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Auer von Winkel (Adelsgeschlecht)

Die Auer von Winkel (Winckel) waren ein bayrisches Adelsgeschlecht, das in der Linie derer zu Gestenberg (Gessenberg) auch einen Salzburger Ast aufwies, dessen einige Angehörige sich im fürsterzbischöflichen Dienst Verdienste erwarben und das in den Reichsfreiherrenstand mit dem Prädikat “Gold zu Lampoding“ erhoben wurde.

Inhaltsverzeichnis

Älteste Zeit

Das namensgebende, dem Geschlecht seinerzeit gehörige Landgut Winkel lag bei Grabenstatt am Chiemsee.

Das Geschlecht kam 1348 zum ersten Mal vor. 1360 wurde Hanns, 1362 Wolf genannt.

Stammfolge:

  • Wolf
    • Friedrich
      • Polycarp († 1410)
        • Gerwig
        • Hanns, verheiratet mit Barbara Aschacher
        • Christoph
      • Hanns († 1423), erhielt Röhrnbach durch Heirat mit Anna Ambranger von Röhrnbach
      • Wolf

Das Geschlecht teilte sich in zwei Hauptlinien:

  • Die Auer von Winkel zu Röhrnbach und Saulburg auf Thurnthenning im Bayrischen und
  • Die Auer von Winkel zu Gessenberg bei Waging (das damals salzburgisch war).

Hanns Auer von Winkel (wohl: der Gemahl der Barbara Aschacher) hatte die fünf Söhne

  • Wilhelm, Stammvater der Linie von Thurnthaining
  • Georg, Besitzer des Gutes Winkel
  • Hanns Auer von Winkel und Gänkofen († 1535), ohne eigene Erben verstorben
  • Adolph, verheiratet mit Regina von Stingelheim
  • Jakob Auer von Winkel zu Gessenberg

Die salzburgische Linie (Auer von Winkel zu Gessenberg)

Die – salzburgische – Linie der Auer von Wink(e)l zu Gessenberg (Gestenberg) wurde von dem um 1480 erscheinenden Jakob Auer zu Winkel, dem fünften Sohn des Hanns, begründet.

Der genannte Stammvater Jakob Auer von Winkel zu Gessenberg hatte (zumindest) die Söhne

  • Hanns, im Krieg gestorben zu Alexandria;
  • Georg, Pfleger zu Tettelheim; hatte mit seiner Gemahlin Martha von Schaumberg sieben Söhne, von denen einige als Offiziere und fürsterzbischöfliche Verwaltungsbeamte dienten, und vier Töchter
    • Hanns Jakob, Pfleger zu Tittmoning, kinderlos gestorben
    • Georg Wilhelm, fürstbischöflich eichstättischer Rat, kinderlos gestorben
    • Tobias, Pfleger zu Golling
    • Veit Ulrich, im (niederländischen) Krieg gestorben
    • David, im Krieg in den Niederlanden gestorben
    • Elias, jung gestorben
    • Ernst, Pfleger zu Tettelheim, hatte mit Margaretha Grimming von Nieder-Rain zehn Kinder
      • Hanns Georg († 1535), im Krieg kinderlos gestorben
      • Jakob Ernst, jung gestorben
      • Hanns Karl († 1539), im Krieg kinderlos gestorben
      • Georg Wilhelm, jung gestorben
      • Veit Ulrich, jung gestorben
      • Georg Christoph († 1535), im Krieg gestorben
      • Georg Franz, 20-jährig gestorben
      • Hans Jakob († 1665?![1]), Pfleger zu Mattsee und Tettelheim

Hanns Jakob Franz Auer von Winkel zu Gessenberg, der achte Sohn des Ernst, war hochfürstlich salzburgischer Rat und Pfleger zu Mattsee und Tettelheim; er war verheiratet mit Eva geb. Jocher Freiin zu Höch und Eggersberg.

Ein Christoph Auer von Winkel (genealogische Einordnung unsicher[2]) focht bei der ersten Wiener Türkenbelagerung von 1529 unter dem Salzburger Landadel rühmlichst mit.

Die Freiherren Gold zu Lampoding

Ludwig Franz Auer von Winkel und Gessenberg, erster Sohn des Hanns Jakob († 1665?)[3], war hochfürstlich salzburgischer Rat und Pfleger zu Lofer; er heiratete 1677 Maria Polixena Gold Freiin von Lampoding, die letzte ihres Geschlechts. Er hatte mit ihr zumindest die Kinder

  • Franz Anton[4] (* 1682),
  • Franz Rochus (* um 1686),
  • Maria Catharina Cunigunda,
  • Maria Polixena und
  • Maria Theresia.

Als Erben der Freiherren Gold zu Lampoding erhoben die Auer von Winkel und Gessenberg auch Anspruch auf Wappen und Namen des Freiherrengeschlechts.

In der Tat wurden Franz Rochus und Franz Anton 1714 mit dem Prädikat „Gold zu Lampoding“ in den Reichsfreiherrenstand erhoben.[5]

Von den Gold zu Lampoding erbten die Auer von Winkel auch ein Erbausfergen-Amt in Laufen an der Salzach an der Salzach.

Franz Anton Freiherr von Auer

Franz Anton Freiherr von Auer (* 1682 Salzburg; † 25. August 1755 ebenda), seit 1714 Freiherr Gold zu Lampoding, trat in fürsterzbischöflichen Militärdienst, wurde 1704 in den salzburgischen St. Ruperti-Ritterorden aufgenommen und nahm von 1705 bis 1714 im Salzburger Bataillon des Reichskontingents am Spanischen Erbfolgekrieg teil. Schwerpunkt seines Einsatzes war die Reichsfestung Freiburg im Breisgau, das im Jahr 1713 zwei Monate lang von den Franzosen belagert wurde. Zunächst Fähnrich, wurde er 1711 zum Hauptmann befördert. Nach dem Friedensschluss von 1714 kehrte er mit den schwachen Überresten seines Bataillons nach Salzburg zurück.

1718 wurde er Kriegsrat und Kämmerer sowie Pfleger zu Abtenau. 1725 wurde er Pfleger zu Waging, 1731 Landschaftsverordneter, 1734 General-Steuereinnehmer und Ordensinspektor.

1720 hatte er auf den Ruperti-Ritterorden verzichtet, da der Orden zu Ehelosigkeit verpflichtete, er sich hingegen verheiraten wollte.

Er starb in seiner Heimatstadt im 73. Lebensjahr.

Franz Rochus Freiherr von Auer

Franz Rochus Auer von Winkel zu Gessenberg Freiherr Gold zu Lampoding (* um 1686; † 16. Mai 1762) war Sohn des Ludwig Franz und offenbar ein jüngerer Bruder des Vorigen.

Er war salzburgischer Kämmerer und Geheimer Rat, Pfleger zu Glanegg, 1728 Hofratsdirektor, in der Folge Hofratsvizepräsident.

Er war zweimal verheiratet, und zwar mit

  • Maria Josepha geb. Freiin von der Halden zu Tratzberg († 27. März 1729 im 26. Lebensjahr), und
  • Maria Carolina geb. Freiin von Ocfort,

beide begraben in der Franziskanerkirche.

Leopold Freiherr von Auer

Leopold Auer zu Winkl Freiherr Gold zu Lampoding (* 17..; † 18..) war ein Sohn des Franz Rochus.

Er war ab 1759 salzburgischer Kämmerer, 1762 bis 1764 Pfleger zu Glanegg, dann zu Tettelham und Waging, ab 1779 salzburgischer Wirklicher Hofrat. [6]. 1801 wurde er Hofratssekretär[7]

Eine Maria Theresia Freifrau von Auer geb. Gräfin von Ueberacker (* 1743; † 1823) wird auf ihrem Grabstein als Witwe eines großherzoglich-würzburgischen Kämmerers und Pflegers zu Waging – war das Leopold von Auer?[8] – bezeichnet.

Hieronymus Freiherr von Auer

Hieronymus Auer von Winkl Freiherr Gold zu Lampoding (* 17..; † 1836), Herr zu Gastag und Gessenberg, war vermutlich ein Sohn des Vorigen.

Er war salzburgischer Kämmerer, k. k. Landrat, 1809 /10 ua. Mitglied der General-Landesadministration und später k. k. Präsident[9] in Salzburg.

Bis 1806 bekleidete er auch das Amt eines Erb-Salzausfergen.

Im Jahre 1836 starb er als letzter männlicher Spross seines Geschlechts.

Er wurde beerbt von seiner Schwester Walburga (* 1783), verh. Freiin von Imhof.

Literatur

Moriz Maria Edler von Weittenhiller, "Der Salzburgische Adel" in J. Siebmacher's großes und allgemeines Wappenbuch, IV. Band., 6. Abteilung, S. 5, Tfl. 2, Nürnberg 1883.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Angabe des Todesjahres nach Alois Ritter Auer von Welsbach (S. 498), ist aber offenkundig um rund 100 Jahre verfehlt
  2. Alois Ritter Auer von Welsbach (S. 496) hält ihn für einen Sohn des Polycarp, was sich aber zeitlich kaum ausgeht.
  3. Für den Vater des Ludwig Franz ist das Todesjahr, das Alois Ritter Auer von Welsbach unplausiblerweise dem Sohn des Ernst zuschreibt, durchaus plausibel.
  4. Dass Franz Anton, wie Franz Rochus, ein Sohn des Ludwig Franz und der Maria Polixena war, ist in den verfügbaren Quellen nicht ausdrücklich bezeugt, aber angesichts der Zusammenhänge auch nicht zu bezweifeln
  5. Ob dies für beide Brüder gleichzeitig geschah, steht nicht fest. Für Franz Rochus wird das Diplom gegeben zu Wien, 10. Oktober 1712, in Salzburg publiziert 1714, für Franz Anton nur das Jahr 1714 angegeben.
  6. Bernard Zezi (Hg.), Hochfürstlich-salzburgischer Hof- und Staatsschematismus für das Jahr 1800. Verlag Franz Xaver Duyle (Salzburg 1800), S. 16, 30 und 57. Diese halbamtliche Quelle enthält auch die Namensschreibweise (nicht „von Winkel“, sondern:) Auer zu Winkl Freiherr Gold zu Lampoding.
  7. Bernard Zezi (Hg.), Hof- und Staatsschematismus für das Jahr 1802, S. 45.
  8. Das Großherzogtum Würzburg bestand von 1806 bis 1814 und wurde von Großherzog Ferdinand III. von Toskana regiert, der von 1803 bis 1806 Kurfürst von Salzburg gewesen war und einige Salzburger Beamte nach Würzburg mitgenommen hatte. Der im Vorigen erwähnte Leopold, der 1759 bereits salzburgischer Kämmerer gewesen war, muss 1806 bereits mindestens 70 Jahre alt gewesen sein. Vielleicht haben wir es mit zwei verschiedenen Leopolds (Vater und Sohn) zu tun, und der Hofratssekretär des Jahres 1801 könnte bereits der Sohn gewesen sein.
  9. Welches Amt mit dieser Angabe genau gemeint ist, ist der Quelle (Alois Ritter Auer von Welsbach, aaO S. 499) nicht zu entnehmen.