Salzburger Biobauernverein

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Der Salzburger Biobauernverein war der Vorläufer des heutigen Landesverbands Bio Austria.

Der Salzburger Biobauernverein

Sie gaben den Anstoß zur Gründung des ersten Biobauernvereins: Elfriede und Otto Forsthuber, Hans Frauenlob, Michael Haitzmann und Leopold Prenninger. Vor 40 Jahren, 1980, schlossen sich die Biobauern zusammen - und ernteten lange Zeit Widerstand. Im Streit um Richtlinien fordern sie heute "Augenmaß".

"Wir galten als eine Sekte", erinnert sich Leopold Prenninger. "Die Leute sagten: ,In zwei Jahren müsst ihr wieder Kunstdünger und Spritzmittel verwenden." Prenninger war unter den ersten Bauern, die sich in den 1970er-Jahren für den Biolandbau starkmachten. Damals wurde noch großflächig Chemie in der Landwirtschaft eingesetzt: Kunstdünger, Herbizide gegen Unkraut, Fungizide gegen Pilze. Die Biopioniere aber wollten weg vom Gift. "Wir wollten wieder freier wirtschaften, unabhängig vom Handel", sagt Prenninger. "Wir wollten nicht abhängig sein von den Lagerhäusern."

Prenninger, der ab 1966 fast drei Jahrzehnte lang den Erentrudishof der Benediktinerinnenabtei Nonnberg verwaltete, war vor 40 Jahren im Proponentenkomitee zur Gründung des ersten Salzburger Biobauernvereins, aus dem der heutige Landesverband Bio Austria hervorging. Ideen für eine naturnahe Bewirtschaftung waren schon seit den 1960er-Jahren kursiert. Interessierte Salzburger Bauern fuhren eigens in die Schweiz zum Politiker und Agrarwissenschafter Hans Müller, der die Grundlagen des organisch-biologischen Landbaus entwickelt hatte.

Anfangs stießen die Biovorreiter in Salzburg jedoch auf Widerstand und Skepsis. Michael Haitzmann erinnert sich, als Ende der 1960er-Jahre einmal ein Professor der Universität für Bodenkultur am Hof des Vaters in Saalfelden am Steinernen Meer zu Besuch war, der damals schon biologisch bewirtschaftet wurde. "Der Professor sagte: ,Wenn Sie so weitermachen, werden Sie mit Ihrer Familie noch verhungern.'" Haitzmann war damals im Volksschulalter - den Satz hat er sich gemerkt: "Ich habe das ernst genommen. Ich machte mir damals Sorgen. Meinen Vater hat das natürlich nicht aufgeregt. Er war von der Sache überzeugt und sah ja auch die Erfolge."

Unter den Mitstreitern der ersten Stunde war auch Hans Frauenlob aus Seekirchen am Wallersee. Ende der 1970er-Jahre absolvierte er die Ausbildung zum Landwirtschaftsmeister - und begehrte dagegen auf, was ihm ein Referent im Kurs eintrichtern wollte. Seine positiven Erfahrungen etwa mit Urgesteinsmehl habe der Lehrer stets als "Blödsinn" abgetan. Den Schülern sei stattdessen der Grundsatz vermittelt worden: "Die Dosis macht das Gift."

Die ersten Biobauern ließen sich dennoch nicht vom Kurs abbringen. "Ein Fingerhut voll Eigeninitiative ist mehr wert als ein Güllefass voll Agrarpolitik" - so fasst Prenninger, der erste Vereinsobmann, die Aufbruchstimmung zusammen. Zuschläge für Bioprodukte gab es damals noch nicht. Die Bauern arbeiteten "aus eigenem Antrieb heraus", wie Haitzmann betont. Später wurden Biomärkte eröffnet und ein Kontrollsystem aufgebaut. Heute gibt es im Bundesland Salzburg mehr als 3 600 Biobetriebe, 1 660 davon sind Bio-Austria-Mitglieder. Salzburg ist EU-weit die einzige Region, in der mehr als die Hälfte der Flächen ökologisch bewirtschaftet wird.

Dass der Biolandbau in Salzburg eine Erfolgsgeschichte ist, darüber besteht unter den Gründern des ersten Biovereins Einigkeit. Von einer heilen Welt könne dennoch keine Rede sein. Die Erzeugerpreise seien nicht zufriedenstellend, sagt Otto Forsthuber aus Seekirchen: Er und seine Frau Maria bekämen heute für einen Liter Biomilch ungefähr so viel Geld, wie sie vor 30 Jahren für einen Liter normale Milch bekommen hätten - damals rund sieben Schilling. "In meinem Beruf als Metallarbeiter habe ich seitdem 30 Lohnerhöhungen bekommen." Die Ausgleichszahlungen, die Landwirte von der EU bekämen, seien nicht die Lösung, sagt Forsthuber. Faire Lebensmittelpreise und Unabhängigkeit von öffentlichen Geldern - dieses Ziel habe man noch immer nicht erreicht. Man hänge noch immer "am Gängelband der Agrarpolitik".

Zu tun gebe es jedenfalls noch genug, sagt Hans Frauenlob, der darauf verweist, dass etwa in der Küche der Landeskliniken der Bioanteil bei gerade einmal elf Prozent liege. "Da ist noch viel Überzeugungsarbeit nötig."

Auch die jüngste Kritik der EU an den als zu lax empfundenen Vorschriften für Biobauern bei der Weidehaltung beschäftigt die Altbauern. Man müsse bei der Prüfung der Biobetriebe schon mit "Hausverstand" und "Augenmaß" vorgehen, sagt Forsthuber. Auch Prenninger fordert praktikable Vorgaben für die Landwirte: "Dass die Tiere hinaus auf die Weide können, das gehört aber einfach dazu."

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