Verein Gedenkdienst

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Der Verein Gedenkdienst – Verein für historisch-politische Bildungsarbeit und internationalen Dialog – ist einer der drei heute in Österreich bestehenden Gedenkdienst-Organisationen. Er entsendet Freiwillige und Zivilersatzdienstleistende an Forschungsstellen, Gedenkstätten, Opferbetreuungseinrichtungen und pädagogische Institutionen.

Gründung und Vorgeschichte

In den 1980er-Jahren begann sich die sog. >Erinnerungsgeneration< zu Wort zu melden und die Ausblendung des Nationalsozialismus zu kritisieren. 1991 hat schließlich Franz Vranitzky als erster österreichischer Bundeskanzler die Mitverantwortung Österreichs an den Verbrechen des Nationalsozialismus offiziell einbekannt. Es wurde in der Folge auch der Österreichische Nationalfonds eingerichtet, ein allgemeiner Entschädigungsfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus.

Bis dahin dominierte in der historischen Selbstwahrnehmung häufig unhinterfragt die These, dass Österreich das erste Opfer Hitlers war und daher für die Verbrechen dieser Zeit nicht zur Verantwortung gezogen werden konnte. Der Verein GEDENKDIENST wurde 1992 vom Historiker Andreas Maislinger gegründet und war damals eine kleine Sensation. Seither folgten zwei weitere Vereinsgründungen, die ähnlichen Zwecken gewidmet sind.

Allgemeines und Vereinsaktivitäten

Der Verein Gedenkdienst wird 2012 20 Jahre alt. Er ist laut Eigendefinition eine parteipolitisch wie konfessionell unabhängige Non-Profit-Organisation. Der Verein GEDENKDIENST wird aus staatlichen Mitteln für den Zivilersatzdienst und durch private Spenden finanziert. Er beschäftigt sich im Inland mit historisch-politischer Bildungsarbeit und entsendet Freiwillige und Zivilersatzdienstleistende (Zivildienstpflichtige Männer) an diverse Einsatzplätze im Ausland, die der Forschung, dem Gedenken oder der Betreuung von Opfern dienen oder pädagogische Zwecke verfolgen.

Seit mehreren Jahren werden auch Frauen entsandt, wobei der rechtliche Rahmen – für Frauen gibt es in Österreich keine Militärpflicht oder Zivildienstpflicht - und damit die dafür zur Verfügung stehenden Mittel nur kleinste Schritte erlauben und im Jahr 2012 bedauerlicherweise aus finanziellen Gründen erstmals keine Frau entsendet werden kann.

Pädagogische Aktivitäten

Von Beginn an veranstaltete der Verein wissenschaftliche Tagungen, die in den ersten Jahren in Eigenregie und stets im Bildungshaus St. Virgil in der Stadt Salzburg abgehalten wurden. Mittlerweile hat sich ein breites Spektrum an Kooperationen entwickelt und Veranstaltungen erfolgen beispielsweise gemeinsam mit der Akademie der Wissenschaften, der Österreichischen HochschülerInnenschaft und dem Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien. Eine weitere pädagogische Vereinsaktivität sind Studienfahrten an Orte nationalsozialistischer Verbrechen. Sie finden seit 1992 statt. Diese Fahrten werden von eigens ausgebildeten Studienfahrt-Begleitpersonen betreut. Neben der Entsendung von Freiwilligen und Zivilersatzdienstleistenden und den erwähnten Tagungen und Studienfahrten entstand im Rahmen der pädagogischen Arbeit im Inland Anfang der 2 000er-Jahre die Veranstaltungsreihe >Geh Denken!<. Sie findet monatlich statt und soll der kritischen Auseinandersetzung mit geschichtlichen Themenkomplexen dienen. Die Reihe beinhaltet wissenschaftliche Vorträge, Podiumsdiskussionen und ZeitzeugInnen-Gespräche. >Geh Denken! < beschäftigt sich – ausgehend von der österreichischen NS-Vergangenheit – mit aktuellen Debatten, die der pädagogischen Vermittlung der Geschichte oder Themen der Tagespolitik mit historischer Dimension dienen.

Die Zeitung GEDENKDIENST

Der Verein gibt seit dem Jahr 1998 die vierteljährlich erscheinende Zeitung GEDENKDIENST heraus. Sie beschäftigt sich inhaltlich in erster Linie mit Geschichte und Nachgeschichte des Nationalsozialismus, mit dessen Ursachen und Folgen, darüber hinaus mit Faschismus, Rassismus und Antisemitismus. Die Rolle Österreichs im Nationalsozialismus steht dabei im Mittelpunkt der Berichterstattung. Darüber hinaus dokumentiert die Zeitung die Aktivitäten des Vereines. Sie erscheint meist acht A3-Seiten umfassend mit einer Auflage von 2 500 bis 3 000 Exemplaren. Anfangs wurde die Zeitung vom Vereinsvorstand erarbeitet, mittlerweile existiert ein eigenes GEDENKDIENST-Redaktionsteam, das sich heute monatlich trifft. Bisher sind drei Ausgaben zweisprachig erschienen und drei Sondernummern wurden in Kooperation mit Wiener Schulen hergestellt.

Kontakt

  • office@gedenkdienst.at
  • www.gedenkdienst.at

Quellen

  • 60. Ausgabe der Zeitung GEDENKDIENST, Nr. 1/2012