Gerlinde Weinmüller: Diese Lehrerin zieht Schüler in ihren Bann

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Gerlinde Weinmüller: Diese Lehrerin zieht Schüler in ihren Bann war der Titel eines Beitrags im Salzburger Fenster am 22. November 2016 von Sabine Tschalyj.

Diese Lehrerin zieht Schüler in ihren Bann

Hauptfächer sind gefürchtet, Nebenfächer oft uninteressant – das finden viele Schüler. Es geht auch anders, beweist eine Ausnahmelehrerin am Bundesgymnasium Nonntal (BGN) in Salzburg. Ihrem Deutsch- und „Reli“-Unterricht folgen die Schüler gerne.

Medizin war doch nicht das Ihre. Nach einem halben Jahr Studium wurde Gerlinde Weinmüller, damals 18, ihre Leidenschaft bewusst: „Ich wollte immer lesen und schreiben – über die wirklichen Sachen im Leben“, so die Salzburgerin. Die fand sie in Deutsch und Theologie – und wurde Lehrerin.

33 Jahre an Schule und immer noch „cool

Ihrer Leidenschaft zu folgen war die richtige Entscheidung. Heute zieht die 56-Jährige am Bundesgymnasium Nonntal (BGN) Schüler von zehn bis 18 Jahre in ihren Bann. Als „extrem motiviert“ beschreibt eine Schülermutter ihren Eindruck. Beliebt ist die seit 1983 (!) am BGN tätige Lehrerin unter Lehrern wie Schülern. „Sie ist einfach cool. Jeder mag sie“, bringt es eine 16-Jährige auf den Punkt. Man merke der Deutsch- und „Reli“-Lehrerin an, dass sie Spaß am Unterrichten habe. Schüler sehen: „Diese Lehrerin freut sich auf uns!

Aus einer sechsten Klasse heißt es: „Bei Frau Weinmüller sehen wir: Die freut sich auf uns!“ In Weinmüllers Unterricht werde viel diskutiert, sodass er jeden interessiere. „Es machen sogar die mit, die sonst wenig sagen“, schildert die 16-Jährige. Den Religionsunterricht besuchten auch Schüler, die gar nicht katholisch seien – aus freien Stücken. Die Schülerin ist überzeugt: „Frau Weinmüller sticht heraus“, und meint: „Wir würden uns mehr solche Lehrer wünschen.“ Den Stoff bestimmen die Schüler mit

Gerlinde Weinmüller freuen solche Rückmeldungen. Die bestätigten ihr: „Ich habe meinen Beruf gefunden.“ Es sei eine tolle Herausforderung, mit jungen Menschen zu arbeiten. Und wie bringt eine Lehrerin ihre Schüler zum Mitmachen? Gerade im Fach Religion, von dem man sich abmelden kann, muss sich eine Lehrerin schon etwas überlegen. Weinmüller: „Ich frage, wo sind meine Schüler, was sind ihre Themen?“ Der Unterricht stehe und falle damit, ob sie die Schüler erreiche. Deshalb bindet sie diese ein. Am Jahresanfang wird der Stoff gemeinsam geplant. „Ich signalisiere ihnen, es ist ihr Unterricht, und für den sind sie mitverantwortlich.“

So einfach: Lehrerin liest den Kindern vor

Zum Unterhalten sei sie nicht da, dafür aber zum Angstnehmen, konkret im Hauptfach Deutsch. Diese Angst entstehe durch den hohen Druck, den die Schule, die Eltern und die Mitschüler untereinander erzeugen. „Da musst du durch, und da auch“, das hören die Schüler aus Sicht ihrer Lehrerin dauernd. Um den Druck wegzulenken, lese sie den Erst-, Zweit- und Drittklasslern einfach vor. „Sie genießen es“, schildert die Lehrerin.

Kreatives Schreiben nimmt Angst vor Hauptfach

Die Größeren üben sich im kreativen Schreiben, das die Deutschlehrerin seit Jahren anbietet. Dafür nehme man sich ab und zu einfach eine Viertelstunde Zeit, um die Gedanken schweifen zu lassen. Das Ziel: „Die Schüler sollen Lust und Faszination an Sprache kriegen.“ Jeder könne schreiben – wenn dies angstfrei passiere und ohne sich ständig zu vergleichen. Um das zu vermitteln, zeige sie den Schülern: „Auch ich bin verwundbar. Jeder ist anders.“ Die Schüler sollen dadurch im Unterricht das Gefühl bekommen: Es geht um sie selbst.

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