Eisenbarren

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Scheibenförmiger Eisenbarren

Auf dem Bürgkogel in Kaprun wurde in den Achzigerjahren des 20. Jahrhunderts ein scheibenförmiger Eisenbarren gefunden.

Beschreibung

Der Eisenbarren, dessen Ober- und Unterseite flach ist, erscheint brotlaibförmig und war bei der Auffindung mit leichtem Oberflächenrost bedeckt, jedoch nicht tiefer gehend rostgeschädigt.

Zeitstellung

Da dieses Fundstück bis dahin ein Unikat und der Erhaltungszustand sehr gut war, datierte Fritz Moosleitner das Fundstück zuerst in das Mittelalter, ähnlich der nahe der Großglockner Hochalpenstraße gefundenen Sklavenkette, die ursprünglich dem 16. Jahrhundert, bzw. dem 17. Jahrhundert zugeordnet wurde. Doch wie bei der Sklavenkette stellte sich auch bei dem scheibenförmigen Eisenbarren bald heraus, dass dessen Alter wesentlich höher ist, als beim ersten Augenschein angenommen worden war. Dazu ist auch die Geschichte des Fundortes von Bedeutung.

Fundortgeschichte

Der Bürgkogel bei Kaprun war in prähistorischer und historischer Zeit in vier unterschiedlichen Siedlungsperioden bewohnt. In der zweiten Siedlungsperiode, zwischen 1000 v. Chr. und 15 v. Chr. entstand eine ringförmige Randbefestigung aus Steinmauern. Diese Periode wird heute nach den damaligen Bestattungsbräuchen – man bestattete die Toten in Urnen aus Ton - Urnenfelderzeit genannt. Genauer gesagt handelt es sich bei dieser zweiten Siedlungsphase um die späte Urnenfelderzeit und die Eisenzeit. In dieser Zeitphase entstanden weitreichende Handelsbeziehungen, vor allem mit den Gebieten südlich der Hohen Tauern. Tauschobjekte waren inneralpines Kupfer und Keramik aus Venetien.

Die Blütezeit dieser Periode wird für das 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. angenommen. Rom war an den Bodenschätzen des alpinen Raumes interessiert, vor allem am Gold und am für seine Qualität berühmten Norischen Eisen. Dass Handelsbeziehungen mit Rom bestanden haben, belegen drei römisch republikanische Münzen und andere Fundstücke. Aber auch die genauere Untersuchung des scheibenförmigen Eisenbarrens ergab, dass dessen Gewicht von 6.540 Gramm exakt 20 römischen Pfund entspricht (1 römisches Pfund = 327 Gramm) und damit für den Handel mit Rom bestimmt war. Aus Ritzinschriften in den Magazinen der Handelsleute auf dem Magdalensberg in Kärnten, der Hauptstadt des Königreiches Norikum, ist zu entnehmen, dass das norische Eisen u. a. auch in Form von „disci“ (= Scheiben) nach Rom geliefert wurden.

Das Fundstück befindet sich in den Beständen des Salzburg Museums, eine Kopie ist im Mineralienkabinett des Naturhistorischen Museums in Wien ausgestellt.

Quellen

  • Fritz Moosleitner, Die Tauernregion in ur- und frühgeschichtlicher Zeit, in Mineral & Erz in den Hohen Tauern, S. 109, Hrsg. Naturhistorisches Museum, Wien, 1994