Pinzgauerin kämpft für ihre Asylwerber

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Eine Pinzgauerin kämpft für ihre Asylwerber in der im Frühsommer 2014 wieder zu heftigen Diskussionen führenden Debatte.

Einleitung

Christine Enzinger aus Saalfelden am Steinernen Meer beherbergt seit zehn Jahren Asylbewerber. Derzeit sind es 40, viele davon aus Syrien (Stand Mai 2014).

In Eben wehren sich Bürger und Politik gegen die Einquartierung von 40 Asylbewerbern. Bei einem Informationsabend am Sonntag, den 18. Mai 2014 sagten Gegner, sie fürchten, dass „kriminelles Gesindel“ komme und „dass sich die Frauen nicht mehr aus dem Haus trauen“.

Für Christine Enzinger aus Saalfelden am Steinernen Meer sind solche Ängste unbegründet. Sie findet es erbärmlich, dass das Land Salzburg seit Jahren seine Quote bei den Asylbewerbern nicht erfüllen kann. „Herrscht bei uns noch immer so viel Fremdenfeindlichkeit, dass man jedem Fremden etwas Schlechtes unterstellt? Wie kann man sich nur so abschließen? Wir brauchen in Österreich noch tausende Conchita Wursts.“ Sie sagt, wer Befürchtungen wegen der Asylbewerber habe, solle nach Saalfelden am Steinernen Meer schauen.

Christine Enzinger betreibt seit 2004 zwei Flüchtlingsquartiere in Saalfelden am Steinernen Meer, in denen 40 Asylbewerber wohnen. Die Nationen wechseln. Derzeit sind „ihre Asylbewerber“, wie sie sie nennt, hauptsächlich aus Syrien, Somalia und Afghanistan.

Als wir die Quartiere geöffnet haben, sind wir auch von Nachbarn gefragt worden, ob jetzt lauter Verbrecher zu uns kommen“, sagt die Pinzgauerin. Vielleicht gebe es Missverständnisse bei den Leuten, weil die Asylbewerber in Schubhaft kommen, wenn ihr Antrag abgelehnt werde.

Trotz der anfänglichen Befürchtungen klappt das Zusammenleben in Saalfelden am Steinernen Meer großteils. „Es gab Beschwerden, weil sie spät am Abend noch draußen Tischtennis gespielt haben oder laut auf dem Balkon telefonierten. Und einer ist in die Drogenszene geraten, hat etwas gestohlen und ist irgendwann verschwunden. Aber das sind Einzelfälle. So etwas kommt in allen Bevölkerungsschichten vor.

Bürgermeister Erich Rohrmoser (SPÖ) sagt: „Es gibt keine Probleme. In Saalfelden merkt man nicht, dass Asylbewerber da sind. Sie sind ein Teil von Saalfelden und integriert. Das sind teilweise blitzgescheite Leute, die etwas können. Wir schauen immer wieder in die Quartiere und organisieren manchmal Dinge für die Asylbewerber. Wir geben ihnen auch ein Kontingent von Karten für das Schwimmbad, damit ihnen nicht fad wird.“ Rohrmoser sagt, man müsse die Bürgermeister frühzeitig informieren, damit sie nicht abblocken. „Und das Verhältnis zwischen Gemeindegröße und Anzahl der Asylbewerber muss passen. Ein kleiner Ort kann sich nicht um 40 Leute kümmern. Wichtig ist auch, dass die Quartiere eine gute Qualität haben.

Christine Enzinger betreut ihre Asylbewerber wie Gäste. Schon 1989 hat sie sich dafür eingesetzt, dass Saalfelden rumänische Flüchtlinge aufnimmt. Dann waren es Bosnier, von denen viele für immer blieben und sich perfekt integrierten. „So, wie man die Leute aufnimmt, so stehen sie zu unserem Staat.“ Die Pinzgauerin war später fünf Jahre Regionalstellenleiterin bei der Caritas. „Dabei habe ich alle Quartiere gesehen. Vieles hat nicht gepasst.“ Also beschloss sie, ein Quartier zu eröffnen, bei dem alles passt. Dazu musste sie zuerst eine Gastgewerbekonzession erwerben.

Als Erstes sollte man als Quartiergeber zur Gemeinde gehen“, sagt sie. „So habe ich es gemacht. Das ist der richtige Weg. Im Pongau sieht man, dass die Bürgermeister sauer sind, wenn sie nicht gleich informiert werden. Der Quartiergeber darf kein Außenseiter im Ort sein, denn man ist auf das Wohlwollen der Politik und der Umgebung angewiesen.“ Enzinger hält es für falsch, dass Landesrätin Martina Berthold (Die Grünen) erst einen Monat nach der ersten Anfrage des Quartiergebers beim Land informiert worden sei und die Bürgermeister erst nach zwei Monaten. In der Zwischenzeit spreche sich in einem kleinen Ort so etwas doch herum. Man müsse sich sofort zusammensetzen und schauen, ob der Quartiergeber überhaupt geeignet sei und nicht nur schnell Geld machen wolle, weil er pleite sei.

Quartiergeber zu sein ist eine schöne Arbeit, die man ernst nehmen muss“, sagt die Saalfeldnerin. „Ich bekomme dafür 12,50 Euro pro Asylbewerber täglich und lebe mit meinen drei Kindern davon. Man kommt mit dem Geld aus und ich habe in die Häuser investiert. Wir haben Internet und die Asylbewerber können über Skype mit ihren Familien reden.“ In manchen Quartieren gebe es nicht einmal Fernseher und die Häuser würden um 22 Uhr zugesperrt. „Bei mir sind sie frei. Ich gehe mit ihnen zu Behörden. Die können ja kein Formular lesen. Ich ratsche mit ihnen und versuche, sie aufzubauen, wenn sie Depressionen haben. Wenn man für sie da ist, dann kommt viel zurück.“ Enzinger sagt, die Quartiergeber müssten die Asylbewerber auch kontrollieren. „Bei mir empfinden sie das nicht als Kontrolle. Ich schaue halt in ihre Zimmer und frage, wie es ihnen geht. Und wir haben ein Netz von Ehrenamtlichen aufgebaut, die den Flüchtlingen ebenfalls helfen und etwas mit ihnen unternehmen.

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