger Landesregierung angepachtet; eine Mahd war frühestens ab Oktober gestattet.
  • 1935 waren noch ca. 30 Pflanzen auf einem Haupt- und zwei Nebenstandorten vorhanden.
  • Durch mangelnde Beaufsichtigung während des Baues der Tauernautobahn und durch einen nicht kommissionierten Wegebau wurden die Nebenstandorte vernichtet. Die Restpopulation umfasste 1944 lediglich 15 Pflanzen.
  • 1946 und 1947 führte der Grundeigentümer auf dem letzten Standort eine nicht genehmigte Mahd bereits im August durch. Nur eine Pflanze überlebte.
  • Das letzte Salzburger Exemplar blühte bis 1953, zeigte aber keine Selbstvermehrung. Es wurde dann von Oberlehrer Franz Fischer ausgegraben und unter Glas verwahrt.
  • Zur damaligen Zeit wiederholt durchgeführte Auspflanzungsversuche zur Bestandsstützung blieben erfolglos.

Wissenswertes

Der Name Karlszepter geht nicht auf Kaiser Karl den Großen zurück, obwohl die räumliche Nähe des Salzburger Vorkommens zum sagenumwobenen Untersberg (Karlssage) einen Zusammenhang vermuten ließe. Das Karlszepter wurde nach dem Schwedenkönig Karl XII. (1682 - 1718) benannt. Daher ist der in der Literatur auftauchende Name Kaiser-Karlszepter falsch.

Literatur und Quellen

  • Anonym: Botanische Notizen. In: Botanische Zeitung. 1. Jahrgang, Nr. 20, 1802. Seite 311-320.
  • Franz Anton Alexander von Braune: Das große und berühmte Untersberg-Torfmoor-Gefild. Salzburg, Mayr’sche Buchhandlung, 1843. 300 Seiten.
  • Franz Fischer: Vierter Beitrag zur Flora des Landes Salzburg. In: Mitteilungen der Naturwissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft am Haus der Natur in Salzburg/Botanische Arbeitsgruppe, 1955. Seite 41-46,
  • Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler & Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. Linz, Land Oberösterreich, OÖ Landesmuseen, 2008. 1392 Seiten.
  • Anton König: Ein Leben – dem Mysterium der Pflanze gewidmet. Eine Würdigung des großen heimischen Botanikers Direktor Franz Fischer, Elsbethen. In: Salzburger Volkszeitung, 6. 11. 1954. Seite 4.
  • Harald Niklfeld & Luise Schratt-Ehrendorfer: Rote Liste gefährdeter Farn- und Blütenpflanzen Österreichs. In: Rote Listen gefährdeter Pflanzen Österreichs, 2. Auflage, (ed. Niklfeld, H.). 10. Grüne Reihe des Bundesministeriums für Umwelt, Jugend und Familie, Graz, 1999. Seite 33-151.
  • Jaro Podhorsky: Der letzte Moorkönig des Untersberger Moores. In: Die Glan bei Salzburg (ed. Sinnhuber, K.). Amt der Landesregierung Salzburg, 1949. Seite 30-31.
  • Salzburger Landesarchiv (SLA), PRÄ 1938/42-0277-2013 (Akten über die Unterschutzstellung der letzten Standorte)
  • Werner Rothmaler: Exkursionsflora von Deutschland. 10. Auflage. Band 4. Gefäßpflanzen. Heidelberg, Spektrum Akademischer Verlag, 2005. 980 Seiten.
  • Hans Christian Weber: Über Wirtspflanzen und Parasitismus einiger mitteleuropäischer Rhinantoideae (Scrophulariaceae). In: Plant Syst. Evol. 125, 1976. Seite 97-107.
  • Helmut Wittmann, Peter Pilsl & Günther Nowotny: Rote Liste gefährdeter Farn- und Blütenpflanzen des Bundeslandes Salzburg. 5. Aufl. In: Naturschutzbeiträge (ed.: Amt d. Salzb. Landesreg., Naturschutzreferat) 8/1996. Seite 1-83.

Quelle