Russenfriedhof (Kaprun)

Aus Salzburgwiki
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Gedenkstätte Russenfriedhof Kaprun

Auf dem Russenfriedhof Kaprun sind die während des Zweiten Weltkrieges in Kaprun umgekommenen Menschen sowjetischer Abstammung begraben. An sie wird dort mit einer Gedenksäule gedacht.

Die sowjetischen Kriegsopfer im Bundesland Salzburg

Bei den im Bundesland Salzburg verstorbenen Sowjetischen Toten des Zweiten Weltkrieges handelt es sind nicht um Opfer von Kampfhandlungen. Ihr Sterben ist ausschließlich auf gezielte Fehl- und Mangelernährung, unzureichende Bekleidung, Unterbringung und medizinische Versorgung, auf Unfälle infolge schlechter Verfassung und fehlender Sicherheitseinrichtungen, sowie auf Misshandlungen und Tötungsdelikte zurück zu führen. Dasselbe gilt für die Opfer in Kaprun, jedoch mit einer Ausnahme: es ist außer der Erschießung flüchtiger Sowjetoffiziere und der Hinrichtung eines polnischen Arbeiters kein gezieltes Tötungsdelikt bekannt.

Die Tauernkraftwerke Kaprun, größte Baustelle des Landes

Die größte Baustelle des Landes, die Tauernkraftwerke Kaprun, beschäftigten während des Zweiten Weltkrieges Tausende ausländische Zivilarbeiter und Kriegsgefangene, die hier Zwangsarbeit zu verrichten hatten. Wie überall im nationalsozialistischen Herrschaftsbereich, wurden auch hier die Menschen sowjetischer Abstammung besonders diskriminiert. Dazu kamen noch die verschärften Bedingungen einer Hochgebirgsbaustelle, die durch Witterung und Geologie (Schlechtwettereinbrüche, Lawinen, Muren, Felsstürze) gegeben waren. Unzulängliche Unterkunft und Bekleidung, fehlende Sicherheitseinrichtungen bei an sich gefährlichen Tätigkeiten wie Sprengarbeiten, gezielte Mangelernährung, lange Arbeitszeiten, unzureichende Arbeitsausrüstung (wie Schuhwerk mit steifen Holzsohlen) und teils unmenschliche Behandlung taten das Übrige. Unter diesen Bedingungen starben in Kaprun nach heutigem Wissenstand mindestens 136 ausländische Erwachsene, darunter auch einige Frauen. (Darüber hinaus verstarben neun Kinder ausländischer Zwangsarbeiter aufgrund unzulänglicher Verhältnisse). 90 Opfer - also die große Mehrheit - waren mittlerweile auch namentlich bekannte Erwachsene sowjetischer Abkunft.

Wieviele der sowjetischen Kriegsgefangenen, die durch ihren Einsatz in Kaprun erkrankten oder durch Arbeitsunfälle arbeitsunfähig wurden, daher zurück in das Kriegsgefangenenlager "Markt Pongau" gebracht wurden und nachfolgend dort verstarben, ist nicht bekannt.

Die Gedenkstätte Russenfriedhof in Kaprun

Die sowjetischen Toten wurden während des Krieges ohne weiteres Zeremoniell an der Salzach verscharrt. Erst in den Nachkriegsjahren wurden sie auf Betreiben der Alliierten exhumiert und am heutigen Russenfriedhof nahe der Burg Kaprun in einem Massengrab bestattet. Hier erinnert eine Gedenksäule an ihr Leid und ihren Tod. Die Inschrift auf der Gedenktafel lautet: „Hier ruhen 87 Sowjetbürger von deutsch faschistischen Eroberern ins Elend getrieben und fern von der Heimat ums Leben gekommen“. Die genannte Anzahl der Opfer entsprach dem damaligen Kenntnisstand der Alliierten. Sie hat sich durch Forschungsarbeiten über die NS-Zwangsarbeit in der Elektrizitätswirtschaft der „Ostmark“ und die Publikation der Liste Sowjetische Tote des Zweiten Weltkrieges in der Zwischenzeit etwas erhöht.

Quellen

  • Diverse Salzburgwikiartikel
  • Margit Reiter, in NS-Zwangsarbeit in der Elektrizitätswirtschaft der „Ostmark“, 1938 – 1945, HG Rathkolb, Oliver und Freund, Florian, Verlag Böhlau, Wien 2002
  • Peter Sixl (Hg.), Sowjetische Tote des Zweiten Weltkrieges in Österreich, Namens- und Grablagenverzeichnis. Ein Gedenkbuch. Veröffentlichungen des Ludwig Boltzmann-Institutes für Kriegsfolgen-Forschung, Graz – Wien – Klagenfurt. Herausgegeben von Stefan Karner, Sonderband 11, und Botschaft der Russischen Föderation in der Republik Österreich, Wien, 2011. Ein Projekt der Österreich-Russischen Historikerkommission.
  • Christina Nöbauer, NS-Zwangsarbeit in Kaprun, 1940 bis 1945 leisteten Tausende Zivilarbeiter und Kriegsgefangene Zwangsarbeit in: Kaprun im Wandel der Zeit, Chronik der Gemeinde Kaprun, HG Gemeinde Kaprun, Kaprun 2013, S. 230 - 235