WEB-Prozess

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Der WEB-Prozess, oder eigentlich die WEB-Prozesse, sind die gerichtliche Aufarbeitung des WEB-Bautreuhand-IMMAG-Skandals, der als der größte Wirtschaftsskandal der Zweiten Republik in Österreich gilt.

Chronik

Die WEB-Gruppe beginnt 1975 damit, sogenannte Hausanteilsscheine als Anlageprodukt anzupreisen. Anlegern werden hohe Renditen versprochen. Die Produkte werden von verschiedenen Bautreuhandgesellschaften verkauft. Während sich die Hausanteilsscheine gut verkaufen, können sie am Finanzmarkt kaum Gewinne erzielen.

Nach außen wird der Konzern als solide Unternehmensgruppe dargestellt, die ihren Anlegern beste Renditen garantieren könne. Dazu trägt ein dichtes Geflecht an Verbindungen zu Banken und Politik bei - Gründervater war Ex-ÖVP-Landtagspräsident Hans Zyla. Laut Gutachtern ist das Imperium bereits Ende 1983 zahlungsunfähig. Die Lizenz zum Weitermachen bringt ein Moratorium der Regionalbanken Sparkasse, Raiffeisen und Hypo. Diese stunden bis Mitte 1985 Rückzahlungen von 600 Mill. S. Zur "Sanierung" werden Tausende Anleger geworben. Mit frischem Geld werden alte Ansprüche abgedeckt.

Ab 1988 mehren sich die Warnungen, dass der Salzburger Immobilienkonzern um WEB, Bautreuhand und IMMAG Versprechungen gegenüber Anlegern nicht erfüllen könne. Zum Einsturz bringt das Imperium dann eine Strafanzeige der Salzburger Arbeiterkammer am 28. Juni 1989 gegen etwa 30 Personen - von den Eigentümern über Manager und Vielfach-Geschäftsführer oder Buchhalter bis zu führenden Bankmanagern - wegen Betrugs und Untreue. An der Aufdeckung beteiligt ist die damalige AK-Konsumentenschützerin und spätereLandeshauptfrau Gabi Burgstaller.

Prozesse

WEB-I-Prozess

Der erste WEB-Prozess beginnt am 16. September 1996 im Salzburger Landesgericht. Angeklagt sind der WEB-Chef Bernd S., Jürgen G., Herbert N., Dietrich R., Helmut S. Georg G. sowie IMMAG-Gründer Norman Graf, der sich allerdings vor Prozessbeginn nach Deutschland absetzen kann und für die österreichische Justiz unerreichbar bleibt.

Vorsitzender Richter Friedrich Gruber lastet im WEB-Verfahren bei der Urteilsverkündung am 14. Juni 1999 Bernd S. einen Schaden von zwei Milliarden Schilling (145 Mill. Euro) an, er bekommt neun Jahre; Jürgen G.: 1,87 Mrd S, neun Jahre; Herbert N.: rund 1,1 Mrd. S, acht Jahre; Dietrich R.: 516 Millionen S, sechs Jahre; Helmut S. Schaden: 1,043 Mrd., sechs Jahre und Georg G.: 1,043 Mrd. S, sechs Jahre. Der Oberste Gerichtshof bestätigt die Urteile am 23. Mai 2002 und alle Verurteilten müssen im Sommer 2002 ihre Haftstrafen antreten.

Das bis dahin teuerste Strafverfahren der Zweiten Republik kostet mehr als 7 Mill. Euro.

WEB-II-Prozess

Im WEB-II-Prozess stehen ab 12. September 2001 fünf Angeklagte als Beitragstäter zur Untreue vor Gericht. Nach knapp einem Jahr werden zwei Vorstandsmitglieder der IMMAG und die Leiterin des Rechnungswesens freigesprochen, das Ex-IMMAG-Vorstandsmitglied Friedrich D. sowie der pensionierte Wirtschaftstreuhänder Otto H. zu drei Jahren und sechs Monaten beziehungsweise fünf Jahren Haft verurteilt.

Im Februar 2005 bestätigt das Oberlandesgericht Linz die fünf Jahre Haft für den ehemaligen Wirtschaftstreuhänder und hebt das Strafausmaß für das Ex-IMMAG-Vorstandsmitglied Friedrich D. auf fünf Jahre an. Die Urteile sind rechtskräftig.

WEB-III-Prozess

Im WEB-III-Prozess sind fünf Manager der Salzburger Sparkasse angeklagt. Der Prozess endet mit drei Schuld- und zwei Freisprüchen am 7. Juli 2003. Der ehemalige Vorstandsdirektor-Stellvertreter Gerhard Schmid (62) wird wegen des Verbrechens der Untreue zu fünf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

Der Vorstandsdirektor-Stellvertreter Klaus Buttenhauser (60) und der Kreditbetreuungsreferent Josef K. (50) werden wegen des Verbrechens der Untreue und des Vergehens der Falschaussage vor Gericht zu fünf Jahren und zehn Monaten verurteilt. Die beiden anderen Angeklagten, der Leiter der Sparkassenfiliale Neustadt, Gerhard R. (64), und der damals dort tätige Sachbearbeiter Rudolf S. (56), werden freigesprochen. Alle drei Verurteilten treten 2006 ihre Haftstrafen an.

WEB-Zivilprozess

Österreichs größtes Zivilverfahren, der WEB-Prozess gegen die Salzburger Sparkasse AG, startet im Spätherbst 2004. Als Zeugen werden mit Aufdeckerin Gabi Burgstaller und dem ehemaligen Bürgermeister der Stadt Salzburg, Josef Dechant, unter anderem auch prominente Politiker verhört.

Am 13. Dezember 2005 wird der Zivilprozess mit einem Vergleich offiziell beendet: Der Vertrag zwischen den Klägervertretern und der Erste-Tochter sieht vor, dass die Salzburger Sparkasse den 3 246 Klägern 19,1 Mill. Euro und 600.000 Euro Verfahrenskosten zahlt.

Quellen

  • Salzburger Nachrichten
  • Arbeiterkammer