Sumpf-Siegwurz

Aus Salzburgwiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Sumpf-Siegwurz (Gladiolus palustris). Foto: Claudia Arming
Gladiolenwiese im Vorfeld des Untersberges. Foto: Kurt Nadler

Die Sumpf-Siegwurz oder Sumpf-Gladiole (Gladiolus palustris GAUDIN) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Gladiolen (Gladiolus) innerhalb der Familie der Schwertliliengewächse (Iridaceae).

Beschreibung

Die Sumpf-Siegwurz ist eine ausdauernde, bis 80 cm (selten bis 95 cm) hohe Pflanze. Als Überdauerungs- bzw. Speicherorgan fungiert eine bis 2,5 cm lange Sprossknolle, die von einer derben Knollenhülle umschlossen wird, deren Fasern im oberen Teil netzartig untereinander verbundenen sind. Die Sprossknolle wird jedes Jahr neu gebildet, wobei die alte Knolle unter der neuen noch lange erhalten bleibt. Im Frühjahr erscheinen zwei bis drei schwertförmige, bis 40 cm lange und 0,4-1,0 cm (selten bis 1,9 cm) breite Blätter.

Die Blütezeit fällt in die Monate Juni und Juli. Die Blüten sind am oberen Abschnitt des aufrechten Blütenstängels in einer einseitswendigen Ähre angeordnet und entspringen aus der Achsel eines bis 2,5 cm langen Tragblattes. Zwischen Blüte und Abstammungsachse ist ein Vorblatt eingeschaltet, das stets kleiner ist als das Tragblatt. Pro Blütenstand werden zwei bis acht (selten neun) nickende Blüten gebildet, die von unten nach oben aufblühen, wobei nie mehr als 4 gleichzeitig geöffnet sind. Die sechs Blütenhüllblätter sind 25 - 40 mm lang, am Grund zu einem gebogenen Trichter verwachsen und etwas unregelmäßig zweilippig. Sie besitzen eine leuchtend purpurrote Grundfarbe (es treten fallweise auch lila Varianten auf), wobei die unteren Blütenhüllblätter innen einen weißen, dunkelrot umrandeten Längsstreifen aufweisen (Anlockung und Orientierungshilfe für Bestäuber). Die Bestäubung erfolgt üblicherweise durch Hummeln; auch eine Selbstbestäubung ist möglich. Die Samenreife tritt im August/September ein. Als Frucht wird eine etwa 14 - 16 mm lange, an der Spitze abgerundete, zur Reife dreilappig aufspringende Kapsel gebildet. Die ca. fünf mm großen, ringsum stark geflügelten und gut schwimmfähigen Samen werden durch Stoß- bzw. Schüttelausbreitung entlassen.

Standorte

Als Standorte werden grasreiche Schneeheide-Kiefernwälder (vermutlich der ursprüngliche Lebensraum), Pfeifengras-Streuwiesen, Kalk-Flachmoore und Kalk-Halbtrockenrasen genannt.

Verbreitung im Bundesland Salzburg

Vorkommen im nördlichen Flachgau bei Holzhausen und im Pinzgauer Saalachtal bei Lofer sind seit Langem erloschen. Die Art kommt im Bundesland Salzburg nur noch in kleinen, isolierten Restpopulationen im Vorfeld des Untersberges (in den Gemeinden Großgmain, Wals-Siezenheim, Grödig sowie im Süden der Stadt Salzburg) vor.

Mahd einer Gladiolen-Streuwiese mit der Handsense durch die Biotopschutzgruppe HALM. Foto: Bernhard Schmall

Gefährdung und Schutz

Die Sumpf-Siegwurz ist in Salzburg als "vom Aussterben bedroht" (Rote Liste: 1) eingestuft. Im Bundesland Salzburg zählt sie zu den "vollkommen geschützten Pflanzen“.

Der Hauptgrund für die starke Dezimierung und Gefährdung liegt im Verlust und in der Veränderung ihrer Lebensräume (insbesondere Umwandlung von extensiv bewirtschafteten Streuwiesen in Intensivgrünland oder Fichtenforste, Nutzungsaufgabe und anschließende Verbrachung und Verbuschung der letzten verbliebenen Standorte). Nur durch gezielte, fachlich fundierte Pflegemaßnahmen, wie sie beispielsweise die Biotopschutzgruppe Halm seit vielen Jahren durchführt, ist eine positive Bestandesentwicklung möglich.

Wissenswertes

Die Netzstruktur der Knollenhülle wurde im Mittelalter mit einem Kettenhemd oder Harnisch verglichen. Die Knollen wurden daher als Zeichen der Unverwundbarkeit angesehen und als Talisman getragen. Der Name „Sumpf-Siegwurz“ und die ältere Bezeichnung „Runder/Weiblicher Allermannsharnisch“ nehmen darauf Bezug. In Salzburg wurde die Sumpf-Siegwurz früher auch als "Johannishäuptl" bezeichnet, eine Anspielung auf die Blütezeit, die (zwar abhängig vom Standort und von der Witterung) oft in der zweiten Junihälfte (um Johanni) ihren Höhepunkt erreicht.

Man verwendete die Knolle früher auch, um in die Haut eingedrungene Splitter herauszuziehen. Die ätherisches Öl und Saponine enthaltende Knolle wurde ferner als Wundmittel in der Veterinärmedizin benutzt.

Bildergalerie


Literatur und Quellen

  • Bächtold-Stäubli, H.; Daxelmüller, C: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Nachdruck der Ausgaben 1927 - 1942, 1987, De Gruyter, Berlin
  • Herrmann N.: Beiträge zur Morphologie und Biologie von Gladiolus palustris , 2000, Schlechtendalia 5: Seite 19 - 25
  • Hinterhuber, R. & Hinterhuber, J. (1851): Prodromus einer Flora des Kronlandes Salzburg und dessen angränzenden Ländertheilen. Oberer’sche Buchdruckerei, Salzburg. 414 Seiten
  • Hoppe, H.A.: Drogenkunde Band 1, 1975, De Gruyter, Berlin, New York, 1311 Seiten
  • Kirchner, O.V.; Loew, E.; Schröter, C. & Wangerin, W.: Lebensgeschichte der Blütenpflanzen Mitteleuropas. Band I, Abt. 3, 1934, Ulmer, Stuttgart, 1168 Seiten
  • Nowotny, G. & Tröster, B.: Zur Bestandesentwicklung der Sumpf-Gladiole (Gladiolus palustris Gaudin) im Bundesland Salzburg, 2002, 10. Österreichisches Botaniker-Treffen, BAL Gumpenstein (Steiermark), Seite 45 - 50
  • Schmall, B.: Sumpf-Siegwurz (Gladiolus palustris), 2015, HALM-Jahresbericht 2014: Seite 14
  • Schmitt, B.; Fartmann, T. & Hölzel, N.: Vergesellschaftung und Ökologie der Sumpf-Siegwurz (Gladiolus palustris) in Südbayern. 2010, Tuexenia 30: Seite 105 - 127
  • Steingen, S.E.: Die Sumpf-Siegwurz (Gladiolus palustris Gaudin) am Moosanger bei Füssen. 1988, Ber. Bayer. Bot. Ges. 59: Seite 65 - 74
  • Verordnung der Salzburger Landesregierung vom 29. Jänner 2001 über den Schutz bestimmter wild wachsender Pflanzen in der freien Natur und den Schutz frei lebender Tierarten (Pflanzen- und Tierarten-Schutzverordnung), LGBl. Nr. 18/2001
  • Vierhapper, F. (1882): Das Ibmer- und Waidmoos in Oberösterreich – Salzburg. Jber. Ver. Naturk. in Öst. ob der Enns 12: Seite 1-27
  • Wittmann, H., Pilsl, P. & Nowotny, G.: Rote Liste gefährdeter Farn- und Blütenpflanzen des Bundeslandes Salzburg. 1966, 5. Aufl., Naturschutzbeiträge (ed.: Amt d. Salzb. Landesreg., Naturschutzreferat) 8/1996: Seite 1 - 83