Alpendohlen in St. Wolfgang

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Kämpfende Alpendohlen am Futterplatz
Der Tisch ist gedeckt
Brutplätze am Hinterschafberg. Historische Aufnahme

Die Alpendohlen von St. Wolfgang leben in einer großen Population zwischen Schafberg und Wolfgangsee.

Beobachtungen

von Adele Sungler:

Wenn sich an stillen, kalten Wintertagen die Gipfel der gegenüber liegenden Bergkette von St. Wolfgang im See widerspiegeln, kommen die Dohlen des Schafberges in kunstvollem Flug gleitend und segelnd herunter ins Tal. Der früher weit verbreitete Steppenvogel hat auch in Österreich seine Bedeutung, doch keine sehr großen Populationen. Der schwarze Vogel hat einen gelben Schnabel und die Beine sind von gelb, orange bis dunkel rot gefärbt.

Die Alpendohle (Pyrrhocorax graculus), auch Berg- oder Jochdohle, ist eine Vogelart aus der Familie der Rabenvögel (Corvidae), in der Ornithologie auch oft Corviden genannt. Sie sind aus der Vogelfamilie der Sperlingsvögel, Unterfamilie Singvögel. Der Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz war beeindruckt von den lernfähigen, schlauen und intelligenten Bergdohlen mit ihrem so geselligen wie geordneten Zusammenleben in der Kolonie. Das Vogelleben, das sich alljährlich im Winter und in den ersten Frühlingsmonaten hoch über den Häuptern der einheimischen Bevölkerung von St. Wolfgang auf dem Kirchturm und einigen wenigen Futterstellen im Markt abspielt, ist sehenswert.

Die Besetzung der alten Brutplätze in den Höhlen der Steilwände des Schafberges und am Westgrat des so genannten "Hengstes" wie auch der Futterplätze erfolgt nach alten eingespeicherten Riten. Auch in den Brutnischen der Spechte nistet sich die Alpendohle gerne ein. Für die Panoramaübersicht gilt ihre Vorliebe den Kirchtürmen.

Im Volks- und Aberglauben sprach man diesen schwarzen Vögeln magische Kräfte zu. Todankünder, Unglücksbringer, auch Pechvogel nannte man sie einst. Auf mittelalterlichen Tafelbildern sind sie als Totenvögel abgebildet, in Sagen und Märchen, bei Kaiser und Königen wird ihre Weisheit, Intelligenz und Flugfähigkeit gerühmt. In Wahrheit sind die Alpendohlen wahre Vorzeigeeltern mit hoch organisiertem Sozialleben. So werden auch erwachsen scheinende Dohlenkinder noch immer von den Eltern gefüttert und liebkost.

Es ist ein großartiges Schauspiel, wenn der gefiederte Schwarm von ca. 60 bis 80 Alpendohlen laut kreischend und mit schrillem Pfeifen "kjak kre kri", auch Vogelstimmen imitierend, plötzlich einfällt. Sie taumeln durcheinander, manche stürzen wie ein Stuka herunter, andere nutzen die Luftströmung zum eleganten Gleiten. Sie warten gespannt, herumschwirrend und flügelschlagend, bis sich die Tür öffnet und das Futter hinausgestreut wird, auf das sie sich ohne Scheu stürzen und welches sie um die Wette aufpicken. Die Anhänglichkeit und das Zutrauen dieser schönen schwarzen Vögel ist groß. Sie haben einen hoch entwickelten Familiensinn, paaren sich auf Lebenszeit, bleiben in der Gemeinschaft der Kolonie und sind ungeheuer treu. Alpendohlenpaare leben in einer monogamen Ehe und zählen zu den intelligentesten heimischen Vogelarten. Diese sauberen Rabenvögel haben ein blendendes Ortsgedächtnis, sie merken sich ihre Futterplätze und geben diese Erkenntnis von Generation zu Generation weiter. Durch schlechte Wetterlage am Berg bedroht haben sie keine andere Wahl als ihre Nahrung im Tal zu suchen. Schon unser Großvater fütterte die Dohlenschar am selben Platz. So hat auch bei uns das alljährliche Wiedersehen mit den Alpendohlen zu einer lang anhaltenden Freundschaft geführt. Ihre Lernfähigkeit ist sehr groß, ihr Zusammengehörigkeitsgefühl und alles was sie tun entspringen einem "Urerhaltungstrieb".

Durch Fressgier und Futterneid brechen immer wieder Rangordnungsstreitigkeiten aus. Dohlenweibchen sind rangordnungsgleich mit den Dohlenmännchen. Daher entsteht auch so manche Rauferei am Futterplatz durch das Imponiergehabe und die Drohstellung eines Hagestolzes. Letztlich beherrscht eine Kampfgenossin die ganze Schar und stolziert dann siegesbewusst und angriffslustig auf dem Balkongeländer hin und her. Dadurch werden alle weiteren Angriffe und Scheingefechte unterbunden.

Durch andauernde Freundschaft haben sie ein ungeheures Vertrauen zu ihren Bezugspersonen und fressen sogar aus der Hand. Die Alpendohle ernährt sich in der freien Natur von Insekten, Spinnen, Würmern und Schnecken. Genauso liebt sie Essens- und Gemüsereste der menschlichen Zivilisation, wie Nüsse, Weinbeeren und Rosinen als Leckerbissen auf dem Speisezettel. Meist halten die Vögel ihre Beute mit den Krallen, reißen Stücke davon ab und fliegen damit auf das Nachbardach. Hier ruhen sie auch aus, putzen sich und schnäbeln.

Die Brutstellen unserer schwarz gefiederten Freunde sind in den Höhlen und Nischen der Felswände des Hinterschafberges und des "Hengstes". Sie kümmern sich aufopfernd um ihren Nachwuchs und lieben das gesellige Leben. In den mageren Wochen des Winters, wenn sie im Tal sind, bevorzugen sie den mächtigen Kirchturm von St. Wolfgang als Ruheplatz und Aussichtsplattform. Die Schwingen weit ausgebreitet, gleiten und segeln sie elegant und lautlos vor den staunenden Augen zurück zum Turmrastplatz.

Wenn die Tage länger werden und der Südwind mit dem Föhnsturm durch das Wolfgangtal jagt, wenn sich die Sonne an die Schafberghänge anlehnt und diese aper werden, wenn die ersten Frühlingsblumen sprießen, finden die Alpendohlen ihr Futter wieder in der freien Natur und sind schlagartig weg. Es zieht sie hinauf zu ihresgleichen in die Felswände und Schroffen des Schafbergmassivs. Sie kommen erst wieder ins Tal, wenn der erste Schnee auf den Gipfeln gefallen ist. Diese Stimmtalente hatten sich in der menschlichen Nachbarschaft gut eingerichtet und lebten Jahrhunderte mit uns in Eintracht, nun sind ihre Lebensräume eingeengt.

Siehe auch

  • Alpendohle, ein allgemeiner Beitrag über diese Vogelart

Quellen

Verfasser

Dieser Artikel wurde von Adele Sungler verfasst und als Word-Dokument an das Salzburgwiki gesandt. Alle Bilder aus dem Archiv Adele Sungler.