Gerlinde Weinmüller

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Gerlinde Weinmüller, 2016
Gerlinde Weinmüller bei ihrer Buchpräsentation liebes.länglich am 8. März 2017 im Bildungshaus St. Virgil
Titelbild des Romans "Eine Hand voll Mond"
"... den spannenden Kontakt zu ihren Lesern" 2011

Mag.a[1] Gerlinde Weinmüller (* 11. August 1960 in Salzburg), die Schwester der Sängerin Simone Klebel-Pergmann, ist Mittelschulprofessorin und Schriftstellerin.

Leben

Sie wuchs in Anif-Niederalm auf und studierte nach der Matura Theologie und Germanistik. Sie lebt und arbeitet als Schriftstellerin in Niederalm bei Salzburg. Darüber hinaus unterrichtet sie an einem Salzburger Gymnasium Deutsch, Religion und Kreatives Schreiben.

Die Schriftstellerin

"... immer etwas 'total verdichten'" 2009
"... Schreiben ist immer unvorsichtig" 2009

Schon während ihrer Schulzeit freute sie sich auf jede Deutsch-Schularbeit, egal welches Thema oder Aufgabe auch kam. Bereits verheiratet, bekam sie 1998 ein "Erlebnis-Geschenk", einen Kurs in der Schreibwerkstatt im Literaturhaus Salzburg. Dabei hatte sie auf einer Heimfahrt ihr Schlüsselerlebnis: sie musste ihr Auto anhalten, da sie von einer Lawine von Worten geistig überschüttet wurde, als wäre eine Staumauer gebrochen.

Wie sich ihre manchmal mehrdeutigen Texte und Gedichte mit ihrer Religionslehrer-Tätigkeit vereinbaren ließen, beantwortet sie so: „Schreiben ist immer unvorsichtig!“ Weil, und so argumentiert sie weiter, sie sich stets fragt, ob sie für sich oder für die Öffentlichkeit schreibe. Denn der Reiz des Schreibens liegt für sie auch darin, dass sie über ihre Gefühle und Situationen schreiben will, weil diese irgendwann Realität werden. „Nur eigene Emotionen können Stoff werden.“ So verbindet sie eigenen Erfahrungen mit Dingen, die ihre Romanfiguren erleben, die sie selbst nie machen würde.

Schreiben selbst ist schon spannend, aber ich denke, das Abenteuer beginnt erst, wenn der Leser ins Spiel kommt“ meinte Gerlinde Weinmüller anlässlich des Erscheinen ihres ersten Kurzgeschichtenbandes 2001 „Die Entlarvung eines Schmetterlings“. Darin findet der Leser fesselnde, ironisch-tiefgründige Alltagsgeschichten, die völlig unerwartete Wendungen nehmen. So beispielsweise in der Geschichte „Florenz liegt in Italien“, in der die beiden Teddybären Bruno und Brunello zu einem Kriminalfall werden. Mit ihren Gedichten in „Himmel voller Asphalt“ und „Verfallen“ möchte sie „immer etwas total 'verdichten' “, wie die Künstlerin erklärt.

"Ein Gedicht muss auf den Punkt kommen"

O-Ton:

Gedichte transportieren Stimmung
Mit dem Unerwarteten spielen
Ein Geschichte, ein Gedicht schreiben, wo der Inhalt zwischen den Zeilen steht
Wenn ich anfange zu Schreiben, kenne ich die Geschichte noch nicht
Ein Buch muss man anfassen können

Was ist ihr wichtig

Sie liest sehr gerne vor, denn sie hält dies für einen Liebesdienst für ihre Leser. Es ist ihr sehr wichtig in Kontakt mit den Lesern zu treten. Sie schreibt, um gelesen zu werden.

So knapp wie es geht, aber nicht knapper

„So knapp wie es geht, aber nicht knapper“ 2011
Schriftstellerin Gerlinde Weinmüller 2011 im Gespräch mit Peter Krackowizer
im "Garten der Kreativität" 2011

Ein Portrait von Gerlinde Weinmüller 2011, geschrieben von Peter Krackowizer.

Wenn ich mich mit Gerlinde Weinmüller, von Beruf Mittelschulprofessorin in Salzburg, von Berufung Schriftstellerin, unterhalte, füllt sich mein Notizblock immer rasch mit ihren wohl formulierten Zitaten.

„Die Entlarvung des Schmetterlings“ hieß Weinmüllers erster Kurzgeschichtenband, der 2003 als zweites Werk von ihr erschienen war. Spannungsgeladene Episoden mit manch verblüffendem Ausgang, manchmal mit fein ausgewählten Worten, deren Zweideutigkeit den Leser zum Fantasieren anregen. Nun soll im Herbst 2011 ihr zweiter Kurzgeschichtenband als sechstes Werk, neben bereits publizierten drei Gedichtbänden und einem Roman, veröffentlicht werden.

Seit zwei Jahren arbeitet sie schon an diesem Kurzgeschichtenband. Ihr Beruf und die Familie bringen sie dabei immer wieder in kreative Nöte, sich die Zeit zu nehmen zu schreiben. Denn wie eine Lawine löst sich manchmal eine Geschichte aus ihrem Kreativitätszentrum im Kopf und will aufgeschrieben werden. Oft strömen mehrere Geschichten gleichzeitig durch ihre Gedanken. So sind rund 50 kurze Geschichten entstanden, Geschichten, die man in wenigen Minuten lesen kann, viele mit einem offenen Ende – der Leser soll sein eigenes Ende der Geschichte finden.

Männer sind so interessant beim Schreiben, weil ich sie nicht verstehe…

Erzählte mir Gerlinde Weinmüller noch vor einigen Jahren, dass nur eigene Emotionen Stoff für ihre literarischen Werke sein können, so berichtigt sie heute ihre Ansicht dahingehend, dass sie ihre Ideen durchaus auch von anderen Menschen erfährt. Da muss ich ihr die provokante Frage stellen, welche Rolle Männer in ihren literarischen Schöpfungen haben. Sie seien Impuls und Motivation zum Schreiben, meint sie dazu. Denn „sie sind so interessant beim Schreiben, weil ich sie nicht verstehe, weil ich sie mir immer wieder übersetzen muss!“

Damit hat Gerlinde Weinmüller mich auch schon zu meiner nächsten Frage animiert: Welchen Stellenwert hat ihre schriftstellerische Tätigkeit in ihrem Leben? Die Künstlerin antwortet bewusst überlegt, ihre schriftstellerische Tätigkeit habe einen sehr hohen Stellenwert in ihrem Leben. Sie sei auch gleichzeitig die Kraft für ihre Kreativität und dieser Kreativität gegenüber hätte sie eine Verantwortung. Sie schreibe nicht in der Absicht, Besteller auf den Markt zu bringen, da sie nicht von ihrer Kunst leben muss. Sie will sich aber ausdrücken. Dies, so meine persönliche Anmerkung dazu, ist ihr in ihren bisherigen Werken ausgesprochen gut gelungen. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist ihr Roman „Eine Hand voll Mond“.

Müssen ihre Gedichte für jedermann verständlich geschrieben sein?

Ja, sie müssen für ihre Leser verständlich sein – nur – nicht zu schnell! Gerlinde Weinmüller möchte „immer etwas total 'verdichten'“. Sie sagt, sie könne gar nicht anders schreiben, als sie schreibt. Ihre Gedichte können gar nicht anders sein, als sie sind. Bei ihren Prosa-Werken möchte sie, dass die Erzählung, deren (tieferer) Sinn, beim Leser ankommt. Daher schreibt sie eben ihre neuen Kurzgeschichten „so knapp es geht, aber nicht knapper“.

Spannende Kontakte mit ihren Lesern

Auch Schriftsteller sind Menschen mit Träumen. Hat Gerlinde Weinmüller welche? Ja, sie möchte gerne dem Schreiben noch mehr gerecht werden. Schmunzelnd fügt sie hinzu: „… das hätte etwas mit ‚Nein sagen können‘ zu tun…“, sich also Freiräume schaffen können. Vor allem, um, wie sie es sieht, „den spannenden Kontakt zu ihren Lesern“ noch stärker leben zu können. Denn trotz moderner Medien im Internet und kleinen handlichen Elektronikgeräten boomt das Vorlesen. Erinnern wir uns doch, wie uns als Kinder Geschichten vorgelesen wurden, träumt Weinmüller. Sie sieht das einander Vorlesen „als eine der zärtlichsten Gesten im Leben“. Die Zeit für diese Freiräume muss sie sich aber immer wieder neu organisieren und sieht darin einen momentanen Auf- und Umbruch in ihrem Leben.

Die Torheit ihres Lebens

Etwas Künstlerisches in der Öffentlichkeit präsentieren, von dem sie nicht weiß, wie es bei den Menschen ankommen wird, was es bewirkt – das ist für Gerlinde Weinmüller eine Torheit, die sie in ihrem Leben noch gerne begehen möchte.

Welche Literatur schätzt die Künstlerin selbst?

Die Lateinamerikanische Literatur, die Realität mit Futuristischem vermischt. Diese Art der Literatur, die dann ins Sinnliche abgleitet, also „Sinn“-lich wird - riechen, schmecken, sehen, hören, tasten – das ist für sie etwas, was sie gerne liest.

Gibt es so etwas wie „schlechte“ Dichtung?

Dass man über Kunst streiten kann, war mir bei dieser Fragestellung wohl bewusst. Aber auch auf diese verfängliche Frage antwortet mir die Künstlerin mit einer ihr so eigenen, trefflichen Wortwahl: „Mit der ich nichts anfangen kann, was aber nicht heißt, dass sie schlecht ist“. Denn, so ergänzt sie mit einem eigenen Beispiel, sie hätte ein Buch vor 15 Jahren gelesen, nicht verstanden und weggelegt. Vor einiger Zeit holte sie es wieder hervor und sieht heute den Inhalt in einem anderen Licht. Was sie aber in der Dichtkunst wirklich nicht mag, ist Dilettantismus, also Werke, die sich nicht mit der Sprache auseinandersetzen. Für Weinmüller muss ein gutes Buch mindestens ein paar Sätze bieten, die sie unterstreichen möchte.

Garten – der Ort, der ihr Kraft gibt

Gerlinde Weinmüller führt mich in ihren Garten. Der Garten, die Pflanzen, Teiche anlegen, mit und in Erde arbeiten, etwas Wachsen sehen, das sind Orte und Momente, die sie „zu ihrer Mitte“ bringen und sie Geduld lehren. Durch Meditation im Garten in die Stille gehen gäbe ihr immer wieder neue Kraft, meint sie und fragt mich, ob sie den Baum umarmen solle? Doch ich finde, der Blick hinter dem Baum hervor zeigt die Schriftstellerin Gerlinde Weinmüller trefflicher: mit ihren Gedichten und Kurzgeschichten möchte sie nicht alles gleich aufdecken – der Leser soll ruhig ein wenig nachdenken. Ja, sie müsse für ihre Leser verständlich sein – nur – eben nicht zu schnell!

Die Lehrerin

Hauptartikel Gerlinde Weinmüller: Diese Lehrerin zieht Schüler in ihren Bann

Werke

  • Himmel voller Asphalt, Gedichte, 2001, Edition Garamond, ISBN 3-85306-014-5 und ISBN 978-3-85306-014-8
  • Die Entlarvung des Schmetterlings, 2003 Kurzgeschichten, Edition Garamond, ISBN 3-85306-026-9 und ISBN 978-3-85306-026-1
  • Verfallen, Gedichte, 2006, Edition Garamond, ISBN 3-85306-033-1 und ISBN 978-3-85306-033-9
  • stand.halten, Gedichteband, Verlag Edition Tandem Salzburg, 2009, ISBN 978-3-902606-16-7
  • Eine Hand voll Mond, Roman, 2010, Edition Garamond, ISBN 978-3-85306-008-7
  • Den Letzten küssen die Hunde, Kurzgeschichten, 2012, Edition Garamond, ISBN 978-3-85306-000-1
  • fug und schatten, Lyrik mit Bildern, 2014, Verlag Tauriska, ISBN 978-3-90125-746-9
  • liebes.länglich, Gedichte und Prosaminiaturen, 2017, Verlag Edition Tandem, ISBN 978-3-902932-65-5
  • gesetzt den fall mit Gedichten zu den Fahnenbildern von Karl Hartwig Kaltner, 2017, Verlag Tauriska
  • Veröffentlichung von Gedichten und Kurzgeschichten in der Anthologie "Unerbittliche Sanftmut, Näherungen an Adalbert Stifter" im Arovell Verlag Salzburg 2006
  • Veröffentlichungen in diversen Literaturzeitungen z. B. "Salz" und Anthologien
  • Veröffentlichung von Kurzgeschichten in der Anthologie "Tauchgänge" im Arovell Verlag Salzburg 2003

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Weblink

Quelle

Einzelnachweise

  1. Bis 2006 war "Magister" (männlich) bzw. (seit 1993) "Magistra" (weiblich) der übliche akademische Grad für die meisten Studien auf Master-Niveau. "Mag." ist die gesetzliche (§55 Universitätsgesetz 2002) Abkürzung sowohl für "Magister" als auch für "Magistra", wohingegen aber auch (aus gleichstellungspolitischen Motiven) die Abkürzung "Mag.a" für "Magistra" propagiert und verwendet wird.