Jocher zu Höch und Eggersberg

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Die Jocher (zu Höch und Eggersberg) waren eine Salzburger Gewerken- und Adelsfamilie des 16. und des 17. Jahrhunderts.

Allgemeines

Die Jocher waren eine Bauernfamilie in Joch am Kochelsee (Oberbayern), von der eine Linie in den Lungau kam und durch Bergbau (Gold, Silber, Eisen, Arsenik) vermögend wurde.[1]

Diese wurde auch in die Hohe Salzburger Landschaft aufgenommen.[2]

In Tamsweg wurde das Haus Marktplatz 1 (heute Fleischhauerei Lankmayr) im 16. Jahrhundert von den Gewerken Jocher als Verwaltungsgebäude erbaut.[3]

Die Familie starb im Jahr 1711 aus.[1]

Personen

Christoph Jocher

Ein Georg Jocher erhielt 1532 einen Wappenbrief.[1]

Dessen Sohn Christoph Jocher († 1594) kam um 1550 in den Lungau, betätigte sich als Gewerke und war von 1568 an salzburgischer Pfleger in Mauterndorf. Im Jahr 1590 wurde er in den Reichsadelsstand erhoben.[1]

Christoph Jocher war verheiratet mit Lucretia Kellner und hatte die Kinder Karl († 1645) und Wilhelm (* 1565 Mauterndorf; † 1636).[1]

Karl und Wilhelm Jocher und der Weyerturm

Im Jahr 1570 sollen Karl und Wilhelm Jocher den Weyerturm in der Ortschaft Weyer bei Bramberg besessen haben.[4]

Karl Jocher

Karl Jocher († 1645) war Gewerke im Lungau sowie salzburgischer Pfleger in Baierdorf ob Murau (Stmk.).[1]

1608 kaufte Karl Jocher, der zu dieser Zeit reichste und mächtigste Gewerke im Lungau, von seinem Großonkel Paul Kölderer Schloss Höch bei Reitdorf im Pongau.[5]

Wilhelm Jocher zu Eggersberg

Wilhelm Jocher (* 15. November 1565 in Mauterndorf; † 3. Mai 1636 in München)[1] war bayrischer Geheimer Rat, „Kronjurist“ und Diplomat.

Wilhelm Jocher studierte in Ingolstadt (Bayern) zur gleichen Zeit wie der spätere bayerische Herzog und Kurfürst Maximilian I.[6] die Rechte, erwarb das Doktorat und war von 1592 bis 1604 Assessor des Bayerischen Reichskreises[6] am Reichskammergericht in Speyer. 1604 trat er in bayerische Dienste als Pfleger von Dachau (bis 1636) und herzoglicher Rat (seit 1611 Geheimer Rat).[1] So entwickelte er vor und während des Dreißigjährigen Krieges als Jurist und Diplomat eine für die Politik seines Fürsten, des bayrischen Herzogs und Kurfürsten Maximilian I., bedeutsame Tätigkeit[7] und erwarb sich dessen und des Kaisers Gunst. Als wichtigster Ratgeber Maximilians begleitete der humanistisch gebildete, streng religiöse Jocher die bayerische Reichs- und Außenpolitik mit scharfsinnigen, bisweilen spitzfindigen juristischen Stellungnahmen.[6]

Für sich selbst konnte er im Laufe der Jahre die bayrischen Hofmarken Dachenstein, Eggersberg und Harlanden erwerben. 1616 erhielt er die Edelmannsfreiheit auf seine einschichtigen Güter in Bayern und den österreichischen Erblanden und eine Reihe kaiserlicher Privilegien.[1]

Im Jahr 1604 hatte er Anna von Mittersbach († 1630) geheiratet. Die Ehe blieb kinderlos. Sein ansehnliches Vermögen vermachte Wilhelm Jocher frommen und milden Stiftungen, insbesondere in Dachau und München, sowie seinen Neffen.[1]

Wilhelm Karl Jocher zu Höch und Eggersberg

Mit Urkunde vom 15. Februar 1648 nahmen Wilhelbm Carl Jocher zu Hech und Egersperg, Hechenrain, Felden und Schrättenperg, Ursula Jocherin (Frau des Conrad Graf von Schernberg, Pfleger zu Goldegg) und Eva Jocherin (Frau des Hannß Jacob Auer von Wünckhl, Pfleger zu Tetlhaimb), beide Töchter des verstorbenen Carl Jocher zu Hech, vom Salzburger Domkapitel bestimmte Güter im Amt Khettlprugg zu Lehen.[8] Wilhelm Carl Jocher wird dabei nicht selbst als Sohn des verstorbenen Carl Jocher bezeichnet, wohl aber tritt er gemeinsam mit dessen Töchtern auf; auch ist nicht erfindlich, wessen Sohn er sonst sein könnte, sodass wir in ihm wohl tatsächlich einen Sohn Carl Jochers erblicken dürfen[9].

Wilhelm Karl Jocher von Eggersberg, Höch und Hohenrain († 16. Mai 1653[10]) heiratete am 14. Jänner 1646 in Mauterndorf Maria Anna Ritz zu Grub († 27. August 1684).[11]

Adam Jocher zu Höch und Eggersberg

Karls (des 1645 verstorbenen Gewerken) Sohn Adam vollendete im Jahr 1648 den Renaissancebau des Schlosses Höch und war vor allem für die reiche Innenausstattung verantwortlich.[12] Er hatte eine einzige Tochter Maria Johanna, welche Schloss Höch erbte.[13]

Zu Adam Jocher (zu Eggersberg) gibt es Informationen aus bayrischen Quellen, die manchmal zweifeln lassen, ob es sich um ein und dieselbe Person handelt.[9] Adam Jocher wird als Sohn des bayrischen Kronjuristen Wilhelm Jocher bezeichnet[6] (während gut bezeugt ist[1], dass dieser kinderlos war). Wie Wilhelm war Adam Jocher bayerischer Rat und lebte im „Neuen Schloss“ zu Eggersberg, wie es heute noch besteht.[6] 1684 ging Adam Jocher, nachdem er sich mit verschiedenen Geschäften übernommen hatte, „in den Gant“, es erfolgte also die Zwangsversteigerung des Jocherschen Besitzes zu Eggersberg.[6]

Maria Johanna verh. Freiin von Plaz

Maria Johanna Jocher von Eggersberg und Höch, einzige Tochter Adam Jochers und Erbin von Höch, heiratete 1657/1658 Johann Rudolf Freiherrn von Plaz zum Thurn[13]. Sie starb am 8. Jänner 1711.[14]

In der Familie Plaz blieb Schloss Höch bis in das letzte Viertel des 20. Jahrhunderts.[13]

Töchter Karls

Karls Tochter Ursula war, wie oben angeführt, Frau des Conrad Graf von Schernberg, Pflegers zu Goldegg.

Eva Jocher Freiin zu Höch und Eggersberg, Tochter des Karl Jocher Freiherrn von Höch, Eggersberg und Hohenrain und der Johanna Müller von Zweiraden, heiratete im Jahr 1637 Hanns Jakob Franz Auer von Winkel zu Gessenberg, hochfürstlich salzburgischer Rat und Pfleger zu Mattsee und Tettelheim.[15]

Bildergalerie

Literatur

  • Pantz, Die Jocher von Eggersberg, in: Monatsblatt der genealogisch-heraldischen Gesellschaft „Adler", Wien, 9, 1922, S. 52-55[16]; =?Nr. 502/3.[17]
  • V. Hatheyer, Die Gewerkenfamilie Jocher in Mauterndorf, in: Lungauer Kirchenblatt, Jg. 9-11, 1935 f. − 1937 f.[16]

Quellen, Anmerkungen

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 Albrecht, Dieter: „Jocher von Egersperg, Wilhelm“, in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 447 f. (Onlinefassung).
  2. Albrecht aaO (nicht bestätigt durch den Artikel Hohe Salzburger Landschaft).
  3. Artikel "Tamsweg", Datei:007.jpg.
  4. Artikel "Weyerturm". Diese Nachricht erstaunt insofern, als Wilhelm (* 1565) und wohl auch Karl damals noch im Kindesalter standen und ihr Vater noch lebte, und zwar in größerer Entfernung von Bramberg (zu denken wäre allenfalls daran, dass sie Weyer als Erbe mütterlicherseits besessen haben mochten). (Anmerkung des Artikel(erst)verfassers.)
  5. Artikel "Schloss Höch"; vgl. auch www.flachau.com Geschichte von Schloss Höch.
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 6,4 6,5 schloss-eggersberg.eu: Geschichte.
  7. Ausführlich Albrecht aaO.
  8. SLA, OU 1648 II 15.
  9. 9,0 9,1 Anmerkung des Artikel(erst)verfassers.
  10. Tafel in St. Gertrauden bei Mauterndorf.
  11. Franz Martin: Beiträge zur Salzburger Familiengeschichte. 14. Ritz (Salzburger Linie), in: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde (MGSLK) 70, 1930, S. 60-64(S. 64).
  12. www.flachau.com Geschichte von Schloss Höch.
  13. 13,0 13,1 13,2 www.burgen-austria.com.
  14. Franz Martin, Beiträge zur Salzburger Familiengeschichte. 84. Plaz, in: MGSLK 82/83, 1942/43, S. 49-55 (51).
  15. Artikel "Auer von Winkel (Adelsgeschlecht)"; Franz Martin: Beiträge zur Salzburger Familiengeschichte. 17. Auer zu Winkel, Salzburger Linie, später Freiherrn von Gold zu Lampoting, in: MGSLK 71, 1931, S. 101-105(S. 103).
  16. 16,0 16,1 Hier zitiert nach Albrecht aaO.
  17. Hier zitiert nach Franz Martin, Versuch einer Zusammenstellung des genealogischen Schrifttums über Salzburger Familien, MGSLK 84/85 (1944/45) S. 71.