Franz Rehrl

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Erstbefahrung der Großglockner Hochalpenstraße: links Dipl.-Ing. Franz Wallack, am Steuer Dr. Franz Rehrl
Großglockner Hochalpenstraße Baugeschichte, Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl, am 23. September 1934 bei der Eröffnung der Straße bis zum Fuscher Törl, (links im Hintergrund die Edelweißstraße zur Edelweißspitze, Rehrl steht am Parkplatz beim Dr.-Franz-Rehrl-Haus)
auf der Edelweißspitze: unterhalb des provisorischen Gipfelkreuzes Bundeskanzler Kurt Schuschnigg, rechts neben ihm Bundespräsident Wilhelm Miklas, Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl, Dr. Franz G. Strafella, Präsident des Österreichischen Verkehrsbureaus und dann Ing. Franz Wallack
Einweihung der Stille-Nacht-Kapelle am 15. August 1937, v.l. Bundeskanzler Kurt Schuschnigg und Landeshauptmann Franz Rehrl bei strömendem Regen auf dem Weg von der Pfarrkirche in den Stille-Nacht-Bezirk.

Dr. Franz Rehrl (* 4. Dezember 1890 in Salzburg; † 23. Jänner 1947 ebenda) war Jurist und Politiker der Christlichsozialen Partei Österreichs sowie von 1922 bis 1938 Landeshauptmann von Salzburg.

Politische Karriere bis 1938

Rehrl wurde als Sohn eines Zimmermannes des Erzstifts St. Peter in Salzburg geboren und besuchte hier die Volksschule und das Gymnasium, wo er 1910 maturierte.[1] Nach seinem juristischen Studium an der Universität Wien und einer Verwaltungsausbildung trat Franz Rehrl 1915 in den Salzburger Landesdienst ein. Kurz darauf wurde er Sekretär des damaligen Landeshauptmannes Alois Winkler und gehörte nach dem Ersten Weltkrieg der provisorischen Landesregierung Salzburgs an. 1919 wurde er Abgeordneter zum Salzburger Landtag, zudem war er von 1919 bis 1922 Landeshauptmann-Stellvertreter. Mit 1. Dezember 1920 wurde Dr. Franz Rehrl für die Christlichsoziale Partei in den österreichischen Bundesrat berufen wobei er diese Funktion bis zum 31. Mai 1932 inne hatte und in den Jahren 1922, 1927 und 1931 dreimal zum Vorsitzenden des Bundesrats gewählt wurde. 1922 erfolgte im Alter von erst 31 Jahren seine Ernennung zum Salzburger Landeshauptmann.

Als Landeshauptmann machte er sich zunächst um die Salzburger Festspiele verdient. In seine Amtszeit fielen der Umbau der großen gedeckten Winterreitschule durch Architekt Eduard Hütter zum ersten Festspielhaus 1925, der zweite Umbau 1926, sowie der dritte und grundlegende Umbau des Festspielhauses durch Clemens Holzmeister im Jahr 1937, bei dem auf Wunsch von Arturo Toscanini der Zuschauerraum um 180° gedreht wurde. Diese Drehung machte einen Bühnenhausanbau notwendig, wofür Rehrl sogar sein Geburtshaus im (heutigen) Toscanini-Hof abreißen ließ.

Rehrl galt als konsensbereiter Politiker, der sich nach den Februar-Unruhen des Jahres 1934 in Österreich für die verfolgten Sozialdemokraten einsetzte. Historiker beschreiben ihn als einen Menschen mit „ausgeprägtem, ebenso zähem wie phantasievollem Sinn für das ökonomisch Machbare“, als einen Typ von Unternehmer, dem allen Widerständen zum Trotz „die Durchsetzung neuer Kombinationen gelingt“.

Großglockner Hochalpenstraße und Tauernkraftwerke

Rehrl war auch die treibende Kraft der Baugeschichte der Großglockner Hochalpenstraße. Im März 1930 beschloss der Landtag unter ihm den Bau der Großglockner Hochalpenstraße. Noch am 30. August des selben Jahres eröffnete Franz Rehrl mit dem ersten Sprengschuss in Ferleiten den Baubeginn dieses ehrgeizigen Straßenbauprojektes der österreichischen Zwischenkriegszeit, das 1935 fertiggestellt wurde. Zuvor überquerte er aber als erster an der Seite des Straßenerbauers Hofrat Wallacks am 22. September 1934 diesen Alpenübergang, noch bevor er für die Öffentlichkeit freigegeben war (Erstbefahrung der Großglockner Hochalpenstraße).

Darüber hinaus gilt er als Initiator der Errichtung der Gaisbergstraße, Alpenstraße, der Schmittenhöhebahn sowie des Baus des Tauernkraftwerkes und des Fuscher Bärenwerkes.

Hintergründe

Einer der Gründe, weshalb Dr. Rehrl in den 1920er- und 1930er-Jahren sich so vehement für den Bau der Großglockner Hochalpenstraße eingesetzt hatte, war die Vision der Errichtung eines Skizentrums in der Glocknergruppe. Dieses sollte mit der neuen Straße erschlossen werden. Eine weitere Idee von Dr. Rehrl war, dass diese Straße zunächst zur Errichtung einer riesigen Tauernkraftwerkgruppe von jenen Betreibern gebaut und bezahlt werden sollte; dann hätte sie später vom Land Salzburg ohne Kosten übernommen werden sollen und neben der Ausflugsstraßenfunktion auch für das Skigebiet als Zubringer dienen.

Er erkannte, dass in der damaligen Wirtschaftsrezession die Ankurbelung des Fremdenverkehrs (wie schon 1922 mit den ersten Salzburger Festspielen) ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor wäre und vor allem dringend notwendige Devisen ins Land brächte. Seinen Intensionen kann man auch entnehmen, dass er ursprünglich Kärnten nicht am Verlauf der Großglockner Hochalpenstraße partizipieren hätte lassen wollen, damit eben die Devisen im Land Salzburg blieben.

Auf die Nutzung der Wasserkraft zurückgreifend ließ er 1928 ein gigantisches Projekt vorbereiten, für dessen Ausführung der Salzburger Landtag schließlich AEG Berlin gewinnen konnte: die Tauernkraftwerke sollten mit jährlich 3,3 Milliarden Kubikmeter Wasser aus dem Gebiet der Zentralalpen im Bereich der Hohen Tauern aus Kärnten, Osttirol und Salzburg 6,6 Milliarden kWh produzieren; 1 250 km Hangkanäle, 80 km Sammelkanäle, 120 km Sammelstollen in aus einer durchschnittlichen Höhe von 2 100 m ü. A. sollten das Wasser aus einem Einzugsgebiet von etwa 2 000 km² in drei Mega-Staubecken sammeln und ins Kapruner Tal leiten. Dort sollten zwei Wasserkraftwerke gespeist werden und durch gigantische Stollen - wie zweigleisige Bahntunnels - weiter nach St. Johann im Pongau fließen, wo ein drittes Kraftwerk errichtet werden sollte.

Dieses Projekt war mit 6,6 Milliarden Schilling (1928) veranschlagt und hätte im Endausbau 6,6 Milliarden kWh Strom erzeugen sollen - zum Vergleich: etwa das 2,75fache der 1928 bestehenden österreichischen Gesamtstromproduktion!

Kernbestandteil dieses Megaprojekts war aber ein über mehrere Kilometer lange geplanter Stollen durch die Tauern, die die Wassermenge von Kärntner Gebiet nach Salzburg leiten sollten - demnach auch ein wesentlicher Kostenbestandteil. Hätte sich also ein solcher Wassertunnel in Kombination mit einem Straßentunnel in die Projektierung eingefügt, wäre dies ein großer Vorteil für Salzburg - und Dr. Rehrl - gewesen. Aber wie oft bei solchen Mammutprojekten - es fehlte schließlich am Geld, und eine deutliche magerere Version wurde schließlich nach dem Zweiten Weltkrieg in Form der Tauernkraftwerke Kaprun verwirklicht.

Letztlich führten Rehrls Überlegungen auch zu dem mehrjährigen Variantenstreit der Großglockner Hochalpenstraße, in dem er schließlich beigeben und die Planung von Dipl.-Ing. Franz Friedrich Wallack akzeptieren musste.

Rehrl und Zell am See

Besondere Verdienste erwarb sich Rehrl in Zell am See im Zusammenhang mit dem Bau der Schmittenhöhebahn 1927 und der Stadterhebung im Jahr 1928. Nach einstimmigem Gemeinderatsbeschluss (Sitzung vom 18. Jänner 1928) wurde Dr. Franz Rehrl die Ehrenbürgerurkunde von Zell am See überreicht.[2]

In Zell am See erwarb Rehrl 1930 die Liegenschaft Raingut in Erlberg von Agathe Whitehead und 1932 ein Wohnhaus am ehemaligen Kalvarienberg. 1938 wurden die Besitzungen Rehrls nach dessen Absetzung als Landeshauptmann als „volks­ und staatsfeindliches Vermögen“ eingezogen. Erst im Mai 1949 erstattete man diese Güter den Töchtern Rehrls, Eleonore und Ehrentrudis, zurück.[3]

Dr. Rehrl war auch die treibende Kraft bei den Vorbereitungen zum Bau der Großglockner Hochalpenstraße. Legendär wurde die erste motorisierte Überquerung des Alpenhauptkammes an der Seite des Straßenerbauers Hofrat Franz Friedrich Wallack am 22. September 1934. Darüber hinaus gilt er als wesentlicher Initiator bei der Errichtung der Tauernkraftwerke und des Fuscher Bärenwerkes.

Inhaftierung und Rückkehr nach Österreich (1938-1947)

Als Folge des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich wurde er kurz nach dem am 12. März 1938 erfolgten Einmarsch der deutschen Truppen in Salzburg seines Amtes enthoben und vorübergehend in Haft genommen.

Im August 1943 versuchte der Jesuitenpater Augustin Rösch im Auftrag Helmuth James Graf von Moltkes ihn für eine Beteiligung bei dem geplanten politischen Umsturz zu gewinnen. Trotz seines bereits auf Grund eines Diabetes-Leidens angeschlagenen Gesundheitszustandes ließ er sich als politisch Beauftragter für den Wehrkreis XVIII (Salzburg) vorschlagen. Nach dem Scheitern des Attentats wurde er am 25. Juli 1944 in Zell am Ziller verhaftet und im Berliner Zellengefängnis Lehrter Straße bis zum Ende des Krieges inhaftiert.

Im August 1945 kehrte er schwer gezeichnet nach Salzburg zurück, wo er am 23. Jänner 1947 an den Folgen der Haft und daraus resultierenden langen schmerzhaften Leiden um 20:30 Uhr verstarb.[4] Er wurde in Salzburg, auf dem Stadtteilfriedhof Morzg, in einem Ehrengrab beigesetzt.

Im selben Jahr löste sein Bruder Josef Rehrl den seit 1945 amtierenden Landeshauptmann Albert Hochleitner ab und füllte diese Funktion selbst bis 1949 aus.

Ehrungen

Gedenktafel für Franz Rehrl am Max-Reinhardt-Platz

Rehrl erhielt 1929 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Salzburg. Er ist auch Ehrenbürger der Gemeinde Strobl und der Stadtgemeinde Zell am See[5]. Darüber hinaus wurde er auf Anregung von Hofrat Rudolf Dworzak auf einer Bürgermeisterbesprechung in der Bezirkshauptmannschaft Salzburg-Umgebung am 4. Februar 1946 in allen Flachgauer Gemeinden zum Ehrenbürger ernannt.[6]

Wenige Monate vor seinem Ableben erfolgte 1946 in Anerkennung seiner Verdienste um die Stadt Salzburg und des dargebrachten Widerstands gegen das Regime der Nationalsozialisten die Umbenennung des vormaligen Karolinenplatzes im Stadtviertel Äußerer Stein in Dr.-Franz-Rehrl-Platz.

Auch in Zell am See wurde aufgrund seiner Verdienste im Zusammenhang mit der Stadterhebung und dem Bau der Schmittenhöhebahn sowie dem Bau der Großglocknerstraße eine Straße nach Dr. Franz Rehrl benannt.

1958 wurde am Max-Reinhardt-Platz in der Stadt Salzburg ein Denkmal aus Marmor errichtet. Das Relief wurde von Jakob Adlhart und die Büste von Hans Pacher geschaffen.[7]

Familie

Rehrl war mit Maria, geboren Opferkuch aus Salzburg, verheiratet und Vater zweier Töchter.

Weblinks

Literatur und Quellen

Fußnote

  1. 400 Jahre Akademisches Gymnasium Salzburg
  2. Sitzungsprotokolle der Stadtgemeinde Zell am See 1928–29; 1930. Sitzung am 18. 1. 1928 und Festsitzung am 28. 1. 1928; In: R. Hochhold (2013): S. 421; FN 1433
  3. Verfügung vom 19. 4. 1939, Amtsgericht Zell am See: Dr. Franz Rehrl; Einziehung des Vermögens. F. Hölzl (1989): 1200 Jahre Zell am See; Bd. 2, S. 75–78. Demnach hatte während des Krieges die Frau des Gouverneurs von Krakau, Vizegouverneurs von Polen und Generalleutnant der SS, Otto Gustav (von) Wächter, das Gut in Thumersbach bewohnt. Vgl. ebd.,S. 78. In: R. Hochhold (2013): S. 425; FN 1603
  4. Quelle Details Tod Salzburger Wochenschau, Jahrgang 1947, Ausgabe 5/6 vom 9. Februar
  5. Sitzungsprotokolle der Stadtgemeinde Zell am See 1928–29; 1930. Sitzung vom 18. 1. 1928. In: Hochhold, Rainer (2013): Cella in Bisontio – Zell im Pinzgau – Zell am See. Eine historische Zeitreise. Zell am See. S. 421 (FN 1433)
  6. siehe Diskussion:Ehrenbürger der Gemeinde Strobl
  7. www.stadt-salzburg.at
Landeshauptleute von Salzburg