Bürmooser Glasindustrie

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Einst war die Bürmooser Glasindustrie ein wichtiger Arbeitgeber im nördlichen Flachgau.

Geschichte

Zu einem Zentrum der Glasindustrie war der Ort bereits Ende des 19. Jahrhunderts aufgrund seines Umfeldes geworden. Es gab den Brennstoff Torf sowie Sand vom Haunsberg und Kalkstein aus der Salzach.

Die Einstellung der Glasindustrie im Jahr 1929 brachte eine Massenarbeitslosigkeit in Bürmoos und der näheren Umgebung. Der letzte 2012 noch lebende Zeitzeuge Alexander Schwarz (95) schilderte den Salzburger Nachrichten seine Erinnerungen.

Durch die Schließung der großen Glasfabrik 1929 waren auf einen Schlag fast 90 Prozent der damals 1 000 Bewohner von Bürmoos arbeitslos. Schwarz hatte erst kurz zuvor, 1928, als Dreizehnjähriger in der Glashütte der Gebrüder Stiassny zu arbeiten begonnen. Er war ein Schwengelbub, der den Glasbläsern zugearbeitet hatte. Schwarz erzählt: „Der Hüttenmeister hat meiner Mutter gesagt: ,Der Bub kann eh in die Donnerstagsschule gehen – und ab und zu einen zweiten Tag in der Woche.‘“ Kinderarbeit war damals normal und seine Mutter sei froh gewesen, dass ihr Sohn Geld nach Hause brachte.

Der typische Tagesablauf in der hierarchisch organisierten Glasfabrik begann um Mitternacht. Da mussten die Schwengelbuben zuerst die Glasbläser-Herren, für die sie zuständig waren, wecken. Dann begann um zwei Uhr früh die Schicht, die bis Mittag gedauert hatte. Dieser Rhythmus war wegen des Werkstoffs Glas notwendig, da dieses eineinhalb Tage gebraucht hatte, bis es geschmolzen war. Die beschwerliche Arbeit mit dem tausend Grad heißen Glas habe die Arbeiter auch körperlich schwer in Mitleidenschaft gezogen. Viele Glasmacher sind relativ jung an Tuberkulose gestorben, einer typischen Berufskrankheit, die häufig über die Glasmacherpfeife weitergegeben wurde.

Stiassnys Sohn ließ das Werk verkommen und war nie da. Vor Weihnachten 1929 wurde die Fabrik plötzlich eingezäunt. Und dann wurde das Werk zu Silvester von einen Tag auf den anderen zugedreht. Vom Torfstecher über andere Zuarbeiter der Glasindustrie waren alle über Nacht arbeitslos geworden. Die Hintergründe des Verkaufs lagen im Konkurrenzverhalten des Unternehmens. Stiassny hatte das Werk 1926 gekauft, weil es eine Konkurrenz war und er es stilllegen wollte. Beleg dafür sei, dass er das Areal 1931/32 weiterverkauft habe – „mit der Auflage, dort nie wieder Glas zu erzeugen“.

Durch das Ende der Glasindustrie sei eine schwere Zeit für Bürmoos angebrochen. Viele Familien mit bis zu zehn Kindern waren ohne Einkommen. Manche haben Arbeit beim Bau der Großglockner Hochalpenstraße bekommen. Andere zogen nach Niederösterreich, nach Brunn am Gebirge, weil es dort noch eine intakte Glashütte gab. Das Sozialsystem war damals noch dürftig, 20 Wochen Arbeitslosengeld gab es, danach galt man als „ausgesteuert“. So sollen die Bürmooser verschrien gewesen sein, „weil sie zu den Bauern bis ins Innviertel betteln gegangen sind. Viele haben durch Beeren- und Schwammerlbrocken überlebt“ erzählt Alexander Schwarz, der sich selbst zunächst als Bau- und Ziegeleiarbeiter durchgeschlagen, bis er schließlich nach dem Krieg als Schaffner bei der Salzburger Lokalbahn eine berufliche Heimat gefunden hatte.

Auch das als eigene Gemeinde erst 1967 gegründete Bürmoos konnte sich erholen. Hauptgrund dafür war die Ansiedelung des W & H Dentalwerks mit seinen heute über 600 Mitarbeitern. Es wurde 1944 aufgrund der Bombardierung von Berlin in die leeren Hallen der Bürmooser Glasfabrik verlegt. An ihren Entstehungshintergrund will die Industriegemeinde jetzt mit einem Haus der Geschichte erinnern. Ein Weg der Geschichte wurde bereits 2011 begonnen.

Quellen