Februaraufstand

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Der Februaraufstand begann am 12. Februar 1934 mit Schüssen in Linz und dauerte vier Tage.

Einleitung

Vier Tage lang standen sich der rote Schutzbund auf der einen und die schwarze Heimwehr, die Polizei und das Militär auf der anderen Seite gegenüber. Danach waren mehr als 350 Tote und 1 000 Verletzte zu beklagen. Noch heute gehen die Meinungen darüber auseinander, wer Schuld hatte an dem Bürgerkrieg, der den Untergang Österreichs im Jahr 1938 einleitete.

Geschichte

Im Erdgeschoß des grauen Hauses in der Fußgängerzone der Stahlstadt wartet die trendige Bar Cup&Cino auf Gäste. Neben dem Lokal wird gerade ein Veranstaltungssaal fertiggestellt. Im ersten Stock hat die oberösterreichische SPÖ, der das Haus gehört, ihren Sitz. Genauso wie damals im Februar 1934, als hier die ersten Schüsse im österreichischen Bürgerkrieg fielen. In diesen Tagen, da an den Ausbruch der Kämpfe erinnert wird, spüre man schon so etwas wie einen „Hauch der Geschichte“, sagt Michael Petermair, der Sprecher der oberösterreichischen SPÖ. Und so wird im neuen Veranstaltungssaal am Sonntag auch der Politikwissenschafter Emmerich Talos einen Vortrag über das „Austrofaschistische Herrschaftssystem“ halten.

Rückblende: Es ist in den Morgenstunden des 12. Februar 1934, als die Polizei im Linzer Parteiheim der Sozialdemokraten, dem „Hotel Schiff“, nach illegalen Waffen suchen will. Plötzlich schlägt den Beamten aus dem ersten Stock MG-Feuer entgegen. Ein Polizist bricht schwer verletzt zusammen. Er ist das erste Opfer des Bürgerkriegs.

Der [Republikanischer Schutzbund| Republikanische Schutzbund]], die Parteiarmee der Sozialdemokratie, wagt den bewaffneten Aufstand. Anführer in Linz ist Richard Bernaschek, der das 1933 von der autoritären Regierung Dollfuß ausgesprochene Verbot und die Entwaffnung des Schutzbundes nicht hinnehmen will. Am Tag davor, dem 11. Februar, hat er die Parteiführung in Wien von seinem Willen zum Kampf informiert: Sobald die Waffensuche beginne, werde er losschlagen und damit das Zeichen zum österreichweiten Aufstand gegen das Dollfuß-Regime geben, schreibt Bernaschek. „Schmach und Schande über sie, wenn uns die Wiener Arbeiterschaft im Stich lässt!“

Die Parteiführer in Wien reagieren entsetzt und versuchen Bernaschek telegrafisch vom Kampf abzuhalten. Doch das Telegramm wird von den Behörden abgefangen und erreicht ihn nicht mehr. Die blutigen Ereignisse in Linz nehmen ihren Lauf. Und sie zwingen auch die Genossen in Wien zum Handeln.

Die Parteispitze, die sich zu Mittag des 12. Februar geheim in einer Wohnung in Wien-Gumpendorf trifft, ruft den Generalstreik aus. Vertrauensleute im Wiener Elektrizitätswerk schalten den Strom ab. In ganz Wien gehen die Lichter aus – das verabredete Zeichen für den Generalstreik. Aber es wird von der Masse der Arbeiter nicht befolgt. Damit ist der Aufstand von vornherein zum Scheitern verurteilt. Otto Bauer, der intellektuelle Führer der Sozialdemokratie, setzt sich schon am 13. Februar in die Tschechoslowakei ab und lässt die Kämpfer des Schutzbundes im Stich. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Am Ende des Bürgerkriegs zählt man auf beiden Seiten mehr als 350 Tote.

Wie konnte es so weit kommen? Das Jahr 1934 hat in Österreich mit einer beispiellosen Terrorkampagne begonnen. Allein in der ersten Woche des Jahres werden 140 Sprengstoffanschläge gezählt. Urheber sind die im Jahr davor in Deutschland an die Macht gekommenen Nationalsozialisten. Sie versuchen das Nachbarland für den „Anschluss“ weich zu bomben.

Statt gemeinsam gegen diese Gefahr von außen aufzutreten, sind die beiden großen Lager in Österreich zutiefst verfeindet. Beide Seiten – Rote wie Schwarze – verfügen über Privatarmeen: den Schutzbund und die Heimwehr. Beide Wehrverbände sind größer als das Bundesheer. Die Bewaffnung stammt großteils aus Beständen der vormaligen k. u. k. Armee.

In beiden Lagern gibt es Besonnene und Scharfmacher. Und diese setzen sich immer mehr durch. Der Verbalradikalismus, der auf beiden Seiten gepflogen wird, schürt beim jeweiligen Gegner die Angst und damit die Entschlossenheit, notfalls zur Waffe zu greifen. So redet sich die Politik in den Bürgerkrieg hinein.

Die Demokratie hat da denkbar schlechte Karten: Die einen träumen von der Diktatur des Proletariats, die anderen von einem christlichen Ständestaat, die Dritten vom Faschismus und die Vierten vom „Anschluss“ an Nazi-Deutschland. Der christlich-soziale Bundeskanzler Engelbert Dollfuß schaltet 1933 das Parlament aus und regiert seither autoritär.

Die faschistischen Heimwehren und Italiens Duce Mussolini, bei dem Österreich Schutz vor Hitlers Aggressionen sucht, drängen Dollfuß zu einer Ausschaltung der Sozialdemokratie in Österreich. Im Jänner 1934 kommt es zum letzten Versuch eines Brückenschlags zwischen den beiden Lagern, doch er scheitert.

Am 5. Februar warnt der Linzer Schutzbund-Führer Bernaschek seine Partei davor, dass immer mehr Genossen zu den Nazis abzuwandern drohen, wenn die Sozialdemokratie nicht endlich mehr Härte gegen die Regierung an den Tag lege. Am 11. Februar – es ist übrigens der Faschingssonntag des Jahrs 1934 – erklärt der Heimwehrführer Emil Fey: „Wir werden morgen an die Arbeit gehen, und wir werden ganze Arbeit leisten.“

Fey hatte schon davor mit einem Aufstandsversuch des Schutzbundes gerechnet und dessen Führer – allen voran Stabschef Alexander Eifler – verhaften lassen. Als die Kämpfe am 12. Februar auch in Wien ausbrechen, ist der Schutzbund daher führerlos. Die verschiedenen Kampfgruppen handeln unkoordiniert und auf eigene Faust. Viele der in den Wiener Gemeindebauten angelegten Waffenlager werden nicht gefunden, weil nur die Führer gewusst hätten, wo sie sich befinden.

Der Aufstandsplan Eiflers hätte vorgesehen, dass der Schutzbund aus den Gemeindebauten in die Innenstadt vordringt, die Regierungsgebäude besetzt und die Macht im Staat übernimmt. Doch davon kann keine Rede sein. Die Polizei riegelt das Regierungsviertel rechtzeitig ab. Und gemeinsam mit Verbänden der Heimwehr und dem zur Assistenz angeforderten Bundesheer geht die Exekutive daraufhin gegen die Stellungen des Schutzbundes in den Gemeindebauten vor.

Der Ahornhof in Favoriten, in dem sich die Kampfleitung des Schutzbundes befindet, wird von den Regierungsverbänden umstellt. Am 15. Februar setzt sich der Obmann des Schutzbundes, Julius Deutsch, verletzt in die Tschechoslowakei ab. Viele Schutzbündler fühlen sich von ihrer Führung verraten.

Um das Ottakringer Arbeiterheim wird zwei Tage und zwei Nächte lang gekämpft. Es gibt Tote auf beiden Seiten. Schwere Kämpfe toben auch um den Schlingerhof in Favoriten und um den Karl-Marx-Hof. Das Bundesheer setzt Panzerwagen und leichte Artillerie ein. Der behauptete Einsatz von schwerer Artillerie fand nie statt, denn sie war dem Bundesheer seit dem Friedensvertrag 1919 verboten.

Nach vier Tagen flauen die Kämpfe ab. Manche Schutzbund-Einheiten in Wien kämpfen heroisch bis zum bitteren Ende, andere hatten gar nicht zu den Waffen gegriffen. Und, was entscheidend war: Die mächtigen Gewerkschaften, etwa die Eisenbahner, hatten sich nicht an dem Aufstand beteiligt, ja nicht einmal gestreikt. Auch in den meisten Bundesländern hatte gar kein Aufstand stattgefunden.

Die große Ausnahme ist die Obersteiermark. Dort kommt es zu den heftigsten Kämpfen des gesamten Bürgerkrieges. Zentren sind die Industriestädte und roten Hochburgen Bruck an der Mur und Kapfenberg, wo Koloman Wallisch als charismatischer Anführer der Schutzbündler agiert. „Zwischen dem 12. und dem 15. Februar kam es auch in Leoben und in Graz, vor allem in den Bezirken Eggenberg und Gösting, zu Zusammenstößen“, berichtet der Historiker Heimo Halbrainer.

Kleinere Auseinandersetzungen waren in Fohnsdorf, Judenburg, Knittelfeld, St. Michael, Voitsberg/Köflach und Weiz zu verzeichnen. Obwohl die Arbeiter von Anfang an einer Übermacht aus Heimwehr, Polizei und Gendarmerie gegenüberstehen, wird der Kampf erst durch den Einsatz von Artillerie gegen die Gemeindehäuser, Betriebe und Parteilokale zugunsten der Regierung entschieden.

Koloman Wallisch, der in bürgerlichen Kreisen als „Bolschewik“ galt, ist bis heute als zentrale historische Figur dieses Aufstandes in Erinnerung geblieben. Er sollte die Rebellion mit dem Tod bezahlen und wurde am 19. Februar im Hof des Kreisgerichtes Leoben gehängt. In einer Koloman-Wallisch-Kantate von Bertolt Brecht heißt es: „In Leoben nah dem Erzberg/ Nachts zur elften Stund/ Hat man den Wallisch gehänget/ als einen roten Hund.“

Von den teilweise dramatischen Szenen, die sich in der Stadt Graz abgespielt haben, gibt es Aufzeichnungen des Augenzeugen Franz Steiner senior. Der Bäckermeister berichtet etwa, wie Aufständische, die sich auf den Dächern des Konsumvereins verschanzt hatten, mit Maschinenpistolen das Feuer auf ein Gendarmeriefahrzeug eröffneten. Steiner bekam aber auch die „mörderische Wirkung des Artilleriefeuers“ in unmittelbarer Nachbarschaft zu spüren.

Nach der Aufhebung des Standrechtes werden in der Steiermark Hunderte Personen wegen ihrer Teilnahme an den Kämpfen von ordentlichen Standgerichten verurteilt. Heimo Halbrainer: „Dass es gegen die Nationalsozialisten 1938 keinen Widerstand wie im Februar 1934 gegeben hat, ist unter anderem darin begründet, dass die Arbeiterbewegung 1933/34 zerschlagen und verboten worden war.“

Nach dem Ende der Kämpfe nimmt die Dollfuß-Regierung blutige Rache. 24 Schutzbündler werden wegen „Aufruhrs“ standgerichtlich zum Tod verurteilt. 15 von ihnen werden begnadigt, aber neun Todesurteile werden vollstreckt. Die Schutzbündler werden gehängt. Die Sozialdemokratische Partei und die Gewerkschaften werden verboten. Eine Bilanz der Kämpfe ergibt mehr als 350 Tote und mehr als 1 000 Verletzte. Die Toten werden auf dem Wiener Zentralfriedhof getrennt beigesetzt.

Das Schicksal der überlebenden Schutzbund-Kämpfer ist bitter. Richard Bernaschek wird zunächst in Linz verhaftet, kann dann aber nach Deutschland fliehen, wo er von den Nazis als Kämpfer gegen Dollfuß mit allen Ehren empfangen wird. Später distanziert sich Bernaschek vom Nationalsozialismus und kommt im KZ Mauthausen um.

Auch viele andere Schutzbündler wechseln zu den Nazis, um den Kampf gegen das verhasste Dollfuß-Regime fortzusetzen. Andere wechseln zu den Kommunisten, kämpfen an deren Seite im Spanischen Bürgerkrieg oder gehen nach Moskau ins Exil. Dort kommen viele von ihnen im stalinistischen Terror um.

Der Bürgerkrieg ist eines der dunkelsten Kapitel unserer Geschichte. Österreicher hatten auf Österreicher geschossen. Das Land findet danach keine Ruhe. Bereits im Juli 1934 kommt es zum nationalsozialistischen Putschversuch. Erneut muss das Bundesheer zum Assistenzeinsatz ausrücken, erneut gibt es Hunderte Tote – unter ihnen Engelbert Dollfuß.

Trotz der immer drohenderen Haltung Hitlers gelingt Rot und Schwarz kein Schulterschluss mehr. Zu schmerzend sind die Wunden, die der Bürgerkrieg geschlagen hat. So geht Österreich seinem Untergang im März 1938 entgegen.

Der Februaraufstand und Salzburg

Im Gefolge des Februaraufstandes der Arbeiter bleibt es in Salzburg verhältnismäßig ruhig. Hier begannen die eigentlichen Aktionen erst am 13. Februar mit Streiks der Arbeiter der Brauerei Kaltenhausen, der Wasserbauarbeiter und der Arbeiter der Zellulosefabrik in Hallein. Landtagsvizepräsident Anton Neumayr von der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei bezeichnete den Aufstand als aussichtslos und verkündete, Gewalt sei das falsche Mittel. In der Folge wurden Neumayr und die gesamte Halleiner Streikleitung (rund 30 Personen) verhaftet und die SDAP aufgelöst.

In der Stadt Salzburg kam es indessen zu Widerstandshandlungen von Eisenbahnern. Mit einem gesprengten Leitungsmasten wurde die Eisenbahnstrecke zwei Stunden lang lahm gelegt.

Die Salzburger Wacht musste als Folge des Bürgerkriegs ihr Erscheinen einstellen.

Quellen