Ferdinand Krackowizer (Heimatforscher)

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Stiftungshaus Ferdinand und Agnes Krackowizer, Gmunden
Erinnerungstafel auf dem Stiftungshaus in Gmunden

Ferdinand Krackowizer (* 11. Dezember 1851 in Gmunden; † 29. Juni 1929 ebenda) war ein oberösterreichischer Arzt, Heimatforscher, Mundartdichter und Bürgermeister von Gmunden.

Leben

Sein Vater war ein bekannter Gmundner Chirurg. Er selbst maturierte 1864 am Gymnasium des Benediktinerstifts Kremsmünster, studierte Medizin an der Universität Wien und promovierte am 20. Dezember 1878 zum Dr. med. Er fand als Bahn-, Forst- und Gemeindearzt in Gmunden und Gschwandt eine Anstellung. Als Arzt in Gmunden begann er 1879.

Er war mit Agnes, geborene Haßmann, Fabrikantentochter aus Augsburg, Bayern verheiratet. Seine Ehe blieb jedoch kinderlos.

Politische Laufbahn

Politisch engagiert war er von 1885 bis 1924 Mitglied des Gemeinderats von Gmunden, von 1912 bis 1924 Bürgermeister der Stadt Gmunden, von 1914 bis 1918 Landtagsabgeordneter und 1918/19 Mitglied der provisorischen Landesversammlung.

Funktionen

  • Präsident der Gmundner Elektrizitäts AG
  • Mitglied der Geschäftsführung der Traunseer Schifffahrtsgesellschaft
  • Gründungsmitglied und Präsident der Brauerei Gmunden
  • Vizepräsident der elektrischen Lokalbahn Gmunden - Vorchdorf
  • Vorstandsmitglied er Österreichischen Brau-Union-Gesellschaft
  • Verwaltungsrat der Österreichischen Brau-Bank
  • Aufsichtsrat der Bank für Handel, Gewerbe und Landwirtschaft

Literarische Tätigkeiten

Neben seiner Tätigkeit als Arzt war er Mundartdichter und Heimatforscher. In dieser Tätigkeit verfasste die „Geschichte der Stadt Gmunden“ in drei Bänden.

Ehrungen

1908 wurde er zum Ehrenbürger von Gmunden ernannt.

1929 Verleihung des Goldenen Ehrenzeichens der Republik Österreich.

Seine Reisen im Salzburger Land

Ferdinand Krackowizer galt als reiselustiger Bildungsbürger. So schrieb er 1896 "... Die Touristenwelt bewegt sich meist in den vom allmächtigen Baedeker[1] und seinen Genossen angepriesenen Gleisen. [...] Allein der Lungau bleibt von der großen Menge unberührt und nur wenige Getreue pilgern alljährlich mit neuer Freude über die alte Tauernstraße[2]...". So beschreibt er das Personal im Fremdenverkehr "...Kein Kellner mit fader Bartcotelette, kein Hausdiener mit goldbordierter Mütze, kein Hände reibender Hotelier...", über die Speisen meint Krackowizer im Postgasthof Tweng, in dessen "...wohlige[m] Speisezimmer... [...] höchst leckere Gerichte..." warteten. "...hier ist es gut sein im ruhigen Tauernhause[3] will ich [...] Wissenqualm entladen, in Alpenluft gesund mich baden. [...] Läge die herrliche Gegend [der Lungau] in der industriellen Schweiz, sie wäre längst in der Welt berühmt und von Tausenden besucht..."

Gedenkblätter

Aus der Zeitschrift Heimatgaue, Zeitschrift für Oberösterreichische Geschichte, Landes- und Volkskunde, herausgegeben von Dr. Adalbert Depiny, im Verlag R. Pirngruber, Linz, 10. Jahrgang, 1929:

Obermedizinalrat Dr. Ferdinand Krackowizer
1851 - 1929
Zum Gedächtnis
Vor mir liegt der letzte Brief, den mein lieber unvergeßlicher Vetter Doktor Ferdinand Krackowizer in Gmunden am 21. Mai 1929 an mich richtete und worin er mir in gewohnter Herzlichkeit für die Glückwünsche zu seiner goldenen Hochzeit dankte. Bei diesem seltenen Feste von der ganze Bevölkerung seiner Vaterstadt in herzlichster Anteilnahme gefeiert, hätte wohl niemand gedacht, daß der stattliche Mann so kurz darauf von uns scheiden sollte. Er war von jedermann geachtet und geliebt, darum erregte die Trauerkunde allgemeines Beileid. Denn, "nehmt alles nur in allem", er war ein ganzer, echt deutscher Mann, der seine schöne Heimat über alles liebte, ein opferfreudiger Mitarbeiter an ihrem Ausschwunge, ein äußerst humaner Arzt, ebenso beliebt im stolzen Schlosse des Herzogs von Cumberland wie in der Kammer des Armen; als langjähriger Bürgermeister, namentlich in der bangen und langen Zeit des Weltkrieges, stets auf seinem Posten; in den verschiedensten Stellungen und Ehrenämtern, die er überdies bekleidete, eifrig und pflichttreu.

In dem freundlichen Bürgerhause an der Traunbrücke, welches sein Vater, der beliebte Chirurg Ferdinand Krackowizer im Jahre 1866 erworben und neu umgebaut hatte, wuchs sein Sohn Ferdinand als ältestes von drei Kinder zur Freude seiner Eltern heran. Das Haus sah im Dezember 1878 den jungen Doktor der Heilkunde; es begrüßte am 15. Mai 1879 die schöne Frau Agnes, die er sich aus der alten Reichsstadt Augsburg an den Traunsee heimgeholt hatte. Ein halbes Jahrhundert wirkte er in diesem Hause als Arzt, als Bürgermeister, als fleißiger Chronist der schönen Heimat, die er nicht minder liebte, als der Schweizer seinen Kanton.

Am 11. Dezember 1851 geboren, vollendete er das Gymnasium zu Kremsmünster und erwarb am 20. Dezember 1878 an der Hochschule zu Wien das Doktordiplom, worauf er sich in Gmunden als praktischer Arzt niederließ und bald das allgemeine Vertrauen gewann. Seiner Vaterstadt zu Ehren schuf er nach jahrelangen Studien in den Jahren 1898 bis 1901 das Hauptwerk seines Lebens, die in drei Foliobänden erschienene, reich mit Bildern geschmückte "Geschichte der Stadt Gmunden", wohl eine der besten Stadtgeschichten in Österreich. Diesen mit allgemeinem Beifall aufgenommenen Werke folgte 1902 die "Häuserchronik der Stadt Gmunden". Und wie er schon an der Wiener Hochschule im Verein der Oberösterreicher sich mit Glück auf dem Gebiete der Volksdichtung versucht hatte, blieb er dieser Lieblingsneigung zeitlebens treu und schenkte den Heimatgenossen manche launige Dichtung. Die Stadt Gmunden verlieh ihrem begeisterten Chronisten am 29. August 1908 das Ehrenbürgerrecht. Am 4. Dezember 1912 einstimmig zum Bürgermeister der alten Salinenstadt gewählt, widmete er sich ihrem Wohle mit hingebendem Eifer und leistete namentlich während der Drangsale des Weltkrieges Außerordentliches. Die Hebung des Kurortes und seine Verschönerung waren ihm Herzenssache. Seit 1913 war er durch eine Wahlperiode Landtagsabgeordneter. Seine öffentliche Tätigkeit fand auch von den Bundesbehörden die volle Würdigung; seit 1913 führte er den Titel Medizinalrat, später den eines Obermedizinalrates. Und wie ihm 1915 vom Herzog von Braunschweig das Ritterkreuz I. Klasse des Ordens Heinrich des Löwen verliehen worden war, so zeichnete ihn am Goldenen Hochzeitstage die Republik Österreich durch die Verleihung ihres goldenen Ehrenzeichens aus. Leider sollte er sich derselben nur ganz kurze Zeit erfreuen! Am 29. Juni wurde Dr. Krackowizer unter ganz außerordentlicher Beteiligung der ganzen Bevölkerung in die stille Familiengruft versenkt. Mit ihm verloren wir einen wahren Freund der Heimatforschung, einen musterhaften Mitbürger, einen echt deutschen Mann. Der aber diese schlichten Gedenkworte niederschrieb, verlor in dem Verstorbenen nicht nur einen lieben Vetter, sondern auch den besten Freund. Und er hat ein Recht dazu. Unsere Großväter waren Brüder!

Archivdirektor Dr. Ferdinand Krackowizer

Literatur

' Harry Slapnicka: Oberösterreich - die politische Führungsschicht 1918 - 1938, Linz, 1976, 157f

Weblinks

Quellen

Einzelnachweise