Volksmedizin im Salzkammergut

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Heilbringer der Volksmedizin
Fraisenketten
Wolfgangihackl

Der Volksmedizin wurde im Salzkammergut noch bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg vertraut.

Allgemeines

Die Volkssage erzählt von einer jungen Bauerndirn aus St. Wolfgang die einst aufgrund der Verabreichung ihrer dämonischen Zaubermittel für Heil- und Liebesdienste, sowie ihren magischen Kräften und Zaubersprüchen die nicht nur "unvermögenden Eheleuten bei Kinderlosigkeit weiterhalfen" als Hexe erkannt beim Bürglstein in den See geworfen wurde. Doch nachts holte der Teufel die verwünschte Ertrunkene aus dem Abersee und setzte sie am Ufer ab. Neuerlich wurde die gebrandmarkte Magd in die Fluten verstoßen. Viele Tage und Nächte wiederholte sich dieses gruselige Schauspiel bis endlich eine fromme Jungfrau den Uferplatz mit Weihwasser besprengte, so dass der Teufel keine Macht mehr über die Verstoßene hatte.

Finsteren Aberglauben widerspiegeln diese Hexenerzählungen dabei handelt es sich bei den Anwendungen meist um weitergegebenes uraltes naturkundliches Erfahrungswissen. "Im Juni 1614, so wird berichtet, lag eine aus dem See geborgene weibliche Leiche 12 Tage streng bewacht am Uferrand des Dittelbaches, weil sich die Obrigkeit von St. Gilgen und St. Wolfgang nicht einigen konnten ob nun der Leichnam dieser Magierin in St. Wolfgang oder St. Gilgen zu bestatten sei."

Gelübde, versprochene Votivgaben haben sich aus vorgeschichtlichen Zeiten bis in die Gegenwart erhalten, sie sollten vor Krankheit, Fraisen, Kindbettfieber, Altersgebrechen bewahren und bei Kinderlosigkeit helfen. Bitt- oder Dankopfer entsprachen menschlicher Alltagserfahrung.

Die Lehre von den magischen Kräften tierischer oder mineralischer Naturprodukte geht auf antike und selbst vorgeschichtliche Vorstellungen zurück. Sie dienten seit prähistorischen Zeiten als Fruchtbarkeitssymbole. Votivgaben der Volksmedizin sind meist stilisierte Miniaturnachbildungen von menschlichen Organen oder Körperteilen, die in Wallfahrtsorten oder bei den jeweils zuständigen Heiligen als Dank für Errettung von Krankheit oder Bitte um Schutz vor diversen Übeln geopfert wurden und manchmal auch noch werden, spielten Jahrtausende lang eine wichtige Rolle in der Heilkunst.

"Das Umhängen von Amuletten – aus welchen Gründen es auch geschieht – beruht bewusst oder unbewusst auf einer mystischen Verbundenheit des Trägers mit Dingen der Umwelt, die im Guten wie im Bösen auf den Menschen einwirken können."

Ältere Menschen erinnern sich mit Staunen an die mit übernatürlichen Kräften behafteten Anhängseln der Rosenkränze, Fraisen- und Uhrketten zur Abwehr des Unheils, die man bei den "Betenmachern" (Rosenkranzmachern) und Devotionalienhändlern in Ständen bei der Wallfahrtskirche kaufen konnte. Im 17. Jahrhundert gab es in St. Wolfgang, Zinkenbach und St. Gilgen eine eigene Glaserzeugung für die Wolfgangiflascherl in welche das "Heilige Wolfgangiwasser" abgefüllt wurde. Vor allem die geschliffenen Glasperlen für "Beten" Rosenkränze in vielerlei Farben waren ein reißendes Absatzprodukt der St. Wolfganger Glaserer bei den zahlreichen Pilgerströmen. Devotionalien und Umhängefetische sollen gleiche Kräfte wie die Amuletten beinhalten doch erhofft sich der Kranke durch das Tragen auf der bloßen Haut eine direkte Einwirkung des Medikamentes noch zusätzlich zur magischen Wirkung. Umhängemedikamente sind meist Pflanzenteile wie die Wurzeln, Bilsenkraut, Krätzensteine, sowie verschiedene Samen und Kerne in winzigen teils silbernen Dosen wie Metallbehältern.

Diese kleinen teils in Silber gefassten Anhänger aus Koralle, Elfenbein, Perlmutter, Tier- und Haifischzähnen welche das Gift in Speisen anzeigten, Wirbelknochen der Kreuzotter, Wehenkreuzen, Neidfeigen, Heiligenmedaillen, Wolfgangihackerl, Caravaka Doppelkreuze, Breverln mit Segenssprüchen und mystischen Zeichen sind heute sehr rare, hochinteressante Kunstgegenstände an uralten Uhr-, Schariwari- und Fraisenketten, die meist zu Fronleichnam aus den Pretiosenkasterln hervorgeholt werden.

Das "In froas fallen", die epileptischen Krampfanfälle im frühen Kindesalter, waren die häufigste Todesursache bei Säuglingen, daher versuchte man das Kind sowohl mit religiösen als auch mit abergläubischen Heilpraktiken wie auch Hexensprüchen, Abwehrzauber, Wenden, oder den Glücksbringern zu behüten. Viele Anhänger auf einem Rosenkranz einer Fraisen-, Uhrkette oder einem roten Band sollten die Wirkung verstärken. Man ging von der Überlegung aus, dass irgendetwas schon helfen werde. Ausübender als Wunderheiler der Volksmedizin konnte jedermann sein. Besonderes Zutrauen hatte man zur Mönchs- und Klostermedizin, kräuterkundigen Weibern, zu Badern, Wenderinnen, Wehenmütter, Barbierchirurgen waren bis nach dem Zweiten Weltkrieg rund um den Abersee zu finden.

Quelle

  • Adele Sungler

Verfasser

Dieser Artikel wurde von Adele Sungler verfasst und als Word-Dokument an das Salzburgwiki gesandt.