Stiftungsurkunde für das Armenbadspital in Bad Gastein

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Übertragung der Stiftungsurkunde für das Armenbadspital in Bad Gastein Badehospiz Bad Gastein in heutiges Deutsch.

Einleitung

Runde Klammern erklären Sinnzusammenhänge, eckige Klammern geben heutige Wort-Äquivalente wieder. Manche Textpassagen erforderten gezwungenermaßen eine relativ freie Neuformulierung, um den ursprünglichen Sinn mit heutigem Sprachgebrauch verständlich zu machen. Eine buchstabengetreue Transkription in heutige Druckschrift findet sich in dem Band „500 Jahre Badehospiz Badgastein“, 1989, durch Prof. Dr. Fritz Gruber.

Hier ist zum leichteren Verständnis jedem Absatz eine kurze Inhaltsangabe vorangestellt.

Mit dem wiederkehrenden Wort Geschäftiger ist der Testamentsvollstrecker gemeint.

Text der Stiftungsurkunde von 1496

Vorstellung der Geschäftiger Hans Serlinger, Wilhelm Graf und Hans Strochner

Im Namen der Heiligen Dreifaltigkeit, amen. Ich, Hans Serlinger, derzeit Verwalter der Kustodei [des kirchlichen Vermögens, der Schätze] der Domkirche und Kammerschreiber [hoher Finanzbeamter] des Hofes] Zu Salzburg; ich, Wilhelm Graf zu Schernberg, Pfleger [hoher Verwaltungsbeamter, etwa annähernd vergleichbar: Bezirkshauptmann] zu Radstadt, Ritter; ich, Hans Strochner, Pfleger zu Klammstein, (wir) als Geschäftiger [hier: zunächst Testamentsvollstrecker, dann auch Geschäftsträger, Treuhänder, Kuratoren im weitesten Sinne] des verstorbenen Konrad Strochner, gewesenem Wechsler in der Gastein [Aushändiger von Münzen gegen eingehändigtes Berg-Gold und Berg-Silber] seliger Gedächtnis, (wir) bekennen [bezeugen] einstimmig und tun kund allen und jeden Menschen, derzeit lebenden und künftigen, zu ewigen Zeiten:

Hans Strochner, Bruder von Konrad Strochner, stimmt zu, dass die von Konrad gestifteten 2 600 Gulden für die Errichtung eines Badespitals in [[Gastein] Verwendung finden sollen.

Nachdem der oben genannte verstorbene Konrad Strochner zweitausend und sechshundert Gulden, (nach rheinischem Münzschlag), zu Errichtung eines Spitals bei dem Bad in der Gastein in seinem Letzten Willen angeordnet und bestimmt hat, habe ich oben genannter Hans Strochner als sein leiblicher Bruder zur Erbauung und Errichtung eines solchen Spitals eingewilligt. Und wenn wir nun die Vollbringung solch guten und löblichen Unterfangens in Betracht ziehen, (wie) auch die Sterblichkeit aller Menschen und die ungewisse Stunde des Todes, (wie auch die Tatsache) dass einem jeden Menschen nicht mehr noch Anderes als die gute Tat, so er hier (auf Erden) vollbracht hat oder von seinetwegen nach seinem Abgang [Ableben] vollbracht werden wird, nachfolgt, – so werden wir gebührenderweise (dazu) bewegt, solche Anordnung und löbliches Unterfangen mit frommen Gedanken zu überlegen und für uns wahrzunehmen.

Die Geschäftiger wollen seligmachende Werke der Barmherzigkeit an leidenden und bedürftigen Menschen erbringen. Die Bäder sollen diesen Menschen helfen. Die Geschäftiger selbst und ihre Verwandten und Nachkommen erwarten sich im Gegenzug den Lohn der ewigen Seligkeit.

(Wir beabsichtigen) Almosen und andere seligmachende Werke der Barmherzigkeit in rechter Gottesliebe an unseren Nächsten, (nämlich) den leidenden und bedürftigen Menschen, zu vollbringen; und denen, die sich selbst nicht (mehr) helfen können, Zuwendung zu erzeigen. (Wir fühlen uns auch dazu bewegt,) dem oben genannten Konrad Strochner, auch meinen, Hans Strochners, Vorfahren, unseren Erben und Nachkommen und allen gläubigen Seelen zu Hilfe und ewigem Troste; und dazu (noch) zum Lohn der ewigen Seligkeit, die zu empfangen wir zu Gott dem Allmächtigen unsere Hoffnung setzen, (Folgendes zu tun:) Wir als die Geschäftiger des oben genannten Konrad Strochner, haben mit sachlicher, guter Überlegung (unten Folgendes) beschlossen. (Wir taten das) zu Lob und Ehre der heiligen ungeteilten Dreifaltigkeit, der hoch erlobten Königin Jungfrau Maria, der Mutter Gottes, weiters des ganzen himmlischen Heeres; – und (wir taten das) zu Hilfe den armen und bedürftigen Christenmenschen, auch denen, die sich in die Gastein begeben wollen, daselbst, als Linderungsmittel an ihren Körpern, zu baden und das nicht zu tun vermögen;

Die Geschäftiger wollen ein völlig neues Spital neben der heutigen [[Pfarrkirche der Heiligen Primus und Felizian|Pfarrkirche] von Bad Gastein bauen. Die armen Leute des Spitals sollen mit freiem Brennholz versorgt werden. Die Erträge der zum Spital gehörenden Güter sollen ihnen zukommen, dazu noch die Spenden aus Sammlungen.

(deshalb) haben wir in Planung genommen, ihnen zu einem Aufenthalt ein völlig neues Spital zu bauen und zu stiften, (und zwar) bei dem mittleren Bad in der Gastein, welches jährlich acht Pfund Pfennig dient [als Abgabe zu zahlen hat] . Und (außerdem wollen wir) für die armen Leute desselben Spitals das von ihnen über das ganze Jahr benötigte Brennholz bereitstellen. Aus den oben genannten zweitausend sechshundert Gulden und den Gülten [etwa: regelmäßige Abgaben durch Pächter (im weitesten Sinne), die ein Grundstück bewirtschafteten; hier: ein Grundstück, das die Stifter ankauften] , die hernach näher bezeichnet werden, so viel deren für das Spital bereits gekauft sind und noch gekauft werden, dazu noch was an Sammlungsgeldern kommt, (aus dem allem sollen) die armen bedürftigen Menschen (versorgt werden), so viele man aufnehmen kann.

Die armen Spitalsinsassen sollen für Konrad und Hans Strochner täglich fünf Vaterunser und fünf 'Gegrüßt seist Du Maria' sowie einmal das Glaubensbekenntnis beten.

(Und die ins Spital Aufgenommenen sollen) täglich, so lange jemand lebt und in seinem körperlichen Zustand dazu fähig ist, dem oben genannten verstorbenen Konrad Strochner und mir, Hansen Strochner, unseren Vorfahren, Erben und nachkommenden Seelen zu Hilfe und Trost, in genauer Anzahl fünf Paternoster und (ebenso) viele Ave Maria und einen Glauben [Glaubensbekenntnis] sprechen, zusammen mit ihren anderen Gebeten; (und sie sollen) sich üben in dem Dienst des allmächtigen Gottes.

Die Geschäftiger wollen die Spitalsinsassen mit allem Nötigen versorgen, dies zum Lobe Gottes: Was ihr einem der Mindesten der Meinen tut, das habt ihr mir selbst getan.

Und damit die selbigen Menschen für Ihre Leibesnahrung und (allgemeine) Pflegbedürfnisse nach allen sich gebührenden Dingen genug haben können, dafür haben wir, oben genannte Geschäftiger, zu dem Spital (die entsprechenden Mittel) gegeben, dem allmächtigen Gott zu Lob, denn er selbst hat durch seinen göttlichen Mund gesagt, was ihr einem aus den Mindesten der Meinen tut, das habt ihr mir selbst getan. In demselben Namen haben wir den armen Bedürftigen gegeben und vermacht, geben und vermachen ihnen frei und lediglich, auch in der allerbesten (schriftlichen) Form und Maßgabe, wie das Kraft und Macht haben soll und kann, nach geistlichen und weltlichen Rechten, und so (wie) wir das immer tun können und vermögen:

Den Spitalsinsassen sollen die bereits gekauften und künftig noch zu kaufenden Gülten [Bedeutung siehe Text] zugutekommen, dies ohne Widerspruch der Geschäftiger oder ihrer Verwandten beziehungsweise ihrer Nachkommen oder Erben. Niemand soll gegen sie Ansprüche erheben.

das oben genannte Mitterbad, auch andere Gülten, die wir gekauft haben und (die) noch aus der oben genannten Summe Geldes gekauft werden sollen, mit allen ihren Zugehörungen, so dass sie nun und künftig solche (Besitz-) Stücke und Güter alle innehaben, brauchen, nutzen und genießen als ihre ihnen gehörende Gült, (und dies) ohne Widersprechen von unserer Seite, als den Geschäftigern [Testamentsvollstreckern] des verstorbenen Konrad, auch (von meiner Seite, nämlich von) des oben genannten Hansen Strochner, von unseren Erben und von irgendjemandem von unseretwegen. Damit haben wir ihnen auch übergeben alle Briefe [hier: rechtswirksame Schriften] und Urkunden, (sowohl) über die (bereits) erkauften Gülten lautend, (als auch) was noch an Gülten zu solchem Spital gekauft wird. Die (Urkunden und Briefe) sollen ihnen noch übergeben werden. Wir setzen auch das oben genannte Spital und die armen Bedürftigen in ihre Nutzrechte mit (rechtlicher) Gewährleistung und verzeichnen uns [beurkunden] als Geschäftiger '' des verstorbenen Konrad Strochner, auch (durch mich) Hansen Strochner, die Erben, die Verwandten und Nachkommen, (nämlich) solche (bereits) erkauften Gülten (siehe oben) und die noch zu dem Spital erkauft werden, ausnahmslos und gänzlich, also: Dass (von uns, den) oben genannten Geschäftigern des oben genannte verstorbenen Konrad, auch von mir, Hansen Strochner, (auch nicht) von jemand anderem von unseretwegen (keinerlei) Anspruch noch Forderung darnach (nämlich nach dieser Beurkundung) nie mehr geltend gemacht werden können, wie immer man sich das ausdenken möchte.

Da die bedürftigen Menschen die Güter nicht selbst verwalten können, so soll der Spitalsmeister des Stadtsalzburger Bürgerspitals sowie der Salzburger Bürgermeister und seine Räte die Oberste Leitung des Badespitals in Gastein haben. Die Stadtsalzburger „Regierer“ [Direktoren] sollen in Gastein einen örtlichen Verwalter einsetzen.

Alle Arglist (soll in dieser Sache) gänzlich ausgeschlossen sein. Und wenn nun dieselben armen bedürftigen Menschen ihre Güter nicht selbst versorgen, stiften [hier wohl: Abgaben einziehen] , noch in ihrer Obhut zu haben imstande sind, so ersuchen und bitten wir die umsichtigen, ehrsamen und weisen Bürgermeister und Räte sowie den Spitalmeister des Bürgerspitals der Stadt Salzburg, dass sie solchen Spitals und der Güter und der Gülten rechte Vorgeher [Leiter] , Oberer und Regierer [Entscheider] sein und Gewalt haben sollen, eine taugliche Person zu einem Verwalter und (örtlichen) Entscheider einzusetzen.

Der Gasteiner Verwalter des Badespitals soll nach Vorgaben der Stadtsalzburger Direktoren das Gasteiner Badespital ordentlich führen. Wenn von den Stadtsalzburgern jemand nach Gastein kommt, um die Abgaben von den ihnen „gehörigen“ Bauern zu übernehmen, dann soll der Gasteiner Verwalter das so organisieren, dass zum bestimmten Stichtag auch alle Abgabenpflichtigen versammelt sind.

(Er soll) darauf achten, dass er den armen Bedürftigen und dem Spital, auch ihrem Gut und anderen benötigten Sachen treulich auswarten [schauend, pflegend hüten] und sich dessen versehen. [dem zuwenden] (werde). (Weiters soll er) im Interesse des Spitals dessen Nutzen (fördern) und so handeln und zugreifen, wie ihm das von den oben genannten Leitern zu tun befohlen wird. Und wenn oben genannte Leiter durch den Spitalmeister des (Bürger-) Spitals zu Salzburg, oder wem (sonst) sie die Stift (Einhebung der Abgaben) desselben Spitals befehlen und (den Betreffenden) solche Stift zu erledigen in das Gebirg (Gastein) schicken werden, dann soll derselbe (Mann) dem Verwalter des erwähnten Spitals in der Gastein den Stifttag, auch das Ende (desselben), da er dann seine Stift [Abgaben, Geld oder Naturalien] haben wird, vorher verkünden, damit er selbst, Verweser, alle Gasteiner Holden und Hintersassen (beides im weitesten Sinne: Pächter, „Aufsitzer“) für eine gleiche (bestimmte) Zeit und an dieselben Enden [Treffpunkte] erfordern und er samt ihnen dortselbst hinzukommen wissen und dortselbst ihre Stift [Abgaben etc.} desselbigen Spitals, wie sich gebührt, entrichten.

Der von den Stadtsalzburgern entsandte Abgaben-Einheber muss auch jene Bauern ansprechen, die direkt dem Stadtsalzburger Bürgerspital (und nicht dem Gasteiner Badespital) hinsichtlich der Abgaben unterworfen sind. Sollte sich dieser Einheber deshalb länger in Gastein aufhalten, so muss das Badespital für dessen Aufenthalt die Kosten übernehmen.

Und wenn der Fall eintritt, dass oben genannter Spitalmeister von Salzburg oder sein Vertreter nach seiner Stift (-Einhebung) für das oben genannte (Bürger-)Spital zu Salzburg (das ebenfalls dienstpflichtige Bauern in Gastein hatte) (sich länger aufhalten muss), (dann soll er) oder wem solches durch die oben genannten Bürgermeister und Räte (der Stadt Salzburg) befohlen wird, in diesem Ort des erwähnten Spitals in der Gastein, auch (eventuell) wegen der Holden und Güter, die zum (Gasteiner) Spital gehören, länger verharren und (Nahrung) verzehren. Oder wenn er von dem selben Ort, oder auch von Salzburg aus, wenn dies in einem Jahr die Notwendigkeit erfordert, demselben Spital in der Gastein oder wegen der Holden (siehe oben) und der Güter nachreiten müsste, das soll jener, dem solches zu tun von demselben Bürgermeister und Räten befohlen wird, auf desselben Spitals in der Gastein Kosten und Zehrung tun.

Wenn neue Urkunden zu siegeln sind, so soll dies der Stadtsalzburger Spitalsmeister tun und dafür die ihm gebührende Gelder bekommen.

Was auch an Briefen [siehe oben] und Urkunden über die Holden und Güter des oben genannten Spitals in der Gastein zu regeln und zu unterfertigen sein wird, die sollen durch einen jeden Spitalmeister der Stadt Salzburg unter seinem Insiegel verfertigt werden. Daraufhin soll demselben Spitalmeister der Stadt Salzburg das Siegelgeld [eine Gebühr}, ebenso das Stift Viertel Wein [ca. 1 ½ Liter als Trunk anlässlich der Stift-Vorgänge, wohl auch bei Stift-Unterzeichnungen] und das Schreibgeld, so von den Holden und Gütern des Spitals in der Gastein anfallen wird, für seine Mühe zustehen und ihm gegeben werden, (alles) untrüglich.

Zu Weihnachten eines jeden Jahres sollen der Gasteiner Verwalter und einige ausgewählte Gasteiner nach Salzburg kommen und den dortigen Direktoren über alle ihre Einnahmen und Ausgaben Rechnung legen.

Es sollen auch der oben erwähnte Spitalmeister zu Salzburg, oder wem es aus der Reihe der Güter(-Inhaber) und Holden desselben Spitals in der Gastein befohlen wird, zusammen mit dem Verwalter des Spitals in der Gastein, jährlich zu Weihnachten in Salzburg den oben genannten Bürgermeister und Räten über alles Einnehmen und Ausgeben – auch wegen Gütern, Gülten [siehe oben] , Zinsen [Abgaben] , Nutzen, Renten [Grundrenten, ähnlich den Gülten] , Anleiten [Gebühren bei Übernahme von Gütern] , Neustiftungen und Gottberat [Geldsammlungen bei den Gästen in Gastein] und aller (sonstigen) Handlungen des oben genannten Spitals in der Gastein und dessen armen Leuten vollständige Rechnung und Bezahlung tun. Und (es) sollen dann dieselben Güter, Gülten, Zinse, Renten, Anleiten, Gottberat [Sammlung von Spenden] und alle anderen Einnahmen des oben genannten Spitals in der Gastein zu Nutzen und zu notwendigen Bedürfnissen, (auch zu) Angelegenheiten der armen Leute daselbst und sonst in keinerlei Weg und Weise noch Zweck gewendet, verkehrt oder gebraucht werden, (alles) untrüglich.

Da die Stadtsalzburger Direktoren über die Verhältnisse in Gastein kein genaues Wissen haben, soll der Gasteiner Verwalter den Gasteiner Zechpröpsten der Pfarre oder den Hofgasteiner „Gemeinderäten“ den Rechnungstag in Salzburg im Vorhinein ansagen, damit die Ausgewählten sich rechtzeitig darauf einstellen können. Nach deren Berichten wird es für die Stadtsalzburger Direktoren leichter sein, am Rechnungstag die vorgelegten Zahlen zu beurteilen.

Und solcher Rait-Tag [Rechnungs-Tag] soll dem (Gasteiner) Verwalter durch sie im Vorhinein verkündet werden, damit er sich darauf (rechtzeitig) einstellen kann. Und nachdem aber die oben genannten Bürgermeister und Räte betreffend die Mängel und Gebrechen, auch wegen der Notdurft [Bedürfnissen] des Spitals in der Gastein und der armen Leute daselbst nicht ordentliches und gründliches Wissen haben können, so soll der Verwalter des Spitals in der Gastein den Zechpröpsten [etwa: Pfarrkirchenräten] zu Hof in der Gastein den Raittag (betreffend den) Nutzen und (die) Renten [siehe oben] des oben genannten Spitals in der Gastein im Vorhinein ansagen, damit sie einen aus ihnen, (nämlich) aus den Zechpröpsten oder aus der dortigen Gemeinde, zu solchem Raittag gegen Salzburg zu schicken wissen [sich darauf einrichten können] . Ob desselben (aufgrund von Berichten der Hofgasteiner Zechpröpste) werden sich dann dieselben Bürgermeister und Räte solcher Mängel und Bedürfnisse desselben Spitals bei solcher Abrechnung erinnern, damit solches Spital umso fruchtbarlicher [erfolgreicher] und stattlicher bleiben und gehandhabt werden kann.

Wenn die Spitalsinsassen untereinander in Streit geraten, so soll der Gasteiner Verwalter die Strafbefugnis haben. In schwerwiegenden Fälle können Insassen mit Wissen der Direktoren aus dem Spital entfernt werden.

Und wenn die armen Menschen untereinander in Streit geraten würden, so soll das der Verwalter mit allen Möglichkeiten unterbinden und verwehren und angemessene Strafe gegen die Verschulder (Anfänger des Streites) verhängen. Wenn das (alles) nichts nützen sollte, so soll und kann derselbe Verwalter (mit seiner Bevollmächtigung) aus diesen Personen einen oder mehrere aus dem Spital urlauben [entfernen, hinauswerfen] , doch mit Wissen der oben genannten Leitung.

Wenn einer von den armen Bedürftigen stirbt, so kann unter gewissen Vorbehalten sein hinterlassener Besitz den Spitalsinsassen zukommen. – Die Stadtsalzburger Direktoren dürfen ebenfalls neue arme Bedürftige aufnehmen. Wenn jemand den Platz eines Verstorbenen einnehmen will, so ist eine Art „Mitgift“ willkommen. Es soll auch möglich sein, dass sich jemand regulär in das Spital hineinkauft.

Und so von den armen Menschen der eine oder andere mit Tod abginge, so soll immer ein anderer Mann, ein bedürftiger, an die Stelle des Toten lauter [gänzlich, ohne Vorbehalte] durch Gotteswillen aufgenommen werden. Es sollen auch arme Menschen in dem (Gasteiner) Spital aufgenommen werden, wenn es von den oben genannten Bürgermeistern und Räten und dem Spitalmeister von Salzburg als richtige Oberer, Entscheider und Leiter des oben genannten Spitals – oder wem sie das (in ihrem Namen) auftragen – (gewünscht wird). Falls auch von anderen christlichen Menschen, Gott dem Allmächtigen zu Lob und ihren Seelen zum Heil, (etwas) dem Spital gegeben wird, was wir zu Gott hoffen, damit man (durch solche Gaben) mehr arme bedürftige Menschen über unsere Stiftung darin unterbringen und ernähren könnte, dann ist (es) unser Willen und Begehren, dass dieselben armen Menschen über solche unsere Stiftung in das Spital von den oben genannten Leitern ebenfalls aufgenommen werden sollen. Und wenn auch die armen Menschen irgendein Gut mit sich in das Spital brächten und dieses nach ihrem Abgang [Tod] ohne Vernachlässigung (Verminderung, Beschädigungen) und ohne erbrechtliche Bestimmungen gefunden würde, dann soll dasselbe Gut dem Spital und den armen bedürftigen Menschen bleiben und zu Nutzen desselben Spitals angelegt werden, ganz wie es bei anderen Spitälern üblich und Gewohnheit ist. Wenn sich nun jemand, Mann oder Frau, in das Spital kaufen [hineinkaufen] wollten gegen (selbst gegebene) Pfründe [Nahrungs-Zuschüsse] , das soll gestattet werden, sofern es das Spital vermag (Platz hat), doch den Armen zu Nutzen und ohne Nachteil für ihre Pfründe [hier: stiftungsmäßiger Lebensunterhalt im Spital] .

Die Geschäftiger bitten den Salzburger Erzbischof und seine Nachkommen, sie mögen des Gasteiner Badespitals Beschützer und Schirmherren sein. Sie sollen die Stiftung bestätigen und gebieten, das jeder Verletzer mit Kirchenbann und ewiger Verfluchung und Vermaledeiung bestraft werde.

Und dass alles zu einer festen [sicheren] , wahren und steten Bekräftigung (komme), bitten wir, die oben genannten Geschäftiger , mit höchstem Fleiß [Eifer] und in aller Untertänigkeit den hochwürdigen Fürsten und Herrn, Herrn Leonhard, Erzbischof zu Salzburg, Legaten des Stuhls zu Rom, und einen jeden seiner fürstlich Gnaden Nachkommen, (nämlich die künftig folgenden) Erzbischöfe zu Salzburg, (alle diese) unsere gnädigsten Herren mögen des oben genannten Spitals ordinari Herren [im Namen eines Bischofs das Recht sprechende Behörde] und (als) Landesfürsten gnädige Beschützer und Schirmer sein und dieses Spital und diese Stiftung mit Maßgabe und Ordnung (nach) Inhalt dieses Briefes [rechtsverbindliches Schriftstück] gnädiglich und in allerbester Rechtsform bestätigen, (und dazu auch) gebieten, das alles zu halten bei (Androhung) der Strafe des (Kirchen-) Banns und auch der ewigen Verfluchung und Vermaledeiung.

Sollte jemand von den Geschäftigern oder jemand von den Stadtsalzburger Direktoren das Spital abreißen oder auch nur im Wert vermindern, so sollen die Betreffenden einer Strafe wie bei einem Frevel gegen Heiliges verfallen sein.

Ob wir als Geschäftiger des verstorbenen oft genannten Konrad Strochner oder dessen Erben, auch meiner, des oben genannten Hansen Strochner Erben, Verwandten und Nachkommen oder jemandes anderen, wie sich das ergeben könnte, (auch) die oben genannten Bürgermeister, Räte und Spitalmeister der Stadt Salzburg als den Vorgehern [Leitern] des oben genannten Spital in der Gastein, (dieses) abreißen, beschädigen oder (im Wert) vermindern wollten, was Gott der Herr nicht verhängen wolle, dass dann dieselben der Strafe, die man auf Latein Sacrileg [Gotteslästerung] , nennt, schuldig und ihr (strafrechtlich) verfallen sein sollen. Darum bitten wir Ihr fürstlich Gnaden lauter [gänzlich, ohne Vorbehalte] durch Gottes Willen: Wenn irgendetwas dem Spital und der Stiftung entzogen oder gemindert werden sollte, wie oder von wem das geschehe, denselben nichts nachzusehen, (damit) sie den Lohn von dem allmächtigen Gott davon empfangen werden.

Lange Einleitungsphrasen, dann die Aufzählung jener landwirtschaftlichen Ertragsgüter, die im Rahmen der Stiftung an das Armenbadspital kamen. Den Geschäftigern standen 1489, nach dem Tod von Konrad Strochner, 2 600 Gulden zur Verfügung. Sie kauften zunächst etliche Güter und erstellten erst 1496 eine Stiftungsurkunde für das Gasteiner Badespital. In dieser Urkunde sind dann die schon früher gekauften Güter angeführt. – Oberster Schützer und Schirmherr über alle zur Stiftung gehörigen Besitztümer war der Salzburger Erzbischof als Landesherr. Ihm unterstanden die Stadtsalzburger Direktoren, die für das Gasteiner Spital einen Verwalter bestimmten. Die landwirtschaftlichen Güter wurden von Pacht-Bauern (im allerweitesten Sinne des Wortes „Pacht“) bewirtschaftet. Sie mussten die im Vorhinein fixierten Abgaben der Stiftung, also konkret (meist) dem Gasteiner Badespital geben. Nach geistlichem und weltlichem Recht besaß die Stiftung gewissermaßen sich selbst.

Und damit wollen wir oben genannte Geschäftiger des oben genannten Spitals und die armen bedürftigen Menschen samt den Gütern und Gülten, die zu dem Spital gehören, in ewiger Zeit und in höchstem Glauben und Vertrauen, wie das immer von Recht oder Gewohnheit Kraft und Macht haben soll, (wir alle wollen uns) unserem gnädigsten Herrn von Salzburg und jedem von seiner Gnaden Nachfolgern, den Erzbischöfen von Salzburg, als Herren, Landesfürsten und rechten Vögten [Schirmherren] durch Gottes Willen befohlen haben. Und damit solch vor genanntes Spital und (dessen) Stiftung, Gott dem Allmächtigen zu Lob, der Jungfrau Maria und dem ganzen himmlischen Heere zu Ehren, auch zu Hilfe und Trost des oft genannten Konraden und meiner, Hansen Strochners, sowie allen dessen, (nämlich) Konraden und meiner, Hansen, Vorfahren und Nachkommen und aller gläubigen Seelen, auch besonders (zu Hilfe und – geistlichem –Trost) aller jener, die ihre (Bei-) Steuer und Hilfe aus Barmherzigkeit dazugeben und den armen Bedürftigen helfen, (damit also solches Spital) auf ewig, stet und gänzlich erhalten und unzerstört bleiben solle, alles getreulich und ungefährlich [ohne Heimtücke] , (so sind für dieses Ziel die folgenden) (Besitz-) Stücke und Güter genannt [gewidmet] :

Von erst das oben genannte Mitterbad in der Gastein, (das) dient [leistet Abgaben] jährlich acht Pfund Pfennig; und den armen Leuten in dem oft genannten Spital daselbst zu deren Bedürfnissen Brennholz für das ganze Jahr; - weiters: ein Gut genannt Laubengut zu Maierhofen (Dorfgastein); es dient Schilling (wohl: Pfund) Pfennig zehn (häufig dem Wert eines Guldens entsprechend, heute ganz grob annähernd 125 bis 175 Euro) und zwölf Pfennig, Stiftviertel Wein (Bedeutung siehe oben) zwanzig, Schreibgeld zehn Pfennig, hat inne Cristan Koler; – weiters: ein Haus in der Gastein, dient Pfund Pfennig vier, Stift Viertel Wein Pfennig zwanzig, Schreibgeld Pfennig zwei, hat inne Hans Munichner; – weiters: eine Mühle unter dem Wasserfall, dient Pfennig vierundzwanzig, hat inne Andre auf dem Bürgerbichl; – weiters: eine Hofstatt [Arbeitsgebäude im weitesten Sinne] oderhalb der Taferne [Schankwirt] ober dem Stall, dient Pfennig sechzig, hat inne Andre Egger; – weiters: ein (Verkaufs-) Laden bei Sankt Preims (heute Bad Gasteiner Pfarrkirche), dient Pfund Pfennig eins, hat inne Jörg Schneider. Die jetzt genannten Stücke und Güter sind alle in Gasteiner Gericht [Gerichtssprengel] gelegen.

Weiters: ein Gut gelegen oberhalb von Werfen, dient zu Weisat [Abgabe; heute Geschenk bei Besuchen] Pfennig acht, Steuer [Beisteuer] Pfund Pfennig dreiunddreißig, Hennen zwei, Eier sechzig, Stift Viertel Wein Pfennig zwanzig, Ehrung [Abgabe, meist an eine Person, meistens an den Grundherrn] Pfennig zwei, hat inne Konrad Rieser; – weiters: ein Gut genannt Schnitzerhof, dient Pfund Pfennig drei, Hennen drei, Eier zwanzig, Stift Viertel Wein zwanzig, Ehrung Pfennig zwei, hat inne Stefan Hacker; – weiters: ein Gut genannt Winterstal, dient Pfund Pfennig zehn, Eier dreißig, Stift Viertel Wein zwanzig, Ehrung Pfennig zwei, hat inne Jörg Winterstaler; – item: ein Gut genannt Vordere Weinau, dient Pfund Pfennig fünf, Pfennig zwölf, Stift Viertel Wein zwanzig, Ehrung Pfennig zwen, hat inne Hans Gruber; – weiters: ein Gut genannt oberer Hinterberg, dient Pfund Pfennig sieben, Weisat Pfennig zweiunddreißig, Hennen zwei, Eier zwanzig, Stift Viertel Wein zwanzig, Ehrung zwei, hat inne Leonhard daselbst; – weiters: ein Gut genannt Wäxenegg, dient Pfund Pfennig eins, Hennen vier, Eier zwanzig, Stift Viertel Wein Pfennig zwanzig, Ehrung zwei Pfennig, hat inne Wolfgang daselbst; – weiters: ein Gut genannt Brauneshof, dient Pfennig einundachtzig, Hennen eine, Stift Viertel Wein zwanzig, Ehrung Pfennig zwei, hat inne Wolfgang Bogenhofer; – weiters: ein Gut genannt Tetlhof, dient Pfund Pfennig sechs, Pfennig sieben, Stift Viertel Wein zwanzig, Ehrung Pfennig zwei, hat inne Leonhard Tetl. Die jetzt genannten Güter sind alle gelegen in Abtenauer Gericht;

Weiters: ein Gut gelegen in Kuchler Gericht, dient Pfund Pfennig zehn, Stift Viertel Wein Pfennig zwanzig, Ehrung Pfennig zwei, hat inne Jörg Bibersteiner; – und noch ein Gut, (dieses) genannt Brunn, auch in Kuchler Gericht gelegen, dient Pfund Pfennig sieben, Stift Viertel Wein Pfennig zwanzig, Ehrung Pfennig zwei, hat inne Dorothea daselbst.

Es folgen Schlussphrasen, wie sie in Urkunden der damaligen Zeit üblich waren, zuletzt dann das Datum der Ausstellung: Dienstag vor St. Michael, dieser am 4. Oktober, im Jahre 1496, mit angehängten Siegeln, auch mit jenem der Stadt Salzburg. Mit exakt gleichem Datum stellte Hans Strochner eine zweite Urkunde aus, in der es darum geht, dass die Kirche sich verpflichte, für sein geistliches Wohl bestimmte – von ihm bezahlte – Leistungen zu erbringen.

Und das zu einer wahren Urkunde geben wir, des oft genannten verstorbenen Konrad Strochner Geschäftiger den (Rechts-) Brief. Dieser ist gesiegelt mit den eigenen anhangenden Insiegeln von uns dreien oben Genannten, darunter wir uns für und anstatt und als Geschäftiger desselben Konrad Strochner und allen seinen Erben und unseren Erben treulich verbinden, (nämlich nach) Inhalt des (Rechts-) Briefes (alles) stetig und unzerbrochen [unverbrüchlich] zu halten. Und wir oben genannte Bürgermeister, Räte und Spitalmeister der Stadt Salzburg bekennen [sagen offen heraus] und verkünden auch wissentlich [mit unserem Willen gewollt] in Kraft des (Rechts-) Briefes für uns und unsere Nachkommen [hier wohl auch im Sinne von: Nachfolger] , dass wir solche oben genannte Stiftung und Ordnung [Anordnung] (betreffend) das bezeichnete Spital (in Gastein) laut dieses (Rechts-) Briefes mit gutem Willen angenommen haben und wollen das auch von unserer Seite, soviel das alle und jeden Einzelnen betrifft, einhalten, daran und darob sein, damit dem Vollzug (eine Durchführung) geschehe und allem nachgegangen werde. Und das zu Gezeugnis [Bezeugung] haben wir auch das Stadtsiegel hieran (nämlich an Rechtsbrief, Urkunde) befestigt, (dabei aber) uns und gemeiner (allgemeiner) Stadt ohne allen Schaden. Geschehen am Erichtag [Dienstag] nach dem Sankt Michaelstag [29. September] nach Christi Geburt, unseres lieben Herrn, im vierzehnhundert und im sechsundneunzigsten Jahre.

Quelle